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Rektorats Reden © Prof. Schwinges

Kimon.

Eine Rede gehalten am Jahresfeste der Universität zu Basel

den 20. November 1846
von
Wilhelm Vischer
ord. Professor der griechischen Litteratur und damaligem Rektor.
Basel 1847
Druck und Verlag von J. J Mast.

Den
vom 29. September bis 2. Oktober 1847 in
Basel versammelten
Philologen, Schulmännern und
Orientalisten
Deutschlands und der Schweiz
hochachtungsvoll gewidmet vom Verfasser ,

Vorwort. folgende Rede bereits vor geraumer

Wiewohl die Zeit bei einer andern Gelegenheit gehalten worden ist, so erlaube ich mir dennoch in Hinsicht auf ihren Inhalt sie im Drucke den in Kurzem in meiner Vaterstadt sich versammelnden Alterthumsforschern zu widmen und bitte um freundliche Aufnahme der kleinen Gabe, durch deren Darbietung ich meine Freude ausdrücken möchte über die ehrenvolle Auszeichnung, welche ich in der Wahl Basels zum Versammlungsorte erblicke.

Dass die Rede erst jetzt erscheint, hat einen doppelten Grund. Erstens war ich während längerer Zeit, unmittelbar nachdem sie gehalten worden war, durch die politischen Zustände meiner Vaterstadt so vielfach anderweitig in Anspruch genommen, dass mir neben den unumgänglich: sten Berufsgeschäften wenig Musse für litterarische Arbeiten übrig blieb. Zweitens aber wollte ich zuvor noch den "Versuch einer Charakteristik Kimons von Th. Lucas"vergleichen, welchen ich mir vor der Abfassung der Rede

nicht harte verschaffen können und nach langen Bemühungen endlich im Frühjahr 1847 erhielt. Diese verdienstlich Schrift konnte daher erst in den Anmerkungen berücksichtigt werden. Zum Verständniss der ersten Worte bemerke ich, dass ich gegen die gewöhnliche Uebung im zweiten Jahre das Rektorat bekleidete und dass die Rede mitten in die Wahlen des Verfassungsrathes fiel, welche natürlich alle Gemüther beschäftigten. Im Uebrigen beziehe ich mich auf das im Vorworte zu Alkibiades und Lysandros Gesagte.

Basel im August 18474 Wilhelm Vischer .

T.

Wenn ich bereits voriges Jahr nicht ohne Schüchternheit vor Ihnen aufgetreten bin, so sehe ich mich heute noch .mehr veranlasst, Sie um gütige Nachsicht zu bitten; denn zum erstenmal spricht der nämliche Redner bei derselben Gelegenheit zweimal nach einander, und begibt sich somit des Vortheils, den der Reiz der Abwechslung hat. Noch mehr aber als dieser Umstand erscheint der gegenwärtige Augenblick aufmerksamer Theilnahme an einem wissenschaftlichen Vortrage ungünstig. Die Gemüther sind von andern Interessen bewegt, und mir selber hat die nöthige Sammlung gefehlt, um den Gegenstand, über den ich zu sprechen gedenke, die Vollendung und Abrundung zu geben, die ich gewünscht hätte. Nichts desto weniger mag es Manchem angenehm sein, den Blick einen Augenblick von den Tagesfragen, die uns alle erfüllen abzuwenden, und auf einen andern Gegenstand zu richten. Und so habe ich es gewagt, auch heute Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen.

Reissen wir uns also los von der Gegenwart und folgen Sie mir noch einmal in jene Zeiten, welche dadurch auch für uns Alle einen eigenthümlichen Reiz haben, dass sie, trotz der grössten Verschiedenheiten, doch eine Menge unverkennbarer Analogien mit unsern vaterländischen Zuständen darbieten, in die Zeiten der griechischen Geschichte, und zwar erlaube ich mir Sie um ein halbes Jahrhundert weiter zurück zu führen, als das letztemal. Habe ich Ihnen damals zwei gewaltige .

Persönlichkeiten als Vertreter ihrer in der Auslösung begriffenen Vaterstädte vor Augen zu stellen gesucht, welche mit allem Andern von der Natur ausgestattet, nur der sittlichen Kraft und Besonnenheit ermangelten 1), so will ich heute das ruhigere Bild zu entwerfen versuchen von einem Manne, der zwar an Genialität jenen beiden nachsteht, der aber sein ganzes Leben der Grösse und Ehre seiner Vaterstadt und der Eintracht des weitern Vaterlandes weihte, eines Mannes, der zwar auch die Wandelbarkeit der Volksgunst erfahren musste, aber nichts desto weniger unwandelbar treu blieb, der zuletzt wieder Anerkennung fand und, was so wenigen unter den athenischen Helden zu Theil ward, in solcher Stellung vom Tode betroffen wurde, dass eine fast mythische Glorie ihn umstrahlt und sein Andenken mit Dankbarkeit und Bewunderung genannt wurde. Dieser Mann ist Kimon der Sohn des Miltiades, zwar oft besprochen, doch nicht so, dass die Urtheile über ihn einstimmig wären. Denn während seine Lobredner bereits im Alterthume ihn bisweilen übertrieben erhoben, hat er auch das Schicksal gehabt, von Anekdotenkrämern misshandelt zu werden, welche sich einen Namen dadurch zu machen suchten, dass sie an grossen Männern eine Schwäche entdeckten und der bösen Welt preisgaben; in neuerer Zeit hat man oft nur den Feldherrnruhm anerkannt, dagegen als Staatsmann ihm keine Geltung gelassen, ja ihn selbst als Feind der Freiheit Athens dargestellt und ihn eitler Selbstverblendung bezüchtigt 2). Betrachten wir den Mann nach seinen Thaten.

Kimon gehörte einem der edelsten Eupatridengeschlechter von Athen an, den Philaiden, so genannt nach Philaios, dem Sohn oder Enkel des Telamonischen Aias 3); durch ihn führte also auch diese Familie, gleich der des Alkibiades, ihren Ursprung auf Zeus zurück. In die Geschichte tritt dieses Geschlecht aber, trotz der langen Ahnenreihe, eigentlich erst im 6ten Jahrhundert 4). Wie jener Hippokleides, welcher unter den Freiern der Fürstentochter Agariste in Sikyon zuerst

der Bevorzugte war, dann aber durch einen unschicklichen Tanz sein Glück verscherzte, ihm angehörte, lassen wir dahingestellt. 5). Aber bald darauf finden wir die Philaiden, wie es ihre adeliche Abstammung natürlich machte, nächst den Alkmaioniden als die entschiedensten Gegner der aus der Demagogie hervorgegangenen Herrschaft des Peisistratos und seiner Söhne. Durch Pferdezucht und einen olympischen Sieg bereits hochberühmt, wurde Miltiades, der Zeitgenosse des Peisistratos besonders dadurch der Begründer der hohen Stellung seiner Familie, dass er in Folge eines Orakelspruches das Fürstenthum über den Thrakischen Chersones auf friedlichem Wege gewann. In diesem folgten ihm die Söhne seines von den Peisistratiden gemordeten Halbbruders Kimon, zuerst der ältere Stesagoras und dann Miltiades. Dieser durch Thatkraft, Feldherrngabe und kühne oft rücksichtlose 6)0 Entschlossenheit ausgezeichnete Mann herrschte im Chersones bis zum Abfall der Ionier von den Persern. Bei ihrer Wiederunterwerfung musste er, der bereits früher zur Abschüttelung des persischen Joches gerathen hatte, ihn verlassen. Mit Mühe entkam er der verfolgenden phönizischen Flotte, während sein älterer Sohn Metiochos dem Feinde in die Hände fiel. Die Schlacht bei Marathon gab ihm Gelegenheit, glänzende Rache zu nehmen und seinen Namen durch die schönste Waffenthat mit dem Ruhme Athens zu verbinden. So war er der erste Mann seiner Vaterstadt. Aber sein Glück war nicht von Dauer. Eine misslungene Unternehmung gegen Paros 7), bei der er von Unbesonnenheit und Willkühr schwerlich wird ganz freigesprochen werden können, zog ihm Verurtheilung zu einer unerschwinglichen Geldbusse und als Folge eines Beinbruches baldigen Tod im Gefängniss zu. Sein Hauptgegner, der auf Todesstrafe angetragen hatte, war Xanthippos gewesen, der später die Athener bei Mykale zum Siege führte, der Vater des grossen Perikles.

