reden.arpa-docs.ch
Rektorats Reden © Prof. Schwinges

Erinnerungen an Äneas Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.) Rectoratsrede

gehalten
den 24. September 1840
von
Dr. K. R. Hagenbach,
Prof. der Theologie d. Z. Rector an der Universität zu Basel.
Basel,
Druck und Verlag der Schweighauser'schen Buchhandlung.

Dem Rector, der der Uebung gemäss seine Jahresrede halten soll, stehen in der Regel bei der Wahl seines Gegenstandes zwei Wege offen. Entweder ist es die Universität selbst, es sind ihre Schicksale, ihre Leistungen, ihre Bedürfnisse, die ein Wort zu seiner Zeit erheischen, die zu Berichten, zu Wünschen, zu Anträgen und Hoffnungen, zu gegenseitigen Ermunterungen, mitunter auch zu freimüthigen Bemerkungen und Erörterungen Anlass geben können. Oder es ist, wo diess in den Hintergrund tritt, irgend ein einzelner Zweig der Wissenschaft, gewöhnlich ein den Berufsstudien oder den Lieblingsfächern des Redners näher liegender, dennoch allgemein ansprechender Gegenstand, den er der hohen Versammlung vorführt, um gleichsam damit die Lehrthätigkeit der Universität, wie sie das ganze Jahr hindurch in allen Facultäten geübt wird, an einem Beispiel und in einem öffentlichen Akte zu versinnbilden, und dadurch die Theilnahme an der Wissenschaft und ihren Bestrebungen auch in weitern Kreisen zu wecken und zu beleben.

Wenn ich nun vor 8 Jahren, als ich das erstemal die Rectoratsrede zu halten die Ehre hatte, 1) in einer für unser Gemeinwesen wie für unsere Hochschule gleich gefahrvollen Zeit durch die Umstände genöthigt war, einzig und allein

die Universität und deren Fortbestand zum Inhalt meiner Rede zu machen, weil eben dieser Fortbestand in hohem Grade gefährdet war, so tritt — Gott sei Dank — diessmal eine solche Nothwendigkeit nicht ein. Wir haben seit einer Reihe von Jahren uns wieder von den Mühen und Sorgen jener Zeit erholt, und wenn unsere Universität auch jetzt noch nicht in dem blühenden Zustande sich befindet, den wir ihr wünschen möchten, so ist ihr doch immer ein für unsere Verhältnisse nicht ganz unerfreuliches Dasein gefristet worden. Manches Gute und Löbliche ist aus alter Zeit erhalten, einiges Neue ins Leben gerufen und das der Verbesserung Bedürftige hie und da — selbst unter grössern Anstrengungen — in dem Maasse verbessert und umgestaltet worden, dass die Aussicht in die Zukunft sich eher für uns zu erhellen, als zu trüben scheint.

Und so darf ich denn wohl, ohne mich dem Vorwurf der Gleichgültigkeit auszusetzen, für diessmal den letztgenannten Weg einschlagen, nämlich den einer Vorlesung über ein beliebiges Thema, und ich hoffe, dass meine Wahl um so weniger dürfte missbilligt werden, als die kirchenhistorische Persönlichkeit, von der ich jetzt zu handeln gedenke, in genauester Verbindung steht mit unserer Universität und deren Geschichte. Es ist keine geringere Persönlichkeit, als die des Stifters unserer Hochschule selbst, des Aeneas Sylvius oder Papst Pius ll., an dessen Leben und Gesinnungen ich heute in angemessener Weise erinnern möchte und wozu ich mir Ihre geneigte Aufmerksamkeit erbitte.

Betrachten wir vor allem den Zeitabschnitt, innerhalb welchem sich unsere Darstellung bewegt, so ist schon dieser in vielfacher Hinsicht merkwürdig. Auf der Grenze zwischen dem Mittelalter und der neuern Zeit liegend, hat die erste

Hälfte des 15ten Jahrhunderts bis über die Mitte desselben hinaus eine eigene Physiognomie und ein eigenes charakteristisches Gepräge. Es begegnet uns weder die phantasiereiche, durch die Einheit und Geschlossenheit ihres Wesens imposante Gewalt der frühern Jahrhunderte, noch die Mannigfaltigkeit der Richtungen und Bestrebungen, die Vielseitigkeit und Beweglichkeit der Zustände, wodurch die moderne Geschichte sich auszeichnet.

Die alten Formen, wie sie von Karls des Grossen Zeiten her sich gebildet hatten, sind im Allgemeinen noch da; aber der Geist, der sie belebte, ist gewichen, und darum sind auch die Formen selbst schon vielfach verfallen und zertrümmert, ohne dass der neue Bau schon so weit gediehen wäre, um einen sichern Plan darin erkennen zu lassen. Kaiserthum und Papstthum sind von der Höhe ihrer welthistorischen Bedeutung heruntergesunken, der Credit der Kirche ist geschwächt, die Einheit des Katholicismus gebrochen, und noch sind der europäischen Menschheit die Flügel nicht gewachsen, mit denen sie über die Kluft der Gegensatze hinwegzusetzen vermöchte in eine neue Ordnung der Dinge. Noch kämpft die Barbarei mit der aufkeimenden Bildung, die Gewohnheit mit dem Neuerungstriebe, das vererbte Vorrecht mit den freien Fortschritten des geistigen, des gewerblichen und des geselligen Lebens. Amerika war damals noch nicht entdeckt, der Seeweg nach Ostindien noch nicht gefunden, die Buchdruckerkunst noch eben im Werden begriffen und für den öffentlichen Verkehr so gut als noch nicht vorhanden, und was die Reformation der Kirche betrift, so kündete sich diese zwar laut und immer lauter als dringendes Bedürfniss an, ohne dass es jedoch zu einer durchgreifenden Erneuerung gekommen wäre. Die reformatorischen Concilien gingen einen

schwerfälligen Gang, und die Scheiterhaufen von Huss und Hieronymus standen als düstere Warnungszeichen für Jeden da, der, ohne diesen Gang abzuwarten, selbstständig durchzugreifen sich erkühnte. Aber das Feuer unter der Asche war nicht verglommen, es gährte in Böhmen, in Deutschland fort, und rings um den päpstlichen Stuhl selbst schlummerten auch in dem südlichen Boden viele Keime des Edlern und Bessern, die, von griechischer Bildung befruchtet, nur auf ihren Frühling warteten, um als hoffnungsreiche Blüthen auszubrechen; so dass, wer sagen wollte, es habe jener Zeit an grossen Männern, an hellen Köpfen, an schöpferischen und reformatorischen Geistern gefehlt, die gröbste Unwissenheit verrathen würde. Im Gegentheil ist die genannte Uebergangsperiode eben die Zeit, in welcher bei der Gesunkenheit der öffentlichen Institute, bei der Verdorbenheit der Massen und der Unbehülflichkeit der Formen die Persönlichkeiten nur in einem so helleren Lichte hervortreten. Sind sie es doch eben, diese mächtigen, über die Massen stolz und edel hervorragenden Persönlichkeiten, welche in dieser Zeit mehr als alles, die Augen des Geschichtsforschers auf sich ziehen. und es werden ihrer immer mehrere, bis sie zusammen einen ansehnlichen Chor bilden, der drohend und weissagend über die Bühne der Geschichte hinwegschreitet und dem staunenden Geschlechte den Anbruch eines neuen Tages verkündet.

Auch der Mann, mit dem wir uns nun genauer beschäftigen sollen, gehörte, wenn auch nicht zu den Heroen der Menschheit, nach denen die Jahrhunderte sich messen und benennen, doch zu den Ausgezeichneten und Reichbegabten, so dass, wenn er auch keine näheren Ansprüche auf unsern

Dank hätte, er schon um seiner selbst willen eines historischen Denkmahles würdig wäre. 1)

Aeneas Sylvius Bartholomäus, aus dem alt berühmten Geschlechte der Piccolomini 2) ist geboren den 18. October (am Tage Lucä des Evangelisten) 1405 in einem kleinen Städtchen des Sienischen Gebietes, Corsignano, dem er später, sich selbst zu ehren, den Namen Pienza beilegte. 3) In einem Aufstande des Volkes gegen

den Adel war nämlich der Vater als Patricier aus seiner Geburtsstadt Siena vertrieben worden und hatte sich hieher geflüchtet. Das Vermögen der zahlreichen Familie 1) war geächtet, und der junge Aeneas, der seinem Vater bei den ländlichen Beschäftigungen an die Hand gieng, 2) erhielt nebenher seine erste Bildung, d. h. einen nothdürftigen Unterricht in der lateinischen Grammatik auf der Schule des Städtchens. Mehrere Unglücksfälle bedrohten schon in zarter Jugend sein Leben, und zu verschiedenenmalen rettete ihn die Hand der Vorsehung aus augenscheinlicher Todesgefahr. 3)— Von Verwandten unterstützt, bezog er im 18ten Jahre die seit 1321 gestiftete Universität Siena, wo ausser den Rechtsstudien die Vorträge über Poesie und Rhetorik ihn besonders anzogen und ihm den ersten Impuls zu eigenen poetischen Versuchen gaben. — Von dem tiefern religiösen Ernste und den damit zusammenhängenden Gemüthskämpfen, wie wir sie in dem Jugendleben mancher auserwählter Streiter Gottes finden, entdecken wir freilich nichts in dem Leben des künftigen Statthalters Christi. Die sinnliche Natur des Südländers scheint vielmehr den Eindrücken der Weltlichkeit und den Einflüsterungen einer lüsternen Phantasie sich ungehemmt hingegeben zu haben, wie der Inhalt seiner Jugenddichtungen

und ein Theil der frühern Correspondenz beweist. 4) Für solche Naturen ist es immer heilsam, wenn irgend eine grosse Idee, welche die Zeit bewegt, auch ihre Gedanken und Kräfte in Anspruch nimmt und so wenigstens theilweise von dein Strudel der Zerstreuung sie abzieht, in dem sie sonst unterzugehen Gefahr liefen. So war es dem jungen talentvollen Aeneas gut, in einem Alter von 26 Jahren auf den grossen Schauplatz hingestellt zu werden, auf welchem damals die grossen Fragen der Zeit durchgestritten und die Grundsäze der Kirchenfreiheit wie die Anmassungen der Päpste, die Rechte der Gewohnheit, wie die Forderungen der Zeit einander gegenübergestellt und mit gleicher Leidenschaft von beiden Seiten vertheidigt wurden.