Der Ruhm des Hauses sollte aber nicht untergehen. Der Sieger von Marathon hatte neben jenem Metiochos, der in

persische Gefangenschaft gerathen war und vom grossen Könige hochgeehrt, aber seinem Vaterlande nicht mehr zurückgegeben wurde, noch einen zweiten Sohn hinterlassen, den ihm Hegesipyle, die Tochter des thrakischen Fürsten Oloxos geboren hatte 8). Dieser, nach dem väterlichen Grossvater Kimon genannt, hatte in seiner Jugend sich weniger der Ausbildung seiner Geisteskräfte, als den Vergnügungen gewidmet, welche bei den jungen Athenern von Adel im Brauch waren . Er soll sehr leichtsinnig gelebt haben, dem Wein und den Frauen über Gebühr ergeben gewesen sein, und seinen Vormündern viel zu schaffen gemacht haben 9). Die Kunst der Rede, welche damals in Athen überhaupt noch wenig ausgebildet war, das Witzige und Scharfsinnige und oft Spitzfindige, welches später den Athener nicht immer zu seinem Vortheile auszeichnete, waren dem Jünglinge ziemlich fremd. Doch weiss er später mit Gewandtheit und Erfolg das Wort in der Volksversammlung zu führen. Auch in der Musik soll er sich nicht sonderlich hervorgethan haben, wenn er auch keineswegs dieser Bildung entbehrte. Eine derbe, gutmüthige, oft etwas plumpe Art machte, dass man ihn seinem Grossvater Kimon verglich, der den Spottnamen Koalemos, Dummkopf, getragen hatte. Allein unter dieser unscheinbaren Hülle lag eine kräftige, unverdorbene Natur verborgen, welche früh mit dem Unglück vertraut, sich bald in glänzender Weise Bahn brach. Nach der Strenge der athenischen Gesetze gegen Staatsschuldner, war Kimon, dessen Vater die Busse, zu der er verurtheilt war, nicht zu bezahlen vermocht hatte, der bürgerlichen Ehre verlustig, ein Atime, bis er die Schuld des Vaters bezahlt hatte. Ja eine keineswegs verächtliche Nachricht sagt sogar, es sei das Gefängniss, welches zahlungsunfähige Schuldner des Staates betraf, auf ihn übergegangen 10). Aus dieser traurigen Lage zog ihn die Liebe eines reichen Atheners. Namens Kallias 11) zu seiner schönen Halbschwester Elpinike, mit der er bis dahin in einer nach athenischen Gesetzen erlaubten

Ehe gelebt zu haben scheint. Kallias bot ihm an, die ganze Summe von 50 Talenten zu bezahlen, wenn er ihm die Schwester zur Frau gebe; dass Kimon es that, darf uns nicht befremden bei den laxen Begriffen, welche in Athen hinsichtlich der Ehe galten, um so weniger wenn richtig ist, dass er sie nur geehlicht hatte, weil sie zuvor wegen ihrer Armuth keinen ihres Standes würdigen Freier gefunden hatte 12). und überdiess tilgte er dadurch den Makel, der dem Namen des Vaters noch anklebte. So ward er nun wieder ehrenfähig. Trotz jenes angeblichen schlechten Rufs muss nun Kimon bald unter seinen Altersgenossen einen sehr bedeutenden Einfluss gewonnen haben 13) , den er mit eben so viel Einsicht als Selbstverläugnung zur Rettung der bedrohten Heimat anwandte. Jener Feldzug, der durch die Schlacht bei Marathon seine Entscheidung gefunden hatte, war nämlich nur das Vorspiel grösserer Gefahren für Hellas geworden. Der unerwartete Widerstand des gering geachteten freien Volks hatte den Ingrimm des orientalischen Herrschers Dareios nur vermehrt, und nach seinem Tode sah der Sohn Xerxes sich durch die Stimmung der Perser genöthigt gegen seine Neigung den Krieg von neuem aufzunehmen. Wenige Männer in Griechenland sahen das Ungewitter kommen, unter diesen wenigen am klarsten der Athener Themistokles, an Genialität, Entschlossenheit und Thatkraft von keinem griechischen Staatsmanne aller Zeiten übertroffen, von wenigen erreicht. Er erkannte, dass die Widerstandsfähigkeit Griechenlands nur auf den Schiffen zu suchen sei und bereitete Athen dazu vor; er deutete das Orakel von den hölzernen Mauern nicht auf eine schlechte Holzbefestigung der Stadtburg, sondern auf die Trieren und forderte seine Mitbürger auf, Haus und Land zu verlassen und sich dem Meere anzuvertrauen. Es war ein gewaltiger Entschluss, den ein ganzes Volk zu fassen hatte, doppelt bewundernswerth bei den religiösen Begriffen der Griechen, deren Götter sich an bestimmte Örtlichkeiten knüpften. Kein Wunder,

dass der Rath nicht sogleich Eingang fand. Wundererscheinungen mussten erst den Athenern zeigen, dass die Götter selbst ihre Sitze verliessen, und das Beispiel edler Männer das Volk zur Aufopferung entftammen. Hier hat vor Allen Kimon gewirkt. Er, dessen Vater Miltiades noch den Plan des Themistokles, eine Flotte zu gründen, bekämpft haben soll 14) , der selbst seiner ganzen Stellung nach zum Nebenbuhler des Themistokles berufen war, schloss sich zuerst diesem an. Während die Masse noch erschrocken und unentschlossen war, sah man ihn, den ritterlichen Sprössling eines Geschlechts, das sich durch Pferdezucht längst in ganz Griechenland berühmt gemacht hatte, eine kräftige hohe Heldengestalt, mit lockigem, reichlichen Haare, von seinen Freunden begleitet, heitern Antlitzes die Burg hinansteigen, um einen Pferdezaum, den er in den Händen trug, der Göttin als Geschenk zu weihen. Denn jetzt sei mit der Reiterei nichts auszurichten, sondern nur mit der Seemacht 15) . Dann nahm er einen von den der Göttin geweihten Schilden und stieg zum Meere herunter. Der schönste Erfolg belohnte die Aufopferung des athenischen Volkes. Griechenland war gerettet. Athen erhob sich aus seiner Asche zu einem neuen Leben, verjüngt trat es an die Spitze derjenigen Hellenen, welche den Krieg mit Persien fortführen und Freiheit bringen wollten, so weit die griechische Zunge reichte; Themistokles, Aristeides, Xanthippos hatten jeder an seinem Platze mit Hintansetzung aller persönlichen Eifersucht, ihre Mitbürger zu den Siegen geführt und ihre Vaterstadt auf die hohe Stufe gebracht, auf welcher sie nach dem Rückzuge der Perser, nach ihren Niederlagen bei Plataia und Mykale stand. Der jüngere Kimon hatte den Ruf glänzender Tapferkeit gewonnen.

In Folge dieses Vertheidigungskriegs gegen Persien gewinnt nun aber bald die Geschichte Griechenlands und namentlich Athens eine neue Richtung. Nachdem die nächste Gefahr beseitigt war, kam es darauf an, durch Vereinigung der

Kräfte eine entschiedene Fortsetzung des Kampfes möglich zu machen, die Macht Persiens in ihrem eigenen Lande anzugreifen und Griechenland gegen künftige Angriffe zu sichern. Zuerst hatte Sparta die Leitung dieser Aufgabe übernommen; in der ersten Begeisterung nach dem Siege bei Plataia war der Versuch gemacht worden auf der Grundlage der bestehenden Verhältnisse eine allgemein griechische Bundesgenossenschaft zur Fortführung des Krieges zu organisiren 16). Allein die Verhältnisse hatten sich zu sehr verändert, als dass das schwerbewegliche, dem Seekriege nicht gewachsene Sparta an der Spitze des gesammten Griechenlands hätte bleiben können, und eine erfolgreiche Kriegführung ohne kräftige, mächtige Oberleitung war eine Unmöglichkeit. Diese fand sich bald in Athen, das durch seine Verdienste im Perserkriege jetzt auf die erste Stelle kühn Anspruch machen konnte. Die Unabhängigkeit von der spartanischen Hegemonie und die Bildung eines Bundes der Seestaaten unter seiner Leitung, um zunächst den Kampf gegen Persien fortzusetzen, waren das Ziel, welches das athenische Volk, von feinen grossen Männern geleitet, jetzt mit Beharrlichkeit und Erfolg anstrebte. Themistokles gebührt der Ruhm. seiner Vaterstadt durch schnelle Befestigung eine unabhängige Stellung gesichert zu haben; die Gründung der Bundesgenossenschaft war vorzugsweise das Werk des besonnenen Aristeides; ausgebildet, befestigt und zum siegreichen Kampfe gegen die Barbaren geführt aber hat sie Kimon 17), dessen Bestreben schon jetzt darauf ging, die Griechen zum gemeinsamen Handeln gegen aussen zu vereinigen und dadurch die Zwistigkeiten im Innern zu verhindern. Schon vor der Schlacht bei Plataia war er mit unter den Gesandten gewesen, welche die Spartiaten zu thätigem Handeln auffordern sollten 18) . Nach der Vernichtung der Perser finden wir ihn bald neben Aristeides an der Spitze der attischen Flotte 19). Seine Tapferkeit und sein freundliches einfaches Wesen hatten ihm die Gemüther gewonnen, und der einflussreiche Aristeides schenkte ihm sein