Eine zwischen den Städten Florenz und Siena ausgebrochene Fehde machte den ruhigen Aufenthalt in letzterer Stadt ohnedies unsicher, und so ergriff Aeneas gerne das Anerbieten des Cardinals von Fermo, Dominico Capranica, sich demselben als Reisegesellschafter nach dem Concil von Basel und als Geheimschreiber anzuschliessen. Der Cardinal gehörte zu denen, welche mit dem Regiment des damaligen Papstes Eugen IV. unzufrieden waren, und daher gerne die Missstimmungen der Zeit benützten, ihn zu entfernen. Es hatte diess bei ihm einen persönlichen Grund, da Eugen die Cardinalswürde ihm streitig machte, womit sein Vorgänger, Martin V. ihn beehrt hatte. Nach einer beschwerlichen und gefahrvollen Reise 1) langten beide in Basel an. Der Cardinal ward von dem versammelten Concil in seiner Würde bestätigt: aber da seine Vermögensumstände ihm nicht erlaubten, den Secretär länger auf eigene Kosten bei sich zu halten, so sah dieser sich genöthigt, nach neuen Bedienungen sich umzusehen. Er erhielt solche bei verschiedenen Prälaten, die ihn zu verschiedenen Gesandtschaften und Reisen verwendeten, bis er endlich nach mancherlei, wohl auch mitunter abentheuerlichen Schicksalen, 2) aufs

Neue in Basel sich festsetzte, und hier wenigstens in Beziehung auf die äussern Lebensverhältnisse auf längere Zeit gesichert war; denn was die innern Verhältnisse, was die geistigen Bestrebungen und Richtungen, die Ideen, betrifft, welche das Leben der Völker wie der Einzelnen bedingen, so fehlte es ja eben hier in Basel nicht an gewaltigen Stürmen, die einen jeden leicht nach der einen oder andern Klippe hintrieben, je nachdem er auf dem gefahrvollen Meere mit diesem oder jenem Winde zu segeln unternommen hatte.

Ehe wir indessen sehen, wie unser Aeneas erst mit vollen, dann mit halben Segeln sich in den Sturm wagte, bis er endlich lavirend in den Hafen sich zurückzog, gedenken wir gerne zuvor des lieblichen Eindrucks, den unsere Vaterstadt mit ihrer freundlichen Gegend, mit ihren Rebenhügeln, längs dem stolzen Strome, und mit ihren wasserreichen Bächen und Brunnen, mit ihren schmucken Häusern und Kirchen, mit ihren öffentlichen Plätzen, ihren Gebräuchen und Sitten auf den vielgereisten Mann gemacht hat. Wie kennen sie ja alle, die klassische Beschreibung, die wir seiner Feder verdanken, in der wir bei aller Verschiedenheit der Zeiten, noch so manche Familienzüge wieder erkennen, die bis auf die Gegenwart sich vererbt haben. 1)— Eine gewaltige Prüfung hatte der geistreiche Fremdling auch in Beziehung auf sein äusseres Leben bei uns zu bestehen. Die Pest,

die damals grassirte und viele Väter des Concils dahinraffte, befiel auch ihn, und brachte ihn dem Tode nahe. Merkwürdig ist sowohl sein eigenes Verhalten in dieser Krankheit, als die Art der Behandlung. 1) Er beschwor die Freunde, sein Bette zu meiden, damit sie nicht selbst angesteckt würden, und als man ihm zwei Aerzte vorschlug, einen sehr geschichten, aber ungläubigen Pariserarzt und einen frommen, aber ungelehrten Deutschen, gab er unbedenklich dem Letztern den Vorzug. Dieser liess ihm, da die linke Weiche angegriffen war, am linken Fuss zur Ader, gab ihm ein Pulver, dessen Inhalt er nicht entdecken wollte, und verordnete Ueberschläge von frischem Rettig und feuchter Thonerde (creta.) Anfänglich schien die Kur nicht gelingen zu wollen, die Nacht war unruhig und fieberhaft; von Tag zu Tage ging es schlimmer. Aeneas berief den Priester, der ihn mit den Sterbesacramenten versah, aber am 7ten Tage ward es besser. Aus Dankbarkeit schenkte der Gerettete dem Arzte 6 Goldgulden. Als dieser versicherte, so viel nicht verdient zu haben, und als Aeneas ihm dennoch die Summe aufdrang, machte sich der fromme Mann durch einen Eid verbindlich, dafür sechs Kranke unentgeltlich behandeln zu wollen. Mira fides bonitasque viri atque in medico forsitan inaudita, setzt der Geschichtschreiber hinzu.

Doch wir kehren zu der öffentlichen Wirksamkeit unseres Aeneas zurück. Es ist aus der Geschichte des Concils bekannt, wie der schlaue Papst Eugen alle Mittel aufbot, die

Kirchenversammlung zu sprengen, indem er sie unter nichtigen Vorwänden nach Italien zu verlegen trachtete, und wie dagegen die Väter des Concils aus eigener Machtvollkommenheit an die Reformation der Kirche gingen und einstweilen die Geschäfte unter sich vertheilten. Aeneas hatte durch seine Talente und seine Beredsamkeit die Augen der Versammlung frühzeitig auf sich gezogen. Er hatte nach und nach verschiedene Aemter bekleidet, wie das eines Referendars, eines Abbreviators u. s. w. Auch wurde er in den Rath der Zwölfe gewählt, denen die nähere Aufsicht des Concils übertragen wurde, und ohne deren Vermittlung nichts Bedeutendes vor dasselbe gebracht werden konnte. In den besondern Sizungen, welche den Glaubensbestimmungen gewidmet waren, führte er mehrmals den Vorsitz. 1) Zu verschiedenen Gesandtschaften wurde er verwendet, 2) und bei verschiedenen Anlässen sprach er sich für die Unabhängigkeit der Kirche und für den Satz aus, dass der Concil über dem Papste sei, und somit auch das Recht habe, ihn, wenn er nicht gehorche, seiner Stelle zu entsenden. Von diesem Rechte machte die Synode wirklich Gebrauch. Nachdem mit Eugen vergebens ein dauernder Friede war versucht worden, schritten die Väter, müde der Plackereien, zu dessen Entsetzung im Mai 1439, und wählten Amadeus VIlI. von Savoyen, der als Einsiedler zu Ripaille, am Ufer des Genfersees, sein Wittwerthum verlebte. Aeneas befand sich sowohl unter

den Ceremonienmeistern des Conclaves, 1) als auch unter den Deputirten, welche nach Ripaille gesandt wurden, um den Auserwählten zur Annahme der neuen Würde zu bewegen. 2) Er gab dem neuen Papste (Felix V. ) das Geleite nach Basel, und wohnte der Krönung, welche den 9. August 1440 auf dem Münsterplatze stattfand, bei. Alle diese Vorgänge hat er uns selbst in seiner Geschichte des Concils ebenso anschaulich als anziehend beschrieben. 3) Nun ward er päpstlicher Secretär, und als um dieselbe Zeit Kaiser Albrecht II. (der Nachfolger Sigismunds) gestorben und an dessen Stelle Friedrich III. gewählt worden war, erblicken wir Aeneas auch unter den Abgeordneten, die das Concil nach Aachen schickte, den Kaiser bei seiner Krönung zu beglückwünschen. Aeneas kam bald bei dem neuen Kaiser in Gunsten. Dieser ernannte ihn zum gekrönten kaiserlichen Poeten, und stellte ihm ein feierliches Diplom darüber aus. 4) Bei dieser äussern Auszeichnung blieb es nicht. Der Kaiser fesselte ihn an seinen Hof, und bediente sich seiner zu politischen Missionen; so zur Vermittlung des Friedens mit der aufrührischen Stadt Triest. Er bediente sich aber auch seiner namentlich zur Vermittlung des Friedens mit dem bisherigen Papst Eugen. Und da trat eben für Aeneas der

gefährliche Wendepunkt ein, der ihn aus seiner bisherigen Bahn heraus in eine entgegengesetzte hinüber leitete. Wie vielen Antheil der Ehrgeiz des Mannes und die schlaue Berechnung des eigenen Vortheils an diesem Schritte gehabt, wie viel die wirkliche, aber übelverstandene Friedensliebe und die natürliche Schmiegsamkeit des Sinnes 1) zur Aenderung seines Verfahrens beigetragen, wagen wir nicht zu bestimmen. Es ist immer leichter, schlechte Motive vorauszusetzen, als die verzeihlicheren Schwächen billig zu beurtheilen. Auf jeden Fall gerieth Aeneas von dieser Zeit an mit sich selbst in Widerspruch, wie sich diess aus seinen Briefen auf eine betrübende Weise kund giebt. Derselbe Mann, der bisher den Grundsätzen des Baslerconcils unbedingt gehuldigt und dessen Geschichte freimüthig beschrieben hatte, kehrt sich nun mehr und mehr von dem Concil und dessen Bestrebungen ab, und sucht andere Wege auf, die, so meinte er, ihn schneller und sicherer zum Ziel führen sollten. Höher als die Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern geht ihm von nun an die Aufhebung des päpstlichen Schisma's und der Friede, den er um jeden Preis erkaufen zu müssen glaubt. Nicht als ob ihm die Gebrechen der Kirche nicht immer noch klar vor der Seele gestanden wären: denn noch um dieselbe Zeit sprach er es aus, dass leider! keineswegs immer der Geist Gottes, sondern nur allzuhäufig menschliche Leidenschaften die Angelegenheiten der