ganzes Wohlwollen. Den Oberbefehl führten aber noch die Spartiaten. Denn obgleich sie nach der Schlacht bei Mykale zuerst in die Heimat zurückgekehrt waren und den Athenern, nebst den von den Persern abgefallenen Bundesgenossen die Eroberung der festen Stadt Sestos überlassen hatten, trat bald darauf wieder der Sieger von Plataia Pausanias an die Spitze der Bundesflotte, vertrieb die Perser aus einem grossen Theil der Insel Cypern und wandte sich dann nach dem Hellesponte, um Europa gänzlich zu befreien. Denn noch hatten die Perser nebst andern Punkten das wichtige Byzanz und das feste Eion am Strymon inne. Byzanz wurde glücklich erobert, aber anstatt den Sieg mit Nachdruck zu verfolgen, setzte Pausanias sich dort fest, behandelte die vom persischen Joche befreiten Byzantier wie Knechte und spielte die Rolle eines persischen Satrapen. Zugleich trat er schon jetzt in verrätherische Verbindung mit dem Feinde. Die von dem Perserjoche befreiten Griechen, welche nicht gesonnen waren nur den Herrn zu wechseln, ertrugen diese Behandlung nur unwillig, und wandten sich daher mit Klagen an die Athener, die überdies den meisten von ihnen als Ionier näher standen und weit mehr Schiffe als die sämmtlichen Peloponnesier bei der Flotte hatten 20), Die Befehlshaber der Athener, Aristeides und Kimon, wiesen die Klagen nicht ab, versprachen vielmehr denselben abzuhelfen und berichteten nach Sparta. Die Spartiaten beriefen den Pausanias zur Untersuchung nach Hause 21). Allein bereits war es zu spät geworden. Da selbst des Aristeides Vorstellungen schnöde von dem Oberfeldherrn aufgenommen wurden, da eine edle byzantische Jungfrau Kleonike als Opfer seiner Lüste gefallen war, brach der allgemeine Unwille in die That aus 22). Die Bundesgenossen kündigten ihm sämmtlich den Gehorsam auf 23) und stellten sich unter den Befehl Athens. Der an Pausanias Stelle von Sparta ausgesandte Dorkis würde abgewiesen, und Sparta verzichtete halb freiwillig, halb gezwungen auf die Oberanführung 24). Den persönlichen

Eigenschaften des Aristeides und Kimon verdankte Athen nebst dem frevelhaften Benehmen des Pausanias, das schnelle und friedliche Erringen der Oberleitung. Denn neben ihrer anerkannten Feldherrntüchtigkeit hatten sie durch Gerechtigkeit und billiges, entgegenkommendes Wesen die Bundesgenossen gewonnen. Die strenge Ordnung und unermüdliche Dienstbereitwilligkeit, welche bei den athenischen Truppen herrschten, bildeten einen wohlthätigen schroffen Gegensatz zu dem hochmüthigen Benehmen der Spartaner, die überall von Pausanias bevorzugt wurden. Die Organisation der Bundesgenossenschaft, die Festsetzung der Contingente an Schiffen, an Mannschaft und Geld, die Einrichtung eines Bundesschatzes und die Niedersetzung einer Schatzbehörde, grösstentheils durch Aristeides, befestigten das in Byzanz Gewonnene.

Kimon aber war es vorbehalten, die also organisirten Bundeskräfte zum Siege gegen die Perser zu führen und zugleich die Grundlage der Herrschaft Athens, die sich aus jenem Bunde entwickelte, zu legen. Zunächst griff er den bedeutendsten Platz an, den die Perser in Europa noch behaupteten, die Hafenstadt Eion an der Mündung des Strymon in Thrakien. Der tapfere Befehlshaber Boges vertheidigte sie, so lange als die Lebensmittel ausreichten, dann zündete er die Stadt an, versenkte alles Geld und alle Kostbarkeiten in den Strymon und tödtete sich und die Seinigen. Kimon erhielt einen Trümmerhaufen 25); aber der Ort war wegen seiner Lage von grosser Wichtigkeit, um auf Thrakien und Makedonien einzuwirken, besonders bedeutend auch für Athen wegen des Holzreichthums jener Gegenden. Darum ruhten die Athener nicht bis sie in der Nähe von Eion , nach mehreren unglücklichen Versuchen die Stadt Amphipolis gegründet hatten. Nach Eions Eroberung wendete sich Kimon gegen Skyros. Auf diesem im ägeischen Meere gelegenen Eilande wohnte damals ein der Entwicklung der Hellenen ziemlich entfremdeter Stamm, die Doloper, welche durch Seeräuberei berüchtigt waren. Es ist bekannt, wie zu allen Zeiten auf den

Inseln des griechischen Meeres wegen dei zahlreichen Schlupfwinkel, die sie darbieten, die Piraten gerne sich einnisteten und von Minos bis in die neusten Zeiten bedurfte es einer kräftigen Hand, dem Meere die für den Handel nöthige Sicherheit zu gewähren. Den Athenern, deren Rheder damals den grössten Theil des Handels im ägeischen Meere betrieben, konnte es nicht gleichgültig sein, wenn Räuber die See beunruhigten, ihre Seeherrschaft, die sie bereits offen ansprachen, erschien überdies dadurch beeinträchtigt. Es konnte daher ihnen nur erwünscht sein, als die delphische Amphiktyonie, wegen Räubereien und anderer Gewaltthätigkeiten, die an thessalischen Kaufleuten geübt worden waren, den Dolopern eine Geldstrafe auferlegte, und da sie diese zu zahlen sich weigerten, dem Kimon Anlass gab, mit seiner Flotte die Insel anzugreifen 26). Er eroberte dieselbe, machte die Bewohner zu Sklaven 27) und sandte an ihre Stelle atletische Colonisten (Kleruchen). So hatte jetzt Athen am Strymon und auf einer Insel des ägeischen Meeres festen Fuss gefasst, hier hatte es nun nicht blos Bundesgenossen, sondern eigenen Besitz, von dem aus es seine Macht bald weiter verbreitete. Doch waren diese beiden Plätze ohne irgend eine Beeinträchtigung der Bundesgenossen, vielmehr unter ihrer Mitwirkung und auch zu ihrem Vortheile genommen worden (476). Es hatte aber die Eroberung der Insel noch eine zweite, religiöse Bedeutung. Auf ihr war einst der Heros des Ionischen Stammes in Athen, Theseus, der für den Stifter der Demokratie galt, gestorben und begraben worden. Ein Orakel hatte den Athenern, welche Abhülfe gegen eine Seuche suchten 28), geboten, seine Gebeine nach Athen zu bringen, und Kimon war so glücklich oder klug, von einem Adler angeleitet, den Hügel zu entdecken, welcher sie barg. Ein riesiger Leichnam nebst eherner Lanze und Schwert wurde ausgegraben und unter grossem Gepränge nach Athen gebrach 29) , wo dem Theseus ein Heiligthum errichtet wurde, welches nach der gewöhnlichen Meinung

noch heutzutage steht, als einer der am besten erhaltenen Tempel des alten Athen. Doch ist dieses Theseion, das von den Christen später dem heiligen Georg geweiht wurde, in neuester Zeit von einem ausgezeichneten Archäologen mit gewichtigen Gründen dem Theseus abgesprochen und für einen Arestempel erklärt worden 30).

Diese dem vaterländischen Gefühle der Athener schmeichelnde Handlung, welche zugleich Bürgschaft für fernere Wohlfahrt sein sollte, trug wohl nicht viel weniger zu Kimons Ansehen bei, als die Eroberung von Eion. Wie hoch aber diese geschätzt ward, bezeugen die Ehren, die den Siegern zu Theil wurden. In der sogenannten Hermenhalle wurde ihnen gestattet drei Hermen aufzustellen mit Inschriften, die ihre That verkündeten 31). Und obwohl kein Name darauf war, so galt es doch in jenen Zeiten, wo die That des einzelnen Bürgers als dem ganzen Volke angehörig beachtet wurde, für unerhört. Kimon stand jetzt bereits den ersten Männern Athens, dem Aristeides und Themistokles gleich an Ansehen, und zwar nicht mehr blos im Felde, sondern auch im Staate. Wie nämlich in jenen Zeiten die hervorragenden Staatsmänner noch sämmtlich auch zugleich Feldherrn waren, und der kriegerische Ruhm in der Regel die Laufbahn des Staatsmannes eröffnete, so macht jetzt Kimon sich auch in der Heimat bald unter den Lenkern des Gemeinwesens bemerklich. Während der Persernoth waren die Parteiungen verschwunden, indem ein gemeinsames Ziel Alle vereinigte. Aristeides selbst, obgleich kein Freund der extrem-demokratischen Richtung, hatte nach der Schlacht bei Plataia die Ungleichheit, welche noch zwischen der letzten Censusklasse der Theten und den drei obern herrschte, gehoben, er hatte das Archontat allen ehrenfähigen Athenern eröffnet, und somit die demokratische Entwicklung, welche die Solonische Verfassung durch Kleisthenes erhalten hatte, zum Abschlusse gebracht. Keine Hemmungen standen mehr der freieren Entfaltung der Kräfte aller Burger entgegen, aber