Kirche regieren, und dass den meisten Hirten mehr an der Wolle der Schafe als an der guten Weide gelegen sei: 1) ja, noch tadelte er es bitter, dass in Rom alles käuflich sei, auch die Gaben des heiligen Geistes und die Vergebung der Sünden; 2) aber gleichwohl verzweifelte er an dem Aufkommen der Kirche, und während er es auf der einen Seite mit inniger Wehmuth bedauert, dass der Glaube gewichen und die Liebe erkaltet sei, 3) und dass niemand mehr ein Märtyrer für seine Ueberzeugung werden wolle, ja während er mit bitterer Ironie die Unterwürfigkeit der Geistlichen unter den Willen der Fürsten schildert, also dass, wenn diese den Götzendienst verlangten, man ihnen nachgäbe, und nicht nur den Papst, sondern Christum selbst ihnen zum Opfer brächte, giebt er sich von der andern Seite selbst in den Willen des Kaisers so sehr gefangen, dass auf ihn die Ironie die nächste und sicherste Anwendung findet. —Und wirklich schien erst weniger der Uebertritt zu Eugens Partei, als vielmehr das Vertrauen auf die kaiserliche und die weltliche Macht der Fürsten der letzte Rettungsbalken, den er der Kirche anzubieten hatte, wenn sie nicht in den traurigen Parteikämpfen untergehen wollte: daher er die weltlichen Fürsten anforderte, auf eigene Hand, ohne sich an das Concil noch

an den Papst zu kehren, eine Versammlung zu halten, die, sie möge nun einen Namen haben welchen sie wolle (Synagoge oder Conventikel) das Recht habe, als eine christliche Versammlung, den Wirren ein Ende zu machen. 1)— Aber die Abhängigkeit vom Kaiser führte bei der damaligen Gesinnung desselben auch ohnfehlbar zur Abhängigkeit vom römischen Stuhle selbst, der noch immer, trotz des Gegenpapstes Felix, von Eugen lV. besetzt war. Im bestimmten Auftrage Friedrichs lIl. reiste Aeneas nach Rom, und was auch seine besorgten Mitbürger von Siena ihm dagegen einreden mochten, 2) er war eines guten Empfanges zum Voraus gewiss; denn Eugen war Welt- und Menschenkenner genug, als dass er die Regel der Klugheit verschmäht hätte, dem fliehenden oder gar dem freundlich sich nähernden Feinde eine goldene Brücke zu bauen. Nachdem Aeneas durch seinen Freund, den Cardinal von Cumä, dem heiligen Vater sich hatte vorstellen lassen, nachdem er ihm den Fuss, die Hand und den Mund geküsst, sprach er folgendes: Wohl ist mir bekannt, wie dir vieles von mir zu Ohren gekommen, das dir missfällig sein muss, und es ist nicht Lüge, nicht Verläumdung, was dir ist hinterbracht worden. Ja, ich habe manches der Art geredet, geschrieben und gethan, aber nie in der Absicht, den Papst zu beleidigen, sondern in der guten Meinung, der Kirche zu nützen. Aber nun erkenne ich meinen Irrthum. Dieser aber wird um so verzeihlicher sein, als auch hohe und angesehene Prälaten, vor allen der Präsident der Synode selbst, der Cardinal Julianus Sancti Angeli, ja als auch viele Universitäten denselben Irrthum von der Oberherrlichkeit

der Concilien über die Päpste mit mir getheilt haben. Wo so Viele und so Gewaltige irren, da ist der Irrthum des Einzelnen, des Schwachen wohl verzeihlich. Auch ist meine Bekehrung nicht das Werk eines Augenblicks. Nur allmählig bin ich zur vollen Einsicht gelangt; denn auch nachdem ich meinen Irrthum zu erkennen angefangen, habe ich erst die Mitte gesucht zwischen den Extremen, um nicht, wie man zu sagen pflegt, aus der Charybdis in die Scylla zu fallen. Ich hielt mich zu den Neutralen. Drei Jahre habe ich im Dienste des Kaisers zugebracht, und habe den Streit zwischen den päpstlichen Legaten und den Vätern des Concils aufmerksam zugesehen, bis ich endlich zu der vollen Ueberzeugung gelangt bin, dass die Wahrheit einzig und allein auf der Seite des Papstes sei, und so hoffe ich denn auch keine Fehlbitte zu thun, wenn ich die Gnade des heiligen Vaters demüthig anflehe.

Eugen antwortete mit den üblichen Redensarten der Kurie. Der heilige Vater wisse wohl, wie schwer er und Andere an dem heiligen Stuhle sich versündigt hätten, aber die Kirche sei als eine fromme Mutter zum Verzeihen stets geneigt, und öffne den Reumüthigen ihre Arme. Der Begnadigte möge nun den Ernst seiner Reue damit beweisen, dass er die Talente, die er bisher gegen die Kirche gebraucht, zu ihrem Schutze verwende; wenn er auf diesem schon betretenen guten Wege fortfahre, so könne er der päpstlichen Huld versichert sein. 1)

Solches geschah im Jahr 1445, als Aeneas die Altersstufe erreicht hatte; wo in der Regel die Beweglichkeit eines jugendlichen Sinnes der Beharrlichkeit in einmal gefassten

Grundsätzen zu weichen und der Charakter für immer sich abzuschliessen beginnt. Er stand in seinem 40sten Jahre, und von da an blieb er auch dem hierarchischen Systeme getreu. Er, der frühere Geheimschreiber des Felix, trat nun in dieselben Dienste bei Eugen, und sein erstes Geschäft war die neutrale Fürstenpartei, zu der er selbst noch kurz vor seinem Uebertritte gehört hatte, mit diesem Papste zu versöhnen. Er begab sich im September 1446 auf den Fürstentag nach Frankfurt. Noch immer schwankten hier die Stände zwischen der Anerkennung des einen und der des andern der beiden Päpste; doch zeigten sie sich unter gewissen Bedingungen zur Unterhandlung mit Eugen bereit. Er sollte die von ihm widerrechtlich vertriebenen Bischöfe von Köln und Trier wieder einsetzen, Deutschland von drückenden Abgaben an den päpstlichen Stuhl befreien, und die Oberherrlichkeit der Concilien anerkennen. Aeneas wandte nun alles auf, Klugheit und leider auch Bestechung, 1) selbst willkürliche Ueberarbeitung der schriftlichen Eingaben an den päpstlichen Stuhl, 2) um bei den scheinbar strengen Forderungen dennoch ein für Rom günstiges Resultat herbei zu führen, d. h. ein solches, wobei im Grunde mit der einen Hand wieder genommen ward, was die andere gab. Genug, die Aufhebung des Schisma's kam nach längerm Feilschen und Markten

zu Stande. Noch auf seinem Todbette erlebte Eugen den Triumph, dass die deutschen Gesandten im Februar 1447 ihm feierlich Obedienz 1) leisteten. — Damit war auch die Geschichte des Basler Concils so viel als beendet. Ein blasser Schatten desselben zog sich nach Lausanne zurück, bis es in sich selbst erstarb. Die päpstliche Hierarchie war auf lange Zeit wieder gesichert.

Dass Aeneas für alle seine Bemühungen nicht leer ausging, lässt sich erwarten. Schon Eugen hatte ihm das Bisthum von Triest zugedacht, das nun der Nachfolger, Nicolaus V. ihm wirklich übertrug. 2) Wer es weiss, nach welchen Grundsätzen damals Bisthümer vergeben wurden, den darf es nicht wundern, einen Mann zu dieser Würde erhoben zu sehen, der zwar bisher als Geschichtschreiber und Dichter sich einen Namen gemacht und als gewandten Diplomaten sich erwiesen hatte, ohne dass er seinen Beruf zum Geistlichen weder durch innere Neigung, noch durch äussere Proben seiner Tüchtigkeit in Führung des Lehr- und Hirtenamtes erwiesen hätte. Erst spät war Aeneas in den geistlichen Stand getreten, die Priesterweihe hatte er un

längst in Rom erhalten, 1) und doch ging nun der Traum seiner Mutter in Erfüllung, die kurz vor seiner Geburt ihn in einer Bischofsmütze hatte zur Welt kommen sehen. 2)

Es dürfte nicht ohne Interesse sein, zu vernehmen, wie Aeneas selbst früherhin von der Bischofswürde dachte. Er äusserte sich gelegentlich in einem Glückwunschschreiben an den Bischof Aich von Eichstädt also: 3) Wer ein Bischofsamt verwaltet, sitzt gleichsam wie in einem Spiegel. Aller Augen zieht er auf sich. Handelt er rechtschaffen, nun so heisst es eben, er habe seine Pflicht gethan, handelt er aber übel, so hat er alle Zungen gegen sich. Und nun bedenke wohl, wie Niemand so heilig leben kann, dass nicht Einige durch ihn sich gestossen fühlten. Ja, glaube mir, nichts ist schwerer in dieser Welt als die Führung des geistlichen Amtes. Wer Gott gefallen will, wird den Menschen missfallen; denn die Mitte einzuhalten ist schwer. Wir sollen nicht uns leben, sondern der Kirche, der wir unsere Wiedergeburt in Christo verdanken. Aber wir sollen uns auch wieder Ruhe gönnen und Erholung, denn wer immer nur in ernster Anstrengung leben will, der stirbt bei lebendigem Leibe. Die würdigste Erholung isi der Umgang mit treuen Freunden, und je höher einer gestellt, je reicher und mächtiger er ist, desto mehr bedarf er solcher Freunde. —Rücksichtlich der zu ertheilenden Beneficien, ermahnte Aeneas den Freund, sie

nur an Würdige zu ertheilen, obwohl er dann wieder leichtfertig genug hinzusetzt, allzu genau könne man es freilich damit auch nicht nehmen, man müsse wohl hie und da der Freundschaft und dem Herkommen etwas nachgeben, so dass wohl auch einmal ein Unwürdiger mitunter laufen könne; denn eine Sünde sei so gut als keine. —Es giebt uns diess einen Massstab an die Hand, nach dein wir wenigstens annähernd die Gesinnungen des Mannes beurtheilen können, mit denen er selbst sein neues Amt mag angetreten haben. Ueber die innere Verwaltung seines Bisthums verlautet indessen wenig in der Geschichte; wir begegnen ihm fortwährend auf dem grossen Schauplatz der politisch-kirchlichen Angelegenheiten überhaupt.

Als im Jahr 1448 die Reichsfürsten in Aschaffenburg versammelt waren, ging Aeneas als päpstlicher Legat dahin ab, um sowohl hier, als später in Wien zum Abschlusse der berüchtigten Concordate mitzuwirken, wodurch die Freiheiten, welche das Basler Concil errungen zu haben glaubte, für die deutsche Kirche wieder so gut als verloren gingen, indem alles das, wogegen Aeneas selbst früher protestirt hatte, die Beziehung von Jahrgeldern, die päpstlichen Reservationen, die Ertheilung von Pfründen u. s. w. aufs Neue dem heiligen Stuhl als ein unveränderliches Recht zugesprochen ward. 1)— Die Belohnung blieb auch dafür nicht aus. Papst Nicolaus erhob den ihm ergebenen Legaten im Jahr 1450 auf den Bischofstuhl von Siena. Es geschah diess in der Abwesenheit des Aeneas, als er eben nach Neapel gereist war, um für Friedrich lIl. um die Nichte

des Königs Alphons von Sicilien und Arragonien, Eleonore (Schwester des Königs von Portugal) zu werben. Mit grossem Glanze ward der neue Bischof auf seiner Heimreise von den ehmaligen Mitbürgern in seiner Residenz empfangen. Geistlichkeit und Volk von Siena gingen ihm in Procession entgegen unter einem goldenen Himmel und unter dem lautem Beifall der Menge zog er in die Stadt ein. Noch nie, heisst es, sei ein Bischof mit so allgemeinem Jubel begrüsst worden. 1) Eine Gesandtschaft nach Böhmen, dessen aufgeregte Bewohner er als Friedensvermittler dem Kaiser wieder gewinnen sollte, setzte ihn in den Stand, über die Geschichte und die Sitten dieses merkwürdigen Landes, sowie auch über Leben und Lehre der Hussiten, mit denen das Baslerconcil vergebens sich zu versöhnen gesucht hatte; neues Licht zu verbreiten. 2)

Von da zurückgekehrt, ging er die kaiserliche Braut in Italien abzuholen, und wohnte der Krönung in Rom bei, worauf neue Unruhen in Oestreich auch dort seine Gegenwart nöthig machten. Als die Schreckensnachricht von der Einnahme Constantinopels durch die Türken (1453) die ganze Christenheit in Trauer versetzte, da war es Aeneas, der von dem Kaiser zum Reichsrathe erhoben, alles anwandte, die alte Begeisterung der Kreuzzüge wieder anzufachen. Auf den Tagen zu Regensburg, zu Frankfurt, zu wienerisch Neustadt bot er alle seine Beredsamkeit auf, aber er predigte tauben Ohren. 3)

Unter dem Nachfolger des Papstes Nicolaus, unter Calixt

lIl. (dem Spanier Alphons Borgia) ward Aeneas sowohl von diesem, als dem Kaiser zu mehreren Gesandtschaften gebraucht, und im December 1456 beglückte ihn als ein neues Zeichen der päpstlichen Huld, der Cardinalshut. 1) Von allen Seiten trafen Glückwünsche ein, der Kaiser hielt sich in seinem Liebling geehrt, und die Stadt Siena ordnete Freudenfeste. 2) Schon jetzt sahen Viele in dem neuen Cardinal den künftigen Papst. Und in der That nur 1 1/2 Jahre dauerte es, so ging diese Hoffnung in Erfüllung. Calixt starb im August 1458. 3) Der Cardinalbischof von Siena befand sich eben zu Viterbo im Bade, als die Nachricht vom Absterben des Papstes sich verbreitete. Er reiste alsbald mit dem Cardinal Philipp von Bologna nach Rom ab. Beiden kam, als sie sich der Stadt näherten, ein grosser Haufe der Geistlichkeit und des Volks mit der Nachricht entgegen, dass allem Vernehmen nach Einer von ihnen beiden zum Papst werde gewählt werden. Nach den Exequien zu Ehren des Verstorbenen verfügten sich die Cardinäle in das Conclave. Gleich in der ersten Abstimmung erhielten Philipp von Bologna und Aeneas Sylvius gleich viel Stimmen, jeder 5; von den

übrigen Cardinälen keiner über 3. Den folgenden Tag sollte sichs entscheiden. Ein goldener Kelch ward auf einen Tisch gestellt, wo 3 Cardinäle wachten, dass kein Betrug vor sich gehe. Die übrigen Wähler verblieben auf ihren Plätzen, bis jeder dem Range nach aufgerufen wurde, seine Stimme zu geben; dann ward der Kelch mit den Stimmzetteln umgestürzt und die aufgezeichneten Namen von den 3 dazu verordneten Cardinälen laut abgelesen, während die übrigen alles genau nachschrieben. Neun Stimmen fielen nun sofort auf Aeneas; nebst ihm hatte der Bischof von Rouen, für den sich unterdessen eine Partei gebildet hatte, 1) 6, die übrigen bedeutend weniger. Noch war nichts entschieden, denn 12 Stimmen bedurfte es zur Papstwahl. Man schritt indessen zu keiner neuen geheimen Abstimmung, sondern man eröffnete den Weg des freiwilligen Zutritts (via per (accessum). Alles verfügte sich wieder auf seine Sitze. Stumm und in sich gekehrt, bleich und in Erwartung höherer Eingebung, sassen die Väter da. Niemand wagte es zu athmen, geschweige sich zu rühren oder zu reden. Einer schien auf den Andern, die eines niedern Ranges waren auf die höher Gestellten zu warten. Lange wollte keiner den Anfang machen. Da trat endlich der Vicekanzler Rodrich auf, und brach das Stillschweigen mit den Worten: ich trete dem Cardinal von Siena bei. Wiederum Stillschweigen wie zuvor; stummes Wechseln der Blicke, die mehr oder minder verrathen, was im Innern vorgeht. Ein Paar Cardinäle suchten sich durch Weggehen aus der Verlegenheit zu ziehen und einen Aufschub der Wahl zu bewirken. Aber als ihnen niemand

folgte, kehrten sie wieder in die Versammlung zurück. Jetzt erhob sich der Cardinal der heiligen Anastasia, Jacobus, mit den Worten: auch ich trete dem von Siena bei. —Eine Stimme nur fehlte noch, und wer diese eine gab, hatte die Ehre, in der wichtigen Sache den Ausschlag gegeben zu haben. Diese Ehre wollte der Cardinal Prosper von Colonna sich nicht nehmen lassen, und zu der Versammlung gewendet, sprach er: auch ich trete dem von Siena bei, und erkläre ihn zum Papste. Und wie im Nu warfen sich nun alle Cardinäle zu den Füssen des Erwählten, ihm als dem Oberhirten der Kirche ihre demüthige Unterwerfung zu bezeugen. Darauf verfügte sich alles wieder an die Plätze, und im Namen der Uebrigen, die für den Bischof von Rouen gestimmt hatten, nahm der Cardinal Bessarion von Nicäa das Wort: Wir beloben, sprach er, höchster der Priester! deine Erhebung, in der Ueberzeugung, dass sie von Gott kommt, und dass du ihrer vollkommen würdig bist. Daran haben wir auch nie gezweifelt, und wenn wir dir zuvor unsere Stimmen nicht gegeben haben, so geschah es um deiner Kränklichkeit willen. Du leidest an der Gicht und bedarfst der Ruhe und Pflege, die Kirche aber fordert einen kräftigen Mann, der allzeit fertig auf den Beinen sei und uns gegen die Türken zu schützen wisse. Diese Betrachtung hat uns längere Zeit zu dem Bischof von Rouen hingezogen. Aber da es nun Gott also gefallen hat, so gefällt es auch uns. Auch wir verehren dich als unsern Hohenpriester; wir wählen dich —so viel an uns ist — aufs Neue, und wurden dir Zeitlebens zu treuem Dienste verpflichtet bleiben. — In bescheidenen Worten antwortete der Papst: Es sei wahrhaftig nicht nur die Schwäche seiner Füsse, sondern ganz andere Schwächen seien es noch, deren er sich bewusst sei, und um

derenwillen er wohl verdiente, von dem obersten Hohenpriester im Himmel verworfen zu werden. 1) Verdienste habe er keine aufzuweisen, und wenn er nicht das ernste Gericht dessen fürchtete, der ihn berufen, er würde die Stelle sogleich niederlegen. Aber so müsse er wohl dem göttlichen Rufe sich fügen. Er versicherte alle, auch die, welche ihm die Stimmen nicht gegeben, seiner wohlwollenden Gesinnung und forderte sie auf, den ganzen Akt nicht als ein Werk der Einzelnen, sondern als ein Werk der Gesammtheit, ja als ein Werk Gottes zu betrachten und zu verehren. — Sofort vertauschte er seine bisherige Kleidung gegen die ihm dargereichte Alba, und als er gefragt wurde, welchen Namen er als Papst führen wolle, legte er sich, vielleicht mit Anspielung auf Aeneas, den Sohn des Anchises, 2) den Namen Pius bei, ein Name, den vor ihm nur ein römischer Bischof des 2ten Jahrhunderts, nach ihm aber noch 6 andere Päpste der neuern und neuesten Zeit geführt haben. Hatte die bei der Stuhlbesteigung üblich gewordene Aenderung des Namens eine symbolische Bedeutung, nämlich die, dass der Papst als eine neue Creatur Gottes hinfort nicht sich und seiner Familie, sondern der Kirche gehören soll, deren sichtbares Haupt er ist, so hatte die in demselben Augenblick eintretende Spoliation seines Privatvermögens einen ähnlichen Sinn und zugleich einen realen Werth für die, welche schamlos genug waren, sie sich zu nütze zu machen. Gleich nach der Wahl machten sich die Diener der Cardinäle über die Zelle des Erwählten im Conclave, und eigneten sich zu, was sie an