es bestanden noch die wohlthätigen Einrichtungen, welche neben die Beweglichkeit der Volksmassen weise Besonnenheit und Mässigung brachten, namentlich der Rath auf dem Areopage. In den nächstfolgenden Jahren scheint sich hinsichtlich der innern Staatsentwicklung noch keine bedeutende Verschiedenheit gezeigt, sondern ziemliche Eintracht geherrscht zu haben, was auch um so begreiflicher ist. da die Thätigkeit sich mehrentheils nach aussen richtete. In der äussern Politik traten sich aber bald verschiedene Richtungen entgegen, was natürlich auf die innern Verhältnisse auch Rückwirkungen haben musste. Zwar ging das Bestreben aller drei grossen Staatsmänner jener Zeit darauf aus, Athen mächtig zu machen, allein in verschiedener Weise. Themistokles wollte es auf jede Art zur ersten Macht in Griechenland erheben, gleichviel ob er es mit den übrigen Griechen verfeindete oder nicht; Spartas Groll, der Bundesgenossen Unterdrückung galten ihm nichts. Wie rücksichtslos er in der Wahl der Mittel war , beweist jene Erzählung von seinem Plan, die Flotte der übrigen Griechen in Brand zu stecken, die ich nicht für eine reine Erfindung halten kann 32). Er war ein Mann, wie sie nöthig sind, um in ausserordentlichen Zeiten der Noth und Bedrängniss einen Staat zu erretten; für ruhigere Verhältnisse war er zu rücksichtslos und gewaltthätig. Aristeides und Kimon dagegen, eben so eifrig für Athens Grösse, wollten diese verbinden mit einem freundschaftlichen Verhältnisse zu den übrigen griechischen Staaten und billiger Behandlung der Bundesgenossen. Diese Verschiedenheit musste sie bald einander gegenüber stellen. Der ältere Aristeides zwar scheint bald etwas zurückgetreten zu sein, nicht weil er weniger geehrt war 33), denn wir finden ihn auch noch nachher in hohem Ansehen in Athen, sondern wohl darum, weil ihm die heftigen Parteizwiste nicht mehr zusagen mochten, Kimon aber tritt nun dem Themistokles entschieden entgegen, und in ihm erscheint die gemein-hellenische Politik gegenüber der einseitig-athenischen des Themistokles vertreten. Bezeichnend

ist in dieser Hinsicht, dass Kimon mit drei der bedeutendsten Staaten in Proxenie stand und drei Söhne nach diesen Staaten benannte, Lakedaimonios, Thessalos, Eleios 34) . Sofern nun unter den übrigen Staaten Griechenlands Sparta immer der mächtigste blieb, die hellenische Politik sich also hauptsächlich im Verhältniss zu Sparta darstellt, vertritt Themistokles die Sparta feindliche Partei, Kimon wird ein Lakonenfreund. Obgleich namlich unmittelbar nach dem Perserkrieg Themistokles von den Spartiaten geehrt worden war, wie niemals ein Fremdling, so lud er doch bald darauf durch die schlaue Weise, wie er die Befestigung Athens gegen den Willen Spartas durchsetzte, dessen unversöhnlichen Groll auf sich, während das Erringen der Hegemonie durch Aristeides und Kimon diesen durchaus keinen persönlichen Hass von Seite Spartas zuzog; offenbar ein Beweis, dass das Aufgeben derselben sie nicht so sehr schmerzte. Da nun aber die Bundesgenossenschaft zwischen den beiden Städten noch nicht aufgelöst war und im Ganzen noch freundschaftliche Beziehungen zwischen ihnen bestanden, so hat Spartas Vorliebe und Rücksicht für Kimon diesen damals noch selbst in den Augen der eigenen Mitbürger gehoben 35). Dieser Gegensatz in der äussern Politik musste sich nun freilich auch in der innern in gewisser Weise geltend machen, und da wird uns die Stellung des Themistokles als die demokratische, die des Kimon als die aristokratische bezeichnet 36). Das darf man nicht so verstehen, als ob der Eine eine bestimmte demokratischere Gestaltung der Verfassung erstrebt hätte, der Andere aristokratische Einrichtungen hätte neu einführen oder zurückführen wollen, sondern es bezeichnet nur den ganzen Geist ihrer Verwaltung; Themistokles, um Athen schnell zum Höhenpunkte der Macht zu heben, förderte eine unbeschränkte, rastlose Thätigkeit der Massen, vorzugsweise des Schifffahrt und Handel treibenden Theils der Bevölkerung, wodurch natürlich der ruhige herkömmliche Gang vielfach gestört, die bisherige Weise des Lebens mannichfach erschüttert wurden,

Athen bei den übrigen Staaten durch seine Neuerungslust (ν) Unruhe und Argwohn erregen musste. Kimon wie bereits Aristeides, strebte dagegen, die bisherigen Lebensverhältnisse und Gewohnheiten, Sitten und Gesetze möglichst zu erhalten und durch ruhige Entwicklung auch den übrigen Staaten die Gewähr gegen gewaltthätige Übergriffe zu geben. Es stellt sich schon jetzt die durch die ganze Geschichte Athens gehende Thatsache heraus, dass die demokratische Partei, die im Innern schrankenlose Entwicklung aller Kräfte, unbedingte Freiheit des Individuums wollte, nach aussen jede Rücksicht gegen die Stammesbrüder ausser Augen setzte, und die Bundesgenossen unter strenge Herrschaft zu bringen trachtete, die aristokratische dagegen, die im Innern einen ruhigern Gang wollte, ein lebendigeres Gefühl für die Gemeinschaft mit den andern hellenischen Staaten hatte und darum eine schonendere, weniger egoistische Politik befolgte 37). Noch war aber damals diese sogenannte aristokratische Richtung keineswegs dem athenischen Volksgeiste fremd oder gar entgegengesetzt 38), sondern entsprach dem grössten Theil der Bevölkerung. Das zeigte der Erfolg. Noch bestand das athenische Volk zum grossen Theil aus jenen derben, kräftigen, dem spätern beweglichen, zungenfertigen Geschlechte wohl auch plump und altfränkisch erscheinenden Marathonshelden, welche zu den peloponnesisch-dorischen Staaten noch keineswegs den Gegensatz bildeten, wie er später eintrat, und in denen alte Sitte und alter Glaube und das gemein-hellenische Bewusstsein lebhaft vorhanden waren. Bei ihnen fand Kimons Persönlichkeit Anklang, während der rücksichtlose Themistokles in seiner Geltung sank. Neben der politischen Richtung schadeten diesem letztern vorzugsweise auch einige unläugbare Schwächen, welche sich in dem Charakter dieses ausserordentlichen Mannes finden. Denn wiewohl man sehr Unrecht thun wurde, ihm Bestechlichkeit in dem Sinne beizulegen, dass er sich für Geld je zu einer Handlung gegen seine Überzeugung hatte bewegen lassen, so war doch seine Habsucht

und seine oft zum Geiz gesteigerte Liebe zum Geld eine unbestrittene Thatsache 39), die um so greller hervor trat, je fleckenloser in allgemein anerkannter Uneigennützigkeit Aristeides dastand, je freigebiger und glänzender Kimon von seinen auf erlaubtem Wege gewonnenen Reichthümern Gebrauch machte. Nicht Wenige beleidigte aber auch sein grell hervortretendes Selbstgefühl. Kein Wunder also, dass die beiden Männer in öffentlichen Conflikt kamen, den das gesetzliche Mittel des Ostrakismos, das in spätern Zeiten ganz verkannt worden ist, entscheiden musste. Die Politik der beiden Männer konnte nicht mehr neben einander gehen und so erlag Themistokles den Angriffen des Kimon und anderer Männer der Partei, er wurde exostrakisirt und nahm seinen Aufenthalt in Argos 40) . Wenn nun auch an Aristeides gerühmt wird, dass er an diesem Kampfe der Parteien keinen Antheil nahm, so ist doch dem Kimon durchaus kein Vorwurf zu machen, gerade so wenig als später dem Perikles zu verargen war, dass er den Kimon und nach ihm den Thukydides entfernte. Er befolgte ein durchaus gesetzmässiges Verfahren, das dem Gestürzten keine Schande oder Unehre brachte. Ja ich glaube behaupten zu dürfen, dass für einen Staatsmann ersten Ranges in einer auf einen kleinen Raum beschränkten Republik es viel weniger demüthigend sein konnte, ausser Landes leben zu müssen, als zu Hause ohnmächtig und gering geschätzt dem Walten seiner siegreichen Gegner zuzusehen. Das aber Kimon zur Erreichung seines Zieles irgendwie unedle Mittel in Anwendung gebracht hätte, berichtet Niemand. Die Exostrakisirung des Themistokles also dürfen wir billiger Weise nicht tadeln. Weniger klar ist Kimons Benehmen in dem bald darauf erfolgenden Processe des Themistokles. Nachdem nämlich Pausanias in Sparta des Verrathes überführt, seine Schuld mit dem Tode gebüsst hatte, veranlassten die Spartiaten in Athen eine Anklage gegen Themistokles als Theilnehmer an jenem verbrecherischen Unternehmen. Bei dieser Anklage scheint Kimon nicht unbetheiligt gewesen zu