Kostbarkeiten und Kleinodien vorfanden. Die Menge aber bestürmte seine bisherige Behausung und schleppte nicht nur die vorhandene Fahrhabe im Triumphe mit sich fort, sondern riss auch noch den Marmor von den Wänden herunter. Ja, der Eifer ging so weit, dass, als man noch nicht wusste, wer der Gewählte sei, im ersten Anlauf auch die Häuser anderer Cardinäle ähnliche Aeusserungen eines habsüchtigen Jubels erfuhren. 1) Als aber die Nachricht von des Aeneas Piccolomini Wahl auch in den weitern Volkskreisen sich bestätigt hatte, da war nur ein Frohlocken, nur ein Ruf: Sena Sena, vive Sena! Die Bürger, die bis anhin unter den Waffen gestanden, legten ihre Rüstung ab; die Stadt gewann mit einemmal ein friedliches Ansehen, und die Heiterkeit verbreitete sich auf allen Gesichtern. Nachdem der Papst sich etwas an Speise erquickt hatte, ward er feierlich in den Dom der Peterskirche geleitet, um auf dem Stuhle des Apostelfürsten über den Gebeinen der heiligen Märtyrer seinen Sitz zu nehmen. Cardinäle, Bischöfe, Geistliche und viele aus dem Volke drängten sich zum Fusskuss hinzu. Dann kehrte der Zug in den Vatican zurück. Bei einbrechender Nacht waren Strassen und Thürme beleuchtet. Gesang und Musik ertönten aller Orten, und alte Leute bezeugten, noch nie hätten sie Rom in dieser allgemeinen freudigen Bewegung gesehen. In der folgenden Nacht verfügten sich die Vornehmen der Stadt mit brennenden Kerzen in Procession nach dem päpstlichen Pallaste. Von dem Grabmahle Hadrians (der heutigen Engelsburg) bis eben dahin war eine dichtgedrängte

Reihe. Die Krönung fand den 3. September statt, und fast hätte Pius hier im Gedränge sein Leben eingebüsst, da er durch die blossen Schwerter der Männer sich Bahn machen musste, die um die Ehre kämpften, das Pferd führen zu dürfen, das den Statthalter Christi trug. 1)

Ich habe mich absichtlich bei diesen und ähnlichen Beschreibungen länger aufgehalten, weil ich mir denke, dass solche anschauliche Bilder sich leichter und besser der Seele des Zuhörers einprägen, und die Zeiten lebendiger charakterisiren, als die nackten Berichte von Thatsachen mit deren Verwicklungen, die nur den Historiker von Fach inniger berühren können; und so hebe ich auch jetzt aus dem Pontificat Pius lI. nur noch das heraus, von dem ich vermuthe, dass es dazu dienen dürfte, das Bild des Mannes und der Zeit durch einige Züge zu vervollständigen.

Vor allem war es ein grosser Gedanke, der die Seele dieses Papstes bewegte; derselbe Gedanke, der Urban Il. und seine Nachfolger bewegt hatte, als sie die Kreuzzüge predigen liessen wider die Feinde des christlichen Namens. Was schon seine Vorgänger, Nicolaus und Calixt, vergebens versucht und wofür er als kaiserlicher Rath und päpstlicher Legate vergebens sich verwendet hatte, das glaubte er nun aus päpstlicher Machtvollkommenheit erreichen, und so durch kräftiges Einschreiten der immer weiter sich vordrängenden Macht der Türken ein Ziel setzen zu können. Nicht nur stiftete er gleich nach seiner Thronbesteigung einen neuen geistlichen Ritterorden gegen die Türken, dem er auf der

Insel Lemnos seinen Sitz gab, 1) sondern er berief auch alsobald auf den 1. Juni 1459 ein Concil nach Mantua, wozu er alle europäischen Mächte einlud. Er selbst trat seine Reise dahin schon im Februar an. Auch diese Reise war ein Triumphzug. Besonders ward er in Perugia mit grossem Pomp empfangen. 2) Dem weissen Zelter, den er ritt, gingen 12 unberittene Pferde von derselben Farbe mit purpurnen Decken, am goldnen Zügel geführt, voran. Den goldgewirkten Purpurhimmel, unter dem der Papst einherritt, trugen die Magistrate der Stadt. Ihn selbst schmückte die Alba sammt der goldenen Stola und die purpurne Tiare. Es waren 70 Jahre her, seit der Vertreibung Bonifaz lX., dass Perugia keinen Papst mehr in seinen Mauern gesehen hatte; daher der allgemeine Jubel. In seiner Vaterstadt Siena bewirkte der neue Papst durch seine Beredsamkeit die Rückberufung des vertriebenen Adels, 3) und noch feierlicher, als in Perugia, war der Empfang in Mantua selbst. 4)

Den 1. Juni ward das Concil eröffnet; aber schmerzlich empfand der Papst die geringe Anzahl der Fürsten und der

Gesandten. "Ich hatte, so begann er, 1) gehofft, liebe Brüder und Söhne, bei meinem Eintritt in die Stadt eine zahlreiche Versammlung vorzufinden; ich habe mich getäuscht, nur Wenige sind anwesend. Es ist nicht der Eifer vorhanden für die Religion, den ich glaubte voraussehen zu dürfen. Ich habe doch einen langen Termin angesetzt, so dass Niemand mit der Kürze der Zeit oder mit der Beschwerde der Reise sich entschuldigen darf. Habe ich doch selbst, der Kränkliche und Altersmüde, keine Beschwerde gescheut, und den rauhen Apeninnen wie dem strengen Winter getrotzt; und obwohl in Rom, das von Mörderbanden umringt ist, meine Gegenwart mehr als sie nöthig gewesen, so habe ich doch das Erbtheil Petri nicht ohne Gefahr verlassen, um dem katholischen Glauben zu Hülfe zu eilen, den der Türke unter seine Füsse zu treten sich anschickt. Ich habe seine Macht steigen gesehen von Tag zu Tag, habe gesehen, wie seine Heeresmassen über Ungarn, Deutschland, Italien, ja über ganz Europa sich daherwälzen, und das alles auf Kosten unserer Religion. Ich habe dem Uebel zu steuern gedacht und darum diese Versammlung angeordnet. Ich habe Fürsten und Völker hieher berufen, um gemeinsam den Schutz der Christenheit mit ihnen zu berathen. Voll der freudigsten Hoffnung kam ich hieher, und wie schmählich ist mir diese Freude vereitelt. O dieser Lauheit! Die Einen pflegen der Wollust, indess Andere der Geiz zurückhält. Nun, die Türken die wissen doch noch für ihren Glauben zu sterben; aber wir, wir wollen für die heil. Sache des Evangeliums keinen Heller opfern, keinen Finger rühren. Wenn es so fortgeht, ja, dann ist es um uns geschehen. Untergehen müssen wir sicherlich, wenn nicht ein neuer Geist

über uns kommt. Euch, denen die Religion noch am Herzen liegt, Euch ermahne ich daher, mit inbrünstigem Gebete Gott anzugehen, dass er den christlichen Königen einen andern Sinn ins Herz gebe, dass er den Muth seines Volkes wieder erwecke und der Gläubigen Gemüther entflamme, damit die Kirche die Unbilden räche, welche die Türken stündlich unserer Religion zufügen. Wohlauf denn, Brüder und Söhne! bekehret euch von Herzen zu Gott, wachet und betet; mit Fasten und Almosen macht eure Sünden wieder gut, thut würdige Werke der Busse — dann wird der versöhnte Gott sich unser wieder erbarmen, und wird so wir selbst etwas wagen, die Feinde in unsere Hand geben. — Also sprach der Papst, und um der Rede noch mehr Nachdruck zu geben, erklärte er von nun an sich bereit, auszuharren in der Sache, und als ein guter Hirte sein Leben für die Schafe einzusetzen.

Wer sich erinnert, welche Wirkungen einst die Reden Urbans ll. auf dem Tage zu Clermont und die des heil. Bernhard zu Vezelay hervorgebracht, der dürfte sich wundern, dass der Funke, den Pius aufwarf, kein Feuer gab. Aber die Zeiten waren anders geworden. An Bewunderern der schönen Rede fehlte es nicht; Viele wurden zu Thränen gerührt. 1) Aber dabei blieb es auch. Hie und da wurde wohl Miene gemacht, etwas zu thun. Ungarn, Deutschland, Burgund, einige italiänische Städte, unter denen man aber noch das reiche Venedig vermisste, gaben Versprechungen, aber auch mehr nicht vor der Hand. Nun schickte der Papst den Cardinal Bessarion nach Deutschland, um förmlich für einen Kreuzzug zu werben. Er selbst aber versuchte, nachdem er

wieder nach Rom zurückgekehrt war, noch ein Mittel, zu dem auch vor ihm schon einige Päpste ihre Zuflucht genommen hatten. Er schrieb an den Sultan Mahommed ll. einen langen Brief, worin er ihm sein eigenes Unrecht und die Irrthümer des Korans auseinandersetzte und ihn dagegen einlud, sich taufen zu lassen. 1) Schwerlich dürfte der Sultan sich durch das dichte Gewebe von theologischen Beweisen hindurchgearbeitet haben, und noch weniger war auf eine Antwort zu hoffen. Da raffte endlich der Papst seine letzte Kraft zusammen, und treu dem Versprechen, das er zu Mantua gegeben, stellte er sich selbst an die Spitze des Kreuzzuges. Er that seinen Entschluss in einem Breve vom 11. November 1463 der gesammten Christenheit kund. — "Unsere Sache, so heisst es unter anderm in dem mit jugendlicher Begeisterung geschriebenen Manifeste, 2) unsere Sache ist Gottes Sache; für ihn kämpfen wir, und er für uns. Ihr wundert euch, dass ich der Kranke, der Greis, ein Priester Gottes, mich an die Spitze stelle? Wundert euch dessen nicht. Mit dem Schwerte zu kämpfen, ist mir versagt, das weiss ich wohl; aber um so mehr werde ich kämpfen und ringen im Gebet. Vom Verdeck der Schiffe, von den Anhöhen der Berge aus werde ich die Arme segnend über das Heer ausbreiten, wie Moses that über Jsrael im Kampfe mit den Amalekiten. Und wo wäre dann ein Herz so ausgetrocknet, so steinern und verhärtet, das wo der hohe Priester, der Nachfolger Petri und der Statthalter Christi 1)

mit der heiligen Schaar der Cardinäle und Bischöfe sich aufmacht in den Krieg, noch in Trägheit und Lauigkeit versunken, zu Hause bleiben könnte. Wie? wir, die Geistlichen, sollten wagen und kämpfen, und ihr, die Krieger, die Barone, die Grafen, die Markgrafen, die Könige, die Kaiser, ihr solltet liegen bleiben im Müssiggange? Auf denn! wenn noch ein Herz in euch lebt, ein männliches, edles, hohes, christliches Herz, so tretet in die Fussstapfen eures Vaters, schaaret euch zu uns; je tapferer der Angriff, desto gewisser der Sieg."

Ganz gewiss war diess nicht nur leere Declamation. Es war dem Papste vollkommen Ernst damit, so dass wir fast sagen möchten, es habe sich in diesen Momenten ein romantischer Zug der früheren Zeiten in die sonst mehr berechnende Seele des Papstes verirrt. Die fieberhafte Aufregung, in der sein Körper sich befand, mochte vielleicht das Ihrige dazu dazu beitragen. Um so betrübender war der Erfolg, den auch dieses Ausschreiben hatte. Angelockt durch die Besprechungen des Ablasses, hatten sich wohl solche eingefunden, wie der erste Kreuzzug in dem Heere des Walter von Habenichts sie aufzuweisen hatte; aber die Gottfriede, die Raimunde, die Tankreds, waren nirgends zu schauen. Als sich der Papst, schon bedeutend krank, in seiner Sänfte von Rom nach Ankona tragen liess, um dort sich einzuschiffen, drängten sich diese armseligen Kreuzfahrer in Massen an ihn heran, so dass die Aerzte für gut fanden, die Vorhänge der Sänfte für die weitere Reise verschliessen zu lassen, um dem Kranken den Anblick dieser Elenden zu ersparen. Der Papst entliess die guten Leute mit seinem Segen und schickte sie wieder nach Hause 1).

In Ankona angelangt, wartete er auf die Flotte, welche die Venetianer endlich zu rüsten sich entschlossen hatten, in der Absichten mit ihr unter Segel zu gehen. 1) Aber seine Augen sollten die Wimpel der Flotte nicht mehr begrüssen. Das Fieber nahm immer mehr überhand; er erlag demselben am Tage vor Mariä Himmelfahrt, den 14. August 1464, nach einer nicht gar sechsjährigen Regierung. Zwei Stunden vor seinem Ende 2) berief er die Cardinäle zu sich und empfahl ihnen, mit gebrochnem Geiste und fester Stimme die Einmüthigkeit in der Wahl seines Nachfolgers, die Ehre und Wohlfahrt des heil. Stuhles, den Türkenkrieg, das Heil seiner Seele und die Angelegenheiten seines Hauses und seiner Nepoten. Dann verlangte er die heil. Sacramente. Die legte Oelung, die er schon in Basel erhalten hatte, ward ihm, nach längeren Zweifeln und Verhandlungen über die Zulässlichkeit ihrer Wiederholung, noch einmal ertheilt. 3) Mit lauter Stimme sagte er das Athanasianische Glaubensbekenntniss her und bekannte sich zu dessen Inhalt. Keine Spur der Todesfurcht ward an ihm bemerkt; er löschte ohne Kampf aus. Nach seinem Wunsche ward die Leiche von Ankona nach Rom gebracht und in der Peterskirche, unweit dem Altare des heil. Andreae beigesetzt.

Das Haupt dieses Heiligen, das als kostbare Reliquie aus dem Peloponnes angelangt war, hatte er selbst seiner

Zeit dieser Kirche einverleibt, 1) eben so war er es, der seine fast ein Jahrhundert zuvor verstorbene Landsmännin, die berühmte Färberstochter, Katharina von Siena, unter die Heiligen versetzte. 2)

Von weit wichtigeren Thaten und Unternehmungen des Papstes aber habe ich noch nicht gesprochen. Ich habe noch nichts erwähnt von seinem Verhältniss zu Neapel und zu Frankreich, wie er nämlich zum Nachtheil des Hauses Anjou die Ansprüche König Ferdinands von Arragonien begünstigte, und dadurch den König von Frankreich, Karl VIl., sich abgeneigt machte; wie er dagegen dessen Nachfolger, Ludwig Xl., zur Aufhebung der pragmatischen Sanction, in welcher die Kirchenfreiheit Frankreichs im Sinne des Basler Concils gewährleistet war, unter allerlei Vorspiegelungen zu bewegen suchte. Ich habe noch nicht erwähnt, wie er in einer Bulle von Mantua aus die Appellationen von dem Papst an ein allgemeines Concil förmlich verbot, 3) wie er sowohl den Erzherzog Siegmund von Oestreich, als auch seinen ehemaligen Freund und Genossen, den erzherzoglichen Rath Gregor von Heimburg mit dein Bann belegte. Auch sein Verfahren gegen den Erzbischof Diether von Mainz, den er seiner Stelle entsetzte, zu Gunsten Adolfs von Nassau, habe ich unberührt gelassen. Die nähere Erörterung aller dieser und anderer, zum Theil sehr verwickelter, Verhältnisse, würde uns für diessmal zu weil geführt haben. 4) Eines nur darf noch zur vollständigen

Charakteristik unseres Papstes nicht verschwiegen werden, dass er, um den Widerspruch seines Wesens vor der Geschichte zu rechtfertigen, in einer besondern Bulle vom 26. April 1463, in der sogenannten Bulla retractationum, die er an die Universität Cölln sandte, das Verhältniss seiner nunmehrigen päpstlichen Gesinnung zu seiner früheren freimüthig auseinandersetzte, wobei er sich auf das Beispiel des heil. Augustin berief, der auch in seinen späteren Jahren vieles aus seinen früheren Schriften widerrufen habe. Er theilte sich selbst in zwei Personen, in den jugendlichen, unerfahrnen Aeneas und in den erfahrnen, gotterleuchteten Pius. Den ersten gebot er zu verwerfen, und verdammte und verwarf ihn selbst mit all seinen Irrthümern, den letztern aber soll man aufnehmen und ihm gehorchen, Aeneam rejicite! Pium recipite! Uns freilich möchte es schwer fallen, diesen päpstlichen Willen zu vollziehen, und eher möchten Viele geneigt sein, den Aeneas zu loben und den Pius zu verwerfen; doch besser, wir nehmen den Mann, wie er ist, ungetheilt mit seinen Licht- und Schattenseiten. Knüpfen sich doch die Erinnerungen an ihn, in so weit sie mit der Geschichte unserer Vaterstadt zusammenhängen, sowohl an die erste, als an die zweite Hälfte seines Lebens. Als Aeneas hat er bei unseren Vätern gelebt, sie beobachtet, sie beschrieben und belobt; als Pius II. hat er auf das Ansuchen eben dieser unserer Väter, von Mantua aus unterm 12. November 1459 unsere Universität gestiftet. 1)

Dieser päpstliche Akt sieht wenigstens in keinem Widerspruche mit den freien Gesinnungen, die er als Aeneas geäussert hat, und so mag er denn für uns in dieser Beziehung der eine Pius Aeneas bleiben, dem auch wir hinwiederum zur Pietät verpflichtet sind.

Es wäre nun freilich eine falsche und verwerfliche Pietät, aus Dankbarkeit gegen das Geschenk, die Person des Gebers dem gerechten Urtheil der Geschichte durch eine falsche Idealisirung ihres Charakters und durch Bemäntelung ihrer Fehler zu entziehen, und ich glaube nicht, dass man mir diesen Vorwurf machen wird. Wenn ich indessen bei aller Hinderung auf die grossen Schwächen und Fehler des Mannes, seine unvortheilhafte Seite in diesem Vortrage weniger ausgeführt und dagegen das ins Licht gehoben habe, was uns seine Persönlichkeit auch wieder von ihrer mildern und angenehmern Seite zeigt, so wird man diess der Feier dieses Tages und der Bestimmung dieser Rede angemessen finden.

Ueber die Lebensweise des Mannes hat uns sein Biograph Platina ungefähr Folgendes aufbehalten 1), das ich noch der Mittheilung werth finde.