sein, da sie von den Freunden Spartas und speciell von Leobotes, dem Sohne Alkinaions, der zu Kimons Partei gehörte, ausging. Indessen wird Kimons Name nicht genannt und es wäre möglich, dass er während des Processes als Feldherr von Athen abwesend gewesen wäre, auch lässt sich nicht läugnen, dass gegen Themistokles Indicien vorlagen, die eine Untersuchung entschuldigten. Denn wiewohl er unschuldig war, so hatte er doch von Pausanias Unternehmen gewusst, und durch seine früheren Unterhandlungen mit Xerxes dem Argwohn Stoff gegeben, den seine Flucht nach Persien nicht tilgen konnte. So können wir bei unbefangener Betrachtung der Sachlage seine Verfolgung uns leicht erklären, ohne bei den Gegnern unlautere Motive vorauszusetzen 41). Dagegen erscheint unedel und Kimons unwürdig sein Verfahren gegen Epikrates, den Freund des Themistokles, wie es erzählt wird. Dieser hatte heimlich des Themistokles Frau und Kinder aus Athen dem Flüchtigen zugeführt. Kimon soll ihn darum angeklagt und seine Verurtheilung zum Tode bewirkt haben. Wenn diese Nachricht in dieser Weise wahr ist, so wirft sie einen unaustilgbaren Flecken auf seinen Namen, den man durch Parteiverblendung erklären, aber nie rechtfertigen kann. Verschweigen wir indes nicht, das die ganze Geschichte nur auf der Autorität des dem Kimon besonders feindselig gesinnten Stesimbrotos von Thasos beruht, der in der Erzählung von Themistokles letzten Schicksalen offenbare Unwahrheiten berichtet. Es ist, wenn anders der Nachricht ein wahres Faktum zu Grunde liegt, höchst wahrscheinlich, dass Epikrates der Theilnahme an verrätherischen Umtrieben angeklagt wurde, die nach Themistokles Flucht nun erwiesen schienen, und für diese Theilnahme mochte das Wegschaffen der Familie des Themistokles, vielleicht auch von Geldern, die dem Staate verfallen waren, als Beweis gelten 42).

Durch die Entfernung des Themistokles (etwa 474) war nun Kimon, da auch der alternde Aristeides zurücktrat, zur höchsten Macht, zur Leitung von Athens Angelegenheiten emporgestiegen,

ohne dass in den ersten Jahren eine bedeutende Opposition bemerkt wird, zum klaren Beweise, dass in dieser Zeit er der wahre Vertreter seines Volkes war. Jetzt entwickelt er in vollem Masse seine äussere Politik, freundschaftliches Vernehmen zu Sparta, Kräftigung der attischen Bundesgenossenschaft mit möglichster Schonung der Bundesstaaten, und Krieg gegen Persien. Den Einfluss Athens auf die Bundesstaaten verwehrte er hauptsächlich dadurch, dass während andere Feldherrn streng auf Erfüllung der Bundesleistungen gehalten hatten, er ihnen gestattete sich davon loszukaufen. Vielen kleinern Staaten nämlich wurde die nach Aristeides Anordnung übernommene Kriegspflicht jetzt, da sie vor persischem Drucke sich sicher glaubten, lästig, aus Bequemlichkeit stellten sie ihre Contingente zur Bundesflotte nur lässig. Kimon erlaubte ihnen, statt der Schiffe einen entsprechenden Geldbeitrag zu geben 43). Dadurch wurde Athen in den Stand gesetzt, selber mehr Schiffe zu bauen und die Bundesflotte mehr und mehr zu einer athenischen umzuwandeln. die Bundesgenossen selbst kamen unvermerkt in das Verhältniss tributpflichtiger Unterthanen 44) und sahen sich zu spät der Mittel beraubt, ihre Freiheit gegen Übergriffe Athens zu vertheidigen. Da die Bundesgenossen selber es so wollten, Athen aber ohne auf Sicherheit gegen Persien und seine ganze Grösse zu verzichten, die ihm freiwillig übertragene Hegemonie unmöglich aufgeben konnte, so bleibt Kimons Verfahren unter den gegebenen Umständen immerhin das klügste und schonendste, um so mehr als er in seinen persönlichen Berührungen überall Milde und Freundlichkeit ausübte. Freilich war auch so Unzufriedenheit nicht zu vermeiden, da die einzelnen Staaten am liebsten ganz unabhängig gewesen wären und jede Unterordnung bei dem Streben nach Particularismus den Griechen lästig schien. Daher denn öfters Abfall vom Bunde und den konnte und durfte Athen nicht ungestraft lassen. So wurde zuerst Athen in Krieg 45) mit Karystos auf Euböa verwickelt und nicht lange nachher fiel Naxos (473?) ab. Beide

wurden mit Waffengewalt bezwungen und Naxos, die schönste der Kykladen zuerst unter allen Bundesstädten in eigentliche Unterthänigkeit gebracht. Wiefern Kimon selbst bei diesen Ereignissen betheiligt war, wird nicht berichtet. Dagegen benutzte er nun die Macht, die Athen zu Gebote stand, gegen die Perser. Diese hatten sich von den in Griechenland erlittenen Niederlagen allmählig wieder erholt. Die Schicksale des Pausanias und die Flucht des Themistokles nach Asien schienen die Hellenen ihrer besten Feldherrn beraubt zu haben, Persien hatte die Schwächen der Gegner kennen gelernt, so gut als Pausanias waren andere hochstehende Männer zu gewinnen, die Bundesgenossen Athens bereits nicht mehr für den neuen Zustand begeistert, sondern schwierig und zum Abfall geneigt. Alle diese Umstände erklären uns, das damals Persien noch einmal den Gedanken fasste, den Krieg gegen Griechenland zu unternehmen, wenigstens die verlorenen griechischen Staaten in Asien wieder zu erobern, die noch schwankenden entschieden zu behaupten. Starke Heeresmassen zu Wasser und Lande sammelten sich unter mehreren Feldherrn an der Südküste Kleinasiens 47). Cypern, das nie vollständig von den Persern geräumt worden war, scheint wieder ganz in ihre Hände gefallen zu sein 48), und auf dem Thrakischen Chersonese, der Brücke nach Europa, fassten sie wieder festen Fuss. Diesmal liessen die Athener es aber nicht mehr darauf ankommen, erst im eigenen Lande eine Entscheidungsschlacht zu liefern. Kimon kam einem Angriffe zuvor, mit einer Flotte von 200 49) trefflichen Schiffen segelte er (469) nach Kleinasien, reinigte die Küste von den Feinden, eroberte mehrere Städte und ging der in der Nähe von Aspendos an der Mündung des Flusses Eurymedon in Pamphylien sich sammelnden feindlichen Macht entgegen. Noch war diese nicht ganz concentrirt, doch an Zahl der athenischen Flotte weit überlegen, indem die Angaben zwischen 350 und 600 Schiffen schwanken. Der Feldherr Tithraustes wollte der Schlacht ausweichen, bis er noch 80 phönizische Schiffe, die von Cypern

heransegelten, an sich gezogen hätte, und zog sich daher ungeschickter Weise in die Mündung des Eurymedon, wo ihm die überlegene Zahl nichts nützen konnte. Kimon griff ihn hier an und siegte nach kurzem Kampfe so entschieden, dass er gegen 200 Trieren zerstörte oder eroberte 50), Der grösste Theil der geschlagenen Mannschaft warf sich ans Land und vereinigte sich mit dem hier aufgestellten Heere. Kimon aber liess trotz der Ermüdung seiner Leute dem Feinde keine Zeit sich vom Schrecken zu erholen; er schiffte seine Krieger aus, griff die Perser auch auf dem Lande an, und errang auch hier nach langem und hartnäckigem Widerstande einen vollständigen Sieg. Das ganze persische Lager mit unermesslicher Beute fiel in die Hände des Siegers. Dieser aber begnügte sich damit noch nicht, sondern ging nun rasch der phönizischen Flottenabtheilung entgegen, welche ohne etwas von dem Vorgefallenen zu wissen, bei dem Orte Hydros 51) stand. Auch sie wurde überrascht und zerstreut. Der Zweck des Feldzugs war erreicht, eine neue Unternehmung der Perser vereitelt, Griechenland für lange Zeit von dieser Seite gesichert, mit Beute beladen zog Kimon nach Athen zurück, wo er, der gefeiertste Held, von allen Seiten mit Wohlwollen und Bewunderung empfangen wurde. Den Schrecken, der ganz Asien erfüllte, die Sicherheit, welche in der nächsten Zeit die griechischen Staaten in Kleinasien genossen, wurden Veranlassung, dass spätere Geschlechter glaubten, es sei damals ein für Persien schmählicher Friede abgeschlossen worden, der unter dem Namen des Kimonischen in die Geschichtsbücher übergegangen ist 52).

Nach der Heimkehr vom Enrymedon war dem Feldherrn noch eine ungewöhnliche Ehre zu Theil geworden. An dem Dionysosfeste, das damals gefeiert wurde, war nämlich dem längst berühmten Aeschylos gegenüber als Preisbewerber der jugendliche Sophokles aufgetreten und die Theilnahme der Athener an diesem Wettkämpfe so gross, das der vorsitzende Archon anstatt die gewöhnlichen Kampfrichter zu bestimmen,

den Kimon und seine Mitfeldherrn ersuchte, das Amt zu übernehmen. Sie sprachen dem Sophokles den Sieg zu, der hinfort über 60 Jahre lang die athenische Bühne mit Werken seines Geistes schmückte 53).