Er stand mit der Sonne auf und ging gleich nach Verrichtung seiner Andacht an die öffentlichen Geschäfte. Ein kleiner Spaziergang im Garten war seine Erholung vor der Mahlzeit. Er begnügte sich mit alltäglicher Kost und bestellte sich sich nur selten ein Lieblingsgericht. Er trank meist nur sehr leichten Wein. Nach Tische unterhielt er sich eine halbe

Stunde mit seinen nächsten Umgebungen und nach kurzer Ruhe, las und schrieb er, so weit es ihm die öffentlichen Geschäfte gestatteten. Dasselbe that er auch nach dem Abendessen; auch da las und dictirte er von seinem Bette aus in die Nacht hinein, da er nur 5-6 Stunden Schlummers bedurfte. Er war von kurzer, unterteilter Gestalt, sein Haupt war frühzeitig ergraut und gab ihm schon in seinen männlichen Jahren ein greisenhaftes Ansehen. Sein ganzer Ausdruck verrieth Strenge und Milde zugleich. In seinem Anzug war er weder pedantisch, noch nachlässig. An Strapazen gewöhnt, litt er Hunger und Durst mit Gleichmuth. Die Natur hatte ihm einen starken Körper gegeben, dessen Kräfte aber durch die beständigen Reisen, Anstrengungen, Nachtwachen, frühzeitig aufgerieben wurden. Häufig ward er von Husten und Schnupfen, von Stein und Gicht geplagt, oft so, dass er, ausser: der Stimme, kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Auch in Krankheiten war er zugänglich; er sprach wenig und versagte ungern eine Bitte. 1) Was er gewann, wandte er wieder auf. Er war nicht begierig nach Reichthum, (beim Zählen und Aufbewahren des Geldes war er nie zugegen,) aber er verschmähte ihn auch nicht. Häufig erschöpften die Kriege seine Kassen, so dass er öfter von Schulden gedrückt wurde. — Redner und solche, die Gedichte vorzutragen wussten, liebte er, und Leuten, denen er ein Urtheil zutraute, theilte er seine eigenen Arbeiten mit. — Lügner und Schmeichler hasste er. 2) Er

konnte leicht aufbrausen im Zorn, aber eben so leicht war er wieder besänftigt. — Persönliche Kränkungen verzieh er leicht, weniger die gegen den päpstlichen Stuhl. Mit seinen Umgebungen war er freundlich, und dem öffentlichen Gerede über ihn liess er in der freien Stadt auch einen freien Lauf. Er war ein grosser Freund der Natur, desshalb wechselte er auch mehr als andere Päpste seinen Aufenthalt. In der Nähe seiner Vaterstadt Siena lag, von Wald umschattet, eine Abtei, in der er besonders gerne verweilte. Auch Bäder besuchte er mehrere und oft. Bei solchen Anlässen entäusserte er sich alles Schmuckes und befliss sich der ländlichen Einfalt. Bücher schätzte er hoher als kostbares Geschmeide. 1) Auf Zeichen- und Sterndeuter gab er nichts; aber dem katholischen Glauben war er aufrichtig ergeben und gewissenhaft in der Ausübung seiner gottesdienstlichen Pflichten. Die christliche Religion, behauptete er unter anderm, müsste schon durch ihre innere Vortrefflichkeit anziehen, wenn auch keine Wunder sie stützten. —

Halten wir diese Schilderung, der man freilich die Gunst der Freundschaft anmerkt, mit dem zusammen, was die Geschichte des Papstes uns selber gelehrt hat, so dürften wir wohl zu folgendem Urtheil berechtigt sein. Bei aller Neigung zur feineren Sinnlichkeit, bei aller Eitelkeit und Schwäche, bei allein Zweideutigen und Räthselhaften in seinem Betragen, hatte Aeneas Sylvius in seinem Wesen unstreitig etwas Edles, das ihn über viele Päpste gerade der

damaligen Zeit erhebt und ihn als Menschen, wo nicht durchgängig achtungs- und liebenswürdig, doch gewiss der näheren Theilnahme werth macht. Man darf nur seine Briefe und seine Geschichten durchblättern, uni überall einem denkenden, fein beobachtenden Geiste zu begegnen und einem Gemüthe, das für die Eindrücke der Liebe und Freundschaft in hohem Grade empfänglich ist. Seine Phantasie hatte einen gewissen idealen Schwung, und die Erinnerungen aus der klassischen Litteratur wirkten unverkennbar auch auf seine Art zu denken und bestimmten seine Lebensansicht. Dass ein hoher Sinn für Wissenschaft und Kunst und ein Streben nach den edleren Gütern des Lebens ihn beseelte, davon legen seine Schriften und seine Briefe, davon besonders der herrliche Eingang zur Stiftungsbulle unserer Universität, das rühmlichste Zeugniss ab. Oder kann man den Segen der Wissenschaft besser verkünden, als er es in dieser Bulle gethan hat, mit den Worten: "Unter allen Glückseligkeiten, die der Sterbliche in diesem hinfälligen Leben aus Gottes Hand empfängt, gehört nicht unter die letzten die, dass er mit Fleiss erringen kann die Perle der Wissenschaft, die ihm den Weg zeigt, gut und glücklich zu leben, und durch ihren hohen Werth den Erfahrnen über den Unerfahrenen weit erhebt; sie ist es, die den Menschen der Gottheit ähnlich macht und ihn erleuchtend einführt in die Geheimnisse der Welt. Sie unterstützt die Ungelehrten, und die im niederen Stande Gebornen erhebt sie zu glorreicher Höhe . . . und während die Vertheilung anderer Güter die Menge derselben vermindert, nimmt hingegen die Wissenschaft in dem Maasse, als sie an Andere abgegeben wird, zu an Wachsthum und Fülle!" 1)

Hätte das Christenthum jener Zeit allgemeiner und inniger die Verhältnisse durchdrungen, als es der Fall war, wie Manches hätte in der Seele dieses Mannes durch den Geist Gottes geheiligt und zu seinem Preise verherrlicht werden können! Damit soll nicht gesagt sein, als wäre Pius dem Christenthum feindlich oder auch nur gleichgültig gegenüber gestanden. War er auch kein Theologe im eminenten Sinne des Wortes, hatte er weder den Scharfsinn der Scholastikern noch den Tiefsinn der Mystiker, so war er doch von jener feinern christlich-platonischen Lebensphilosophie berührt, wie sie damals vermittelst der neuerwachten hellenischen Bildung den edleren Denkern geläufig war. Dass alles Sichtbare, aller Reichthum, alle Ehre der Welt ein betrügliches Gut und nur der allein glücklich zu nennen sei, der sein höheres Leben in Gott gefunden; nur der allein weise, der nicht nur zu leben, sondern auch zu sterben wisse, in der Hoffnung auf das ewige Heil, das Christus, als der Mittler zwischen Gott und den Menschen uns verbürgt; das sind Wahrheiten, die Aeneas an verschiedenen Orten seiner Briefe 1) so eindringlich behauptet, dass sie bei ihm gewiss mehr als Redensart waren. Diess

schliesst freilich den Wunsch nicht aus, dass diese Wahrheiten noch mehr, als diess aus dem Leben des Mannes hervorgeht den innersten Kern desselben möchten gebildet haben, während sie meist nur die Oberfläche berührten und nur in einzelnen Stimmungen und Momenten klarer vor sein Bewusstsein traten.

Aeneas hat vielleicht in dieser und andern Hinsichten manches gemein mit einem andern Manne, der gleichfalls durch seine Geschichte unserer Stadt und unserer Universität nahe steht, ich meine mit Erasmus von Rotterdam. Nur hatte dieser eine umfassendere Gelehrsamkeit, einen noch klareren Geist und wohl auch eine durchgebildetere evangelische Gesinnung. Aber der Charakter Beider hatte viel Aehnliches, wäre es auch nur darin, dass man ihnen Beiden, bei vielen trefflichen Anlagen des Geistes und Gemüthes, den Mangel an Charakter vorwerfen möchte. — Mit den Päpsten der Vorzeit, einem Gregor VII. und Innocenz III. gemessen, ist Pius nur eine dürftige und blasse Abschaltung ihrer Grösse; fast bildet sein Pontificat nur eine Travestie der früheren Herrlichkeit, indem es sich gegen jene ausnimmt, wie eine tropische Pflanze, die unter dem nördlichen Himmel dahinsiecht. Mehr Aehnlichkeit dürfte unser Papst mit seinen Nachfolgern, dem Medicäer Leo X. und mit Sixtus V. haben, die ja beide, und noch in grossartigerem Sinne als er, Wissenschaften und Künste gefördert haben. 1) Und so bildet denn auch er selbst, wie die Zeit, der er angehörte, den Uebergang aus der mittelalterlichen Papstgeschichte iii die moderne. Mit jener Zeit hat er noch die welthistorischen Forderungen in Beziehung auf Hierarchie und

Kreuzzüge, mit dieser dagegen den Sinn für kluge Verwaltung und die Bereitwilligkeit gemein, wissenschaftliche Anstalten zu begründen und zu heben. Und eben von dieser Seite ist er uns so wichtig geworden.

Hat auch die Schule, die wir ihm verdanken, manche Entwickelungen durchgemacht, welche die unmittelbare Erinnerung an die Zeit der Päpste zurückdrängt, finden wir uns auch enger verwachsen mit den Männern, die seit der Reformation ihre Lehrstühle geziert haben, mit den Oekolampaden, den Bauhinen, den Buxtorfen und Bernoulli —so lassen Sie uns doch das Andenken des Mannes in Ehren halten, ohne den wir vielleicht nie eine Universität erhalten hätten. Und wir werden diess thun, hochgeachtete Herren! verehrteste Freunde Freunde und Collegen, wertheste Mitbürger und Commilitonen! wenn wir allesammt, jeder an seinem Orte, dafür Sorge tragen, dass unsere Hochschule, wie der Stifter selbst ihr es wünschte, "ein unversieglicher Quell werde, aus dessen Fülle alle die schöpfen mögen, die nach edler Wissenschaft begierig sind." —Vergessen wir es nicht, es war nicht die päpstliche Huld allein, die ohne Veranlassung, aus eigener Laune und Bewegung, unsere Hochschule gestiftet hat; es war das ausdrückliche Begehren der Bürgerschaft, dem der Papst in inniger Weise entsprach, und es ist somit nicht etwa die affectirte Pietät gegen einen längst entschlafenen Papst, es ist die Pietät gegen unsere Väter, ja, es ist noch weit mehr und vor allem die Erwägung unseres wahren Wohles und des Wohles unserer Kinder, wenn wir fortfahren, zu dem uns anvertrauten Gute als treue Haushalter Sorge zu tragen.

Und dient denn auch unsere Schule nicht mehr dazu, nach dem Buchstaben der Stiftung die Ehre des römischen Stuhles

zu fördern, so möge sie doch immer durch Verbreitung edler, frommer und heilsamer Grundsätze als eine christliche Anstalt fortbestehen zur Ehre Gottes, unter dessen Schutz sie von Anbeginn ist gestellt worden und dem wir sie fürderhin in voller Zuversicht empfehlen.