Bald darauf (468) 54) vollendete Kimon die Befreiung Europas durch die Eroberung des Chersoneses, aus dem er die durch Thrakier verstärkten Perser vertrieb, sei es, dass sie was kaum glaublich, sich fortwährend dort behauptet hatten, oder, was das wahrscheinlichere, zugleich mit den grossen neuen Rüstungen dort wieder Fuss gefasst hatten. Dieser fur die Beherrschung der Schifffahrt nach dem Propontis und dem schwarzen Meere höchst wichtige Landstrich wurde den Athenern jetzt bleibend gesichert, das ehemalige Fürstenthum des Miltiades wurde durch Kimon Besitzthum des athenischen Volks. Nicht minder als durch seine Siege machte Kimon sich aber auch im Innern um seine Vaterstadt verdient, weckte aber vielleicht unbewusst den demokratischen Geist mehr als seine Absicht war. Die Reichthümer, die er selber gewonnen, liess er seine Mitbürger aufs Freigebigste mitgeniessen. Bekannt ist, wie er keim Ausgehen immer Diener bei sich zu haben pflegte mit Kleidern und Geld, um ärmliche ältere Bürger besser zu kleiden, andern Dürftigen kleine Unterstützungen darzureichen. Von seinen Landgütern liess er die Umzäunungen wegreissen, damit Fremde und Bürger nach Belieben von den Früchten sich nehmen könnten, und in seinem Hause war täglich offene Tafel für alle seine Gaugenossen 50), denen er so die Möglichkeit gewähren wollte, unbesorgt an den Staatsgeschäften Theil zu nehmen. Seine grossartige Freigebigkeit und Gastlichkeit wurden sprichwörtlich, und treffend sagte von ihm der Rhetor Gorgias, er habe nur Geld erworben um es zu gebrauchen, gebraucht um geehrt zu werden. Selbst die Komödie pries ihn als den gastfreundlichsten von allen Hellenen und als einen göttlichen Mann 56). Und in nicht weniger zweckmässiger und grossartiger Weise wurde die reiche Beute, welche die Siege in die Staatskasse gebracht hatten,

auf seine Veranstaltung verwendet, zur Befestigung und Verschönerung der Stadt. Er liess den Markt mit Platanen bepflanzen, er schuf die Akademie, bisher einen sonnigen, dürren Ort zu dem schönsten Gymnasium mit reichlich bewässertem Lusthaine und schattigen Spaziergängen um, er liess auf der Südseite der Stadtburg, wo die Befestigungen fehlten oder verfallen waren, eine mächtige Mauer aufführen, die fortan den Namen der Kimonischen trug, und er endlich soll den Grund zu jenem staunenswerthen Bau der langen Mauern gelegt haben, welche Athen zu einer Seestadt machten. Den Plan zu diesem Werke hatte allerdings, nachdem seine Absicht, die ganze Stadt an die Küste, zu verlegen gescheitert war, Themistokles gefasst. Durch den Anfang der Ausführung hat aber Kimon auch hier wieder bewiesen, dass er aufrichtig auf den von seinem grossen Gegner gelegten Grundlagen der Grösse von Athen fortbaute. Und darf man sich wohl wundern, wenn er, den wir meistentheils an der Spitze von Flotten sehen, der nebst Themistokles der eigentliche Gründer der athenischen Seemacht ist, auch bemüht ist, die Stadt unmittelbar mit der See zu verbinden und so gegen jeden Angriff vom Lande zu sichern? Wenn später eine kleine oligarchische Faktion diesem Werke feindlich ist, so dürfen wir daraus keinen Schluss auf Kimons Gesinnung ziehen, sondern müssen umgekehrt das daraus abnehmen, dass jene Partei ganz andere Zwecke verfolgte als er 56).

Bei allen diesen Verdiensten blieb aber Kimons Stellung nicht fortwährend unangefochten. Es lag in der Natur der athenischen Verhältnisse, das sich eine Gegenpartei wider ihn erheben wusste, welche bald um so mehr Boden gewann, als er auf seinen Feldzügen viel von Hanse abwesend war. Die erste Veranlassung zu entschiedenem Auftreten der Opposition gab der thasische Krieg. Das Bestreben der Athener sich an der thrakischen Küste festzusetzen, die durch ihren Reichthum an Bauholz und Metallen von grosser Wichtigkeit war und eine Reihe blühender Städte zählte, hatte Streitigkeiten mit

den Thalern herbeigeführt, welche gegenüber ihrer Insel im Besitz von ergiebigen Goldbergwerken waren. Bisher selbstständige Bundesgenossen von Athen fanden sie sich durch dessen Übergriffe verletzt und traten aus dem Bunde oder fielen ab, nicht ohne Hoffnung auf spartanische Hülfe. Die Athener boten Allem auf um die mächtige Insel zum Gehorsam zurückzuführen. Aber erst im dritten Jahre gelang es dem Kimon, sie zur Übergabe zu zwingen, sie musste ihre Mauern schleifen, die Schiffe ausliefern, die Kriegskosten zahlen, alle Besitzungen auf dem Festlande aufgeben und hinfort Tribut entrichten 57) .

Trotz dieses Sieges wurde Kimon gerade jetzt zum ersten. mal offen angegriffen. Der früher Athen befreundete König Alexander von Makedonien, der natürlich durch die Ausdehnung der athenischen Herrschaft über seine Küsten beunruhigt sein musste, schien nämlich die Thaler begünstigt zu haben. Nun warf man dem Kimon vor, er habe Gelegenheit gehabt, dem Könige ein Stück seines Landes zu entreissen 58), sich aber durch Geschenke davon abhalten lassen. Es wurde eine Anzeige gegen ihn beim Volke gemacht, und dieses gab so weit Gehör, dass es Ankläger bestellte, um den Process im ordentlichen Wege vor den Gerichten zu führen 59) . Sie klagten auf den Tod. Mit edlem Selbstbewusstsein trat der Beschuldigte der Gefahr entgegen und wies auf seine bisherige anerkannte Uneigennützigkeit hin. Der gefürchtetste unter den Klägern selbst, Perikles, sei es aus Überzeugung von Kimons Unschuld oder aus Rücksicht auf seine sonstigen Verdienste, sprach nur so viel, als er der Form nach musste 60). Der Angeklagte wurde freigesprochen, und es ist kein Grund vorhanden, irgend an seiner Unschuld zu zweifeln.

Allein obgleich er fleckenlos ans dem Processe hervorging, so bildet derselbe dennoch für seine politische Stellung ein bedeutendes Moment. Während seit der Verbannung des Themistokles er fast unbeschränkt den Staat geleitet hatte, war hier die Gegenpartei, welche sich allmählig gebildet, zum

erstenmal hervorgetreten. Das Streben dieser Partei ging darauf hin, im Innern die demokratische Entwicklung auf jegliche Weise zu fördern, den sämmtlichen Bürgern nicht allein die Berechtigung zu geben, an allen Ämtern des Staates Theil zu nehmen, sondern auch die Möglichkeit dieses Recht im weitesten Umfang auszuüben durch Entschädigung aus dem öffentlichen Schatze für jeglichen Zeitverlust bei Ausübung desselben, endlich jede Schranke die der Äusserung des neuen Geistes noch in der Verfassung entgegenstand zu brechen . Nach aussen dringt diese Partei auf unbedingtes Geldmachen der Macht Athens sowohl gegen die Bundesgenossen als die übrigen Hellenen. Es stellt sich das dar in immer schärferer Ausbildung der Herrschaft über die Bundesgenossen, deren Beiträge man zu den Bedürfnissen des athenischen Staates, ohne Rücksicht auf ihre ursprüngliche Bestimmung verwandte, und in Unterstützung der demokratischen Partei in den einzelnen verbündeten und nicht verbündeten Staaten. Daraus ging von selbst ein entschiedener Gegensatz zu Sparta hervor, das die altaristokratischen Zustände schlitzte. Es tritt also diese Partei so ziemlich in die Fussstapfen des Themistokles, nur dass manches, was bei diesem noch unentwickelt gewesen war, jetzt in bestimmten Formen sich gestaltet. Ihr schloss sich der jüngere Theil der Bevölkerung an, in welcher das Bewusstsein eines gemeinsamen Hellenenthums bereits weniger wurzelte, um so lebhafter aber das Gefühl der Eifersucht gegen Sparta sich regte. Den Mittelpunkt bildete die Genossenschaft 61) (Hetairie) des Perikles, des Sohns des Xanthippos. Dieser Mann vereinigte in sich das Genie des Themistokles mit der sittlichen Grösse des Aristeides, gehoben noch durch die höhere Bildung seiner Zeit, in ihm verkörperte sich der athenische Volksgeist in seiner schönsten Gestalt und darum ist es ihm möglich geworden, etwa 40 Jahre lang thätig in die Geschicke seiner Vaterstadt einzugreifen, fast dreissig Jahre lang sie zu leiten. Neben ihm stand Ephialtes, der Sohn des Sophonides, ein Mann

dem auch von seinen Gegnern das Lob der reinsten Unbestechlichkeit und des redlichen Willens nicht versagt wurde, der aber durch den leidenschaftlichen Eifer, mit dem er die demokratischen Pläne seiner Partei betrieb, ganz besonders den Hass der andern auf sich zog. Er pflegte mit den Vorschlägen hervorzutreten, welche die Genossenschaft entworfen hatte, und so lange diese noch in der Opposition stand, wird sein Name bei den Hauptschlägen mehr genannt, als der des ruhigern und selten öffentlich auftretenden Perikles, der seine ganze Grösse erst entwickelte, als er nach Überwindung der Gegenpartei das Staatsruder in den Händen hatte und positiv wirken konnte. Diese Partei also, welche etwa um die Zeit der Schlacht am Eurymedon feste Gestalt gewonnen haben mag, hat sich durch Kimons Anklage zuerst versucht und zwar mit Erfolg. Dass das Volk die Anklage beschloss, beweist ihre Stärke, und dass der Feldherr freigesprochen würde, mochte bei Perikles Benehmen als ein Beweis ihrer Mässigung gelten und ihr moralisches Gewicht nur verstärken.

Kimons Stellung ist nun also fortan natürlich durch die Partei des Perikles und Ephialtes bedingt 62). Während er bis jetzt seine oben geschilderte Politik einer mit möglichster Schonung des Bestehenden verbundenen Entwicklung befolgt hatte, stemmt er jetzt mit aller Entschiedenheit sich den Forderungen der Perikleischen Partei entgegen und sofern diese immer weitere Entwicklung der Demokratie will, wird seine Richtung jetzt viel mehr als früher autokratisch, sofern sie gegen Sparta immer feindlicher auftritt, gestaltet sich sein Bestreben, die Freundschaft mit diesem Staate zu erhalten, als Lakonismus. Diese Richtung hat er keineswegs etwa, durch seinen Process eingeschüchtert, nur leise hervorblicken lassen, sondern dadurch eher gereizt als geschreckt, seine Neigung offen und ohne Scheu zu Tage getragen. Namentlich hat er jetzt seine Vorliebe für den einfachen und besonnenen Charakter der Spartiaten in einer Weise geäussert, die manchen seiner Mitbürger verletzen mochte 63) . Auch darf man

seine Macht, nachdem er den Process gewonnen hatte, nicht zu gering anschlagen: er war noch entschieden der erste Mann aber bedroht von einer gefährlichen Gegenpartei, deren Anstrengungen täglich stiegen und die vielleicht von ihm nicht so hoch angeschlagen wurde als sie verdiente. Zunächst entbrannte der Kampf bei Anlass der äussern Politik. Bald nämlich nach dem Abfalle von Thasos war Sparta durch ein furchtbares Erdbeben verwüstet worden (405)64) und seine Unterthanen die Heloten hatten die Gelegenheit zu einem Aufstande benutzt. In dem ebenen Lande bald besiegt, warfen sie sich in die messenische Bergfeste Jthome. Die Spartaner, denen die Eroberung nicht gelang, riefen die Athener, weil sie mehr Erfahrung in der Belagerungskunst besassen, zu Hülfe 65) . Da traten sich in der Volksversammlung die beiden Parteien entgegen. Ephialtes beantragte, das Gesuch der Spartiaten rein abzuschlagen, er beschwor die Athener, der gedemüthigten Stadt nicht zu helfen, sondern die sonst so stolze Nebenbuhlerin ihrem Geschicke preiszugeben. Kimon dagegen, der sein Vaterland über Attikas Gränzen ausdehnte und eingedenk der seit den Mederzeiten her bestehenden Bundesgenossenschaft 66) sprach für Gewährung, denn man dürfe nicht zugeben, dass Hellas hinkend werde. Noch war sein Einfluss so gross, noch das Bewusstsein einer hellenischen Volksgemeinschaft so lebendig, dass das athenische Volk ihm beistimmte. Kimon führte viertausend Schwerbewaffnete über den Jsthmos durch das korinthische Gebiet 67) vor Jthome. Hier aber erregte der demokratische neuerungslustige Sinn der Athener bald den Argwohn der Spartiaten. Da die Belagerung überdies nicht so schnell zu einem Ziele führte, als sie erwartet hatten, entliessen sie die Athener wieder nach Hause, unter dem Vorwande, ihrer weiter nicht zu bedürfen. Diese Beleidigung ertrugen die Athener nicht ruhig, vielmehr gaben sie jetzt die alte Bnndesgenossenschaft mit Sparta auf 68) und verbanden sich mit den Feinden desselben, den Argeiern und Thessalern. Der ganze Unwille des Volks traf aber den Kimon, dessen

besonnene hellenische Politik jetzt den Leidenschaften des athenischen Volks erlegen war. Indessen scheint er unmittelbar nach der Rückkehr aus Lakonien noch einen gewissen Einfluss behauptet und bald darauf noch eine Flotte in die See geführt zu haben 69). Deutet doch selbst die Absendung einer grossen Macht nach Ägypten zur Unterstützung des gegen Persien ausgestandenen Inaros auf Befolgung seiner Politik. Allein während seiner Abwesenheit richtete nun die demokratische Partei unter Ephialtes ihre Angriffe auf den ehrwürdigen Areopag und brach dessen Macht, die allein noch der unumschränkten Leitung des Volkes durch Demagogen im Wege stand 70) . Diese Neuerung verletzte den Kimon in seinem Innersten; die Würde des Staates schien ihm und der ganzen Partei der ältern Generation beschimpft. Wie ernst diese die Sache nahm, zeigt uns am deutlichsten die herrliche Tragödie des Äschylos, die Eumeniden, in denen Beeinträchtigungen dieses alten Gerichtshofes und Rathes als ein sündhafter an den Göttern geübter Frevel dargestellt werden. Die Würde und Macht des Areopags wieder herzustellen, strengte nun Kimon alle Kräfte an, ja er soll darauf ausgegangen sein, die Verfassung des Kleisthenes wieder herzustellen, was indess wohl auf unrichtiger Auffassung beruht 71. Dass er dabei irgend ein ungesetzliches Mittel sich erlaubt, ist nicht glaublich, wenn man nicht eine sehr undeutliche Stelle eines Redners hieher ziehen will 72). Allein der Parteikampf wurde so heftig, dass eine Entscheidung für Athen nothwendig wurde und Kimons Anwesenheit der Gegenpartei nicht mehr erträglich schien. Da sie jetzt die Mehrheit besass, wandte sie den Ostrakismos an, er musste Athen verlassen, das nun auf einmal eine ganz entgegengesetzte Politik verfolgte. Denn jetzt bricht die lang verhaltene Eifersucht gegen Sparta und die aristokratischen Staaten des Feuerlandes in helle Flammen aus. Ein blutiger Krieg, in dem Sparta seine Hegemonie auf dem griechischen Festlande neu zu befestigen, Athen seine Herrschaft auch hier zu begründen trachtet, beginnt. Der

Parteihass steigert sich auch in den Einzelstaaten aufs höchste, In Athen tritt eine äusserste volksfeindliche Partei, jetzt wo die verfassungsgemässe Opposition durch Kimons Entfernung gebrochen war, mit den Feinden in Verbindung 73). Die Annäherung eines lakedaimonischen Heeres stand im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Sturze der Demokratie. Ephialtes wurde nächtlicher Weile ermordet, und während die einen die That der lakonischgesinnten Partei zuschrieben, ging anderseits die Leidenschaft so weit, das selbst Perikles derselben beschuldigt wurde 74). Ein starkes athenisches Heer rückte dem Feinde an die Gränze entgegen. Da stellte sich unerwartet Kimon bei dem Heerhaufen seines Stammes, um in dieser Noth der Vaterstadt auch gegen Sparta seine Hülfe zu bringen. Es wurde ihm, dem Verbannten, die Gunst nicht gewährt, er musste sich entfernen 75); seine treusten Genossen aber, von ihm zu heldenmüthiger Aufopferung ermahnt, nahmen seine Waffenrüstung in die Mitte und fielen alle, hundert an der Zahl, den Heldentod in der blutigen Schlacht bei Tanagra (458 oder 457), indem sie sich so aufs schönste von dem Verdachte verrätherischer Verbindung mit dem Feinde reinigten. Wahrscheinlich hatte man das, was nur von einer kleinen Faktion ausging, mit Unrecht der ganzen ehemaligen Kimonischen Partei zur Last gelegt. Dies edle Benehmen und die Erinnerung an Kimons kriegerische Tüchtigkeit, auch an seinen Einfluss in Sparta machte, dass er nach fünfjähriger Entfernung aus der Heimath schon zurückberufen wurde, Perikles selbst brachte den Antrag vor das Volk 76). So kehrte er allgemein geehrt wieder nach Athen zurück. Er hat aber fortan, so weit wir urtheilen können, nicht mehr in die innere Politik seiner Vaterstadt eingegriffen, dagegen nach aussen ihr die glänzendsten Dienste geleistet, seinen frühern Bestrebungen getreu. In den Kämpfen mit den hellenischen Staaten zwar wird sein Name bei keiner der Waffenthaten genannt, durch die ein Perikles, Myronides, Tolmides ihre Namen unsterblich machten; vielmehr wurde ihm das schöne Loos zu Theil,