Beilage I.

(Durch die gütige Vermittlung des Herrn Oberbibliothekar Hofrath Amann in Freiburg im Breisgau erhalten.)

«Kaiser Friedrich creirt den Aeneas Sylvius zum poëta laureatus. 1442 July 27.»

(Aus Chmels Regesten. Anh. S. 29. vgl. mit Menken script rer. germ. III. Col. 2039 fs.)

»Fridericus dei gratia Romanorum rex semper augustus etc. 1)

Notum facimus tenore presentium vniuersis, vetustissime 2) preteritique evi tradunt historie poetarum egregiorum copiam multis gloriose ac diuturne memorie causam fuisse pro quo preter gloriam presentis temporis pariter et futuri, quam 3) sibi et aliis afferebant pro premio quodam et studiorum proprio ornamento coronam lauream merebantur. Tanto enim honore dignos illos 4) res publica censuit ut unum atque idem laureae decus assignandum censeret cesaribus et poëtis. Ita quoque predecessores nostros divos Romanos imperatores legimus poetas habuisse carissimos ut multi ipsorum potissime ille divus Julius Cesar primus multas conscribens epistolas et hystorias ac excellentissimus fundator imperii Octavianus Augustus pro singulari laude et immortali sui nominis fama 5) poete esse voluerint. 6) Nos vero cupientes ipsorum antecessorum

nostrorum gloriosa imitari vestigia, qui poetas egregios in morem triumphantium ut accepimus solebant in capitolio coronare animadvertentes etiam quod in disuetudinem jam abiit illa ipsa solemnitas, convertimus aciem mentis nostre in poetam eximium et preclarum Eneam Silvium de Picolominibus 1) Senensem, nobis et imperio sacro devotum de cuius profunda scientia morum gravitate clarissimisque nature sue dotibus experimentum verax habuimus quique talium studiorum a teneris suis annis scrutator 2) fuit ardentissimus. Ita ut ipse ex revolutione frequenti volumuìum veterum et indagine propria multis poëmatibus a se editis et a nobis probatis in arte illa plurimum notus sit agentes etiam gratiam deo omnipotenti quod tempore nostro ingenia antiquis similia nostre non denegentur 3) etati, eundem Eneam tanquam sufficientem et dignum sedentibus nobis in nostro consilio 4) magistrum, poetam et historicum 5) eximium declarantes preclari magisterii nomine auctoritate Romana 6) regia insignimus 7) ac manibus propriis perornamus hys semper 8) viridibus lauri ramis et folus ipsum solenniter decorantes ut sic semper nomen et honor suus vireant et aliis ad nanciscendum huius artis ingenii quoque peritiam ad exemplum 9) clarum redundet. Dantes eidem Enee legendi disputandi interpretandi et componendi poëmata liberam ubique locorum tenore presentium facultatem. Decernentesque eum eisdem privilegiis, immunitatibus honoribus officiis dignitatibus vestitu auro et aliis quibuscunque ornamentis et prerogativis perfrui debere

quibus ubique terrarum uti possunt ac posse sunt soliti poete ac liberalium et honestarum historiarum ac sacrarum artium professores et tanto quidem amplioribus quanto professionis sue raritas atque prestantia eum latioribus honore benevolentia atque observantia dignum facit. Gaudeat igitur ipse noster Eneas fauore regio et de tanto benignitatis munere letanter 1) exultet ad nostrum quoque 2) et imperii sacri decorem tanto gratius sua solidetur intencio tanto 3) se ampliori preventum conspicit munere gratiarum. Presentiurn sub nostre majestatis sigillo testimonio literarum.

Datum Franckfordie 4) anno domini etc. xlij vigesirna septima die mensis Julii regni vero nostri anno tertio.

Ad mandatum 5) d. regis

Wilhelmus Tacz canonicus Frisingensis.» *)

Beilage II. Stiftungsbulle der Universität Basel.

Pius, Episcopus, Servus Servorum Dei, ad perpetuam rei memoriam. Inter caeteras felicitates, quas mortalis homo in hac labili vita ex dono Dei nancisci potest, ea non in ultimis computari meretur, quod per assiduum studium adipisci valeat scientiae margaritam, quae bene beateque vivendi viam praebet, ac peritum ab imperito sua praetiositate longe faciat excellere: haec praeterea illum Deo similem reddit et ad mundi arcana cognoscenda dilucide introducit, suffragatur indoctis et in infimo loco natos evehit in sublimes, et propterea sedes Apostolica rerum spiritualium et etiam temporalium provida ministratrix, liberalitatis honestae circumspecta distributrix et cujusvis laudabilis exercitii perpetua et constans adjutrix, ut eo facilius homines ad tam excelsum humanae conditionis fastigium adquirendum et adquisitum in alios refundendum, semper cum augmento quaesiti facilius inducantur, cum aliarum rerum distributio massam minuat, scientiae vero communicatio, quantum in plures diffunditur, tanto semper augeatur et crescat, illos hortatur, eis loca praeparat et opportune commoditatis auxilia impartitur. Cum itaque, sicut pro parte dilectorum filiorum, Magistri Civium, Consulatus et Communitatis Civitatis Basiliensis, nobis nuper exhibita petitio continebat, ipsi non solum ad Reipublicae ipsius Civitatis, sed etiam ad aliarum partium illi vicinarum utilitatem et prosperitatem intendentes,

in praefata Civitate Basiliensi, tamquam loco insigni et accommodo, in quo aëris viget temperies, victualium ubertas caeterarumque rerum ad usum vitae humanae pertinentium, copia reperitur, et a qua famosa studia Alamaniae satis distare noscuntur, plurimum desiderent fieri et ordinari, per eandem sedem studium generale, in qualibet licita Facultate, ut ibidem fides catholica dilatetur, erudiantur simplices, aequitas servetur, judicii vigeat ratio, illuminentur mentes et intellectus hominum illustrentur: Nos praemissa et etiam eximiam ipsorum, Magistri Civium, Consulatus et Communitatis, fidei et devotionis sinceritatem, quam ad Nos et Romanam Ecclesiam gerere comprobantur, attente considerantes, ferventi desiderio ducimur, quo Civitas praedicta scientiarum ornetur muneribus, ita ut viros producat consilii inaturitate conspicuos, virtutum redimitos ornatibus et diversarum facultatum dogmatibus eruditos; sitque sibi scientiarum fons irriguus, de cujus plenitudine hauriant universi litterarum cupientes imbui, documentis dictorum, Magistri Civium, Consulatus et Communitatis in hac parte supplicationibus inclinati, ad laudem divini Nominis 1) et praelibatae fidei propagationem ipsiusque Reipublicae et partium earundem commodum atque profectum, auctoritate Apostolica statuimus et ordinamus, quod in ipsa Civitate Basiliensi de caetero sit, et perpetuis futuris temporibus vigeat studium generale, in Theologia ac Jure Canonico et Civili, quin etiam quavis alia licita Facultate, ipsiusque studii Basiliensis Cancellarius sit Ven. Frater noster Johannes et pro tempore existens Episcopus Basiliensis, ac legentes ac studentes

ibidem omnibus et singulis privilegiis, libertatibus, honoribus, exemtionibus et immunitatibus, concessis Magistris, Doctoribus et Studentibus, commorantibus et residentibus in generali studio nostrae Civitatis Bononiensis, gaudeant et utantur et insuper Cancellano, Magistris, Doctoribus et Scholaribus dicti studii Basiliensis, faciendi statuta et ordinationes ad instar ejusdem studii Bononiensis (quae tamen, si rationabilia sunt per Sedem praedictam confirmentur) plenam et liberam, tenore praesentium, concedimus facultatem, non obstantibus constitutionibus et ordinationibus apostolicis caetenisque contrariis quibuscunque. Nulli ergo omnino hominum liceat hanc paginam nostrorum statuti ordinationis et concessionis infringere, vel ei a usu temerario contraire. Si quis autern hoc attemptare praesumpserit, indignationem Omnipotentis Dei ac beatorum Petri et Pauli Apostolorum ejus, se noverit incursurum. Dat. Mantuae anno incarnationis Dominicae millesimo quadringentesimo quinquagesirno nono, Prid. Id. Novemb. Pontificatus nostri anno secundo.

Anhang Verzeichniss der merkwürdigsten Schriften des Aeneas Sylvius.

1. Commentariorum de gestis Basiliensis Concilii libri II.

2. De ortu, regione et gestis Bohemorum seu historia Bohemica.

3. Abbreviationum Flavii Blondi historiarum ab inclinatione Imperii usque ad tempora Johannis XXIII. Papae, libri XX.

4. Cosmographiae libri II. seu historia rerum ubique gestarum, cum locorum descriptione non finita.

5. In libros Antonii Panormitae Poëtae de dictis et factis Alphonsi regis memorabilibus, Commentarius. Libb. IV.

6. Epistolarum liber. (älteste Ausg. Nürnb. 1481.)

7. Tractatus de liberorum educatione ad Ladislaum Hungariae et Bohemiae regem.

8. Rhethoricae praecepta ad illustr. Principem Marchionem Badensem.

9. De ritu, situ, moribus et conditione Germaniae descriptio. *)

10. Tractatus de ortu et auctoritate Imperii Rom. ad Fridericum Imperatorem (in Goldasti Monach. S. R. Imp. T. Il. p. 1558.)

11. Pentalogus de rebus Ecclesiae et Imperii (in Pez. Thes. Anecd. noviss. T. IV. p. 637 fs.)

12. Historia rerum Frid. III. Imp. (zuerst Strassb. 1685 fol. dann in der Helmstädter Ausg. der geogr. u. histor. Werke, 1690, 4; am vollständigsten bei Kollar, Analecta monument. Vienens. T. II

13. Historia Gothica. (herausg. v. Duellius in biga libror. rarior. Francof. et Lips. 1730 4. 14

14. Orationes (herausgeg. von Mansi. Lucca 1755. 59. III. 4°.)