seinen Waffenruhm nicht an die Kämpfe mit den Bruderstaaten zu knüpfen. Dagegen ist es ihm gelungen (451), den Krieg durch einen fünfjährigen Waffenstillstand mit Sparta zu beendigen, und trotz der glänzenden Erfolge, welche die Athener errungen hatten, war ihnen, wie den Spartanern diese Erholung sehr erwünscht. Kimon steht noch einmal in dem ersten Range eines Vorstehers des athenischen Staates neben Perikles, jetzt aber nicht mehr feindlich, sondern in friedlichem Vereine, so dass Perikles die innern Verhältnisse, Kimon die äussern leitet. Denn mag nun die Nachricht, dass darüber vor seiner Zurückberufung ein förmlicher Vertrag zwischen den beiden Männern zu Stande gekommen sei, wahr sein oder nicht, faktisch verhielt es sich so 77). Offenbar war eine Verständigung viel leichter, seitdem der heftige Ephialtes nicht mehr da war. Um nun aber den Thatendrang der Athener zu befriedigen, ohne von neuem Krieg mit den Stammgenossen zu beginnen, wandte Kimon noch einmal die hellenischen Streitkräfte gegen Persien. Wie oben erwähnt, war bereits früher eine grosse Flotte gegen diese nach Ägypten abgegangen, um dies Land in seinem Aufstande gegen Persien zu unterstützen, Diese ganze athenische Flotte war von den Persern vernichtet worden, Ägypten wieder unterworfen, Cypern wieder unter persische Herrschaft gebracht. Nach jenen Gegenden, wo er schon früher siegreich die Hellenen befehligt hatte, richtete Kimon noch einmal den Blick. Und als Athen sich einigermassen von den Anstrengungen des Krieges erholt hatte, führte er 449 zweihundert Schiffe der Athener und Bundesgenossen nach Cypern, entsandte von da sechzig zur Unterstützung des Amyrtäus, eines ägyptischen Fürsten, der sich noch immer in den Niederungen des Delta gegen die Perser behauptete, und belagerte nach glücklichen Gefechten mit dem Feinde mit den übrigen die Stadt Kition. Allein schon vor der Abfahrt aus Athen hatten bedeutungsvolle Zeichen auf sein herannahendes Ende gewiesen, eine Gesandtschaft, die er zu Ammon schickte, erhielt die Antwort, sie möge nur wieder

gehen, denn schon sei Kimon selbst bei dem Gotte. In der That war er an demselben Tage an einer Krankheit oder den Folgen einer Wunde gestorben 78). Aber noch im Tode führte er das Heer zum Siege, durch den Glanz seines Namens. Nach seinem eigenen Rathe nämlich verheimlichten die Athener, dass er gestorben sei, und verliessen ihre Stellung vor Kition, wo sie Mangel an Lebensmitteln zu fühlen begannen. Auf der Höhe der Stadt Salamis trafen sie auf die phönizisch-kilikische Flotte, schlugen sie, und griffen den Feind mit ebensoviel Erfolg auf dem Lande an 79) . Des Feldherrn aber beraubt, der allein die Unternehmung zu leiten verstand, verfolgten sie die Siege nicht weiter, sondern kehrten vom Feinde nicht beunruhigt, nach der Heimat zurück. Es war der letzte Kampf, den Athen gegen Persien führte, die Versuche, das persische Reich zu erschüttern, ruhen hinfort, ohne Zweifel nicht in Folge eines geschlossenen Friedens, sondern weil die nähern hellenischen Angelegenheiten bald die Kräfte vollauf in Anspruch nahmen und Perikles allen weitern Unternehmungen von zweifelhaftem Erfolge abgeneigt war.

So also endigte Kimon sein Leben im Dienste für das Vaterland, dem er es von früh an gewidmet hatte. Der Blick auf dasselbe macht auf den Beschauer einen wohlthätigen Eindruck, den nur ganz einseitige Betrachtung trüben kann. Seine Verdienste um Athen und Griechenland sind gross gewesen. Als kühner, kluger und unternehmender Feldherr steht er den ersten Männern jener Zeit in nichts nach, keiner hat so glänzende Kriegsthaten verrichtet, keiner so oft griechische Heere zum Siege gegen Barbaren geführt und dadurch das Vaterland gesichert. Er hat durch seine Leutseligkeit nicht weniger als durch seine Feldherrntüchtigkeit die Basis von Athens Grösse, die Bundesgenossenschaft wesentlich mitbegründet und befestigt, ohne sich der Härte schuldig zu machen, welche spätere Feldherrn und Staatsmänner bewiesen; er hat mit lebendigem Gefühle für die Stammesgemeinschaft aller Hellenen die Freundschaft und das Bündniss unter den ersten

Staaten zu erhalten getrachtet, so lange als möglich, und Athens Grösse nicht auf dem Sturze Sparta's errichten wollen,, er hat Freunden und Feinden so viel Zutrauen eingeflösst,, dass ihm es gelang, nach blutigen Kriegen für den Augenblick die kämpfenden Parteien zu versöhnen. Seine Abwesenheit von Athen war die Zeit blutiger Kriege mit Sparta; bald nach seinem Tode begannen die Kämpfe von neuem. Er selbst hatte das Glück, ihnen fremd zu bleiben.

Mit dieser äusseren Wirksamkeit stimmt seine innere im Ganzen wesentlich überein. Ein einfaches biederes Wesen, das sich aber in aristokratischem Glanze gefiel, Vorliebe für die herkömmliche Ordnung der Dinge, Widerstand gegen Neuerungen, die ihm schädlich schienen, zeichnen ihn aus, und wenn er vielleicht in der letzten Zeit seines Lebens in einigen Punkten hinter der Entwicklung des athenischen Geistes zurückgeblieben ist, so darf man nicht vergessen, dass diese Entwicklung, wie sie unter Perikles ihren Höhenpunkt erreicht, zwar allerdings Athen auf eine Stufe geistiger Vollendung bringt, wie sie kein anderer Staat des Alterthums je erreicht hat, allein zugleich die Keime des eigenen Verfalls und des Zerwürfnisses mit den übrigen Griechen in sich schliesst. Diesen entgegen gearbeitet zu haben, ist ein Verdienst Kimons. Und das hat er überall in männlicher Weise mit ehrlichen, offenen Waffen gethan, vielleicht später hie und da mit etwas zu viel Selbstgefühl und fast trotziger Geringschätzung seiner Gegner, die in berechneter Leitung der Volksstimmung daher ihn überflügelten. Wenn etwas, so ist sein Verfahren gegen Themistokles zu tadeln, allein hier sind wir bei dem Mangel der Quellen nicht zu hinreichendem Urtheil befähigt, und sein ganzes übriges Leben lasst kaum eine absichtliche unedle Handlungsweise vermuthen. An Unbestechlichkeit steht er neben Aristeides und Perikles, zwischen denen er in mancher Beziehung ein vermittelndes Glied bildet. Was aber vor Allein ihn auszeichnet, was den schönsten Ruhm seines Lebens bildet, das ist die bei kräftigen und ganzen Naturen, wie er

war, so seltene Fähigkeit, seine eigenen Neigungen zu überwinden und erlittene Unbilden zu vergessen. Obgleich schon in früher Jugend durch des Vaters Berurtheilung von schwerem Unglücke betroffen, hat er doch zuerst sich den heilsamen Rathschlägen des Themistokles, des Führers der Gegenpartei angeschlossen; durch den Sturz des Areopags und den Bruch mit Sparta tief verletzt, durch den Ostrakismos verbannt, hat er nicht nur keine feindliche Handlung gegen die Vaterstadt unternommen, keine Verbindung mit deren Feinden eingegangen, sondern bei der ersten Gefahr sein Leben ihr darbringen wollen und seine Parteigenossen zur edelsten Hingebung begeistert; endlich zurückberufen hat er dem ehemaligen Gegner die Hand der Versöhnung gereicht und gemeinsam mit ihm zum Heil der Vaterstadt gewirkt. Stellen wir also auch an genialer Geisteskraft seine Gegner Themistokles und Perikles höher als ihn, so werden wir, was Feldherrntalent, Tüchtigkeit der Gesinnung, redliches Wollen und aufopfernde Vaterlandsliebe betrifft, dem Kimon die Hochachtung und Bewunderung nicht versagen und eine Zeit glücklich preisen, wo solche Männer, wenn auch sonst entzweit, im Augenblick da Gefahr für das Gemeinwohl Hand in Hand gingen.

Anmerkungen.

1) vgl. Alkibiades und Lysandros. Eine Rede, gehalten am Jahresfeste der Universität zu Basel den 6. November 1845 von Wilhelm Vischer. Basel 1845.

2) Dies ist namentlich geschehen von Dr. Herrman Büttner in seiner geistreichen Geschichte der politischen Hetärien in Athen, dessen Urtheil über Kimon mir ungerecht und einseitig scheint. Er sucht zu zeigen, dass die Art und Weise, wie Kimon den Staat geleitet, keine wahre Volksführung gewesen sei, und spricht unter andern folgendermassen S. 30: "In sofern aber auch Kimon von seiner Faktion sich wesentlich unterschied, haben wir ihn richtiger als einzeln stehenden Herrschsüchtigen zu betrachten, jedoch in dem Sinne, dass er weniger seine Person als seine Ideen zur Herrschaft zu bringen trachtete." S. 32. "Sehen wir überdiess, anderer Vorwürfe, die man ihm machte, nicht zu gedenken, dass Kimon nicht bloss die politischen Bestrebungen als etwas so Persönliches betrachtete und die Feindseligkeit gegen seine politischen Widersacher so weit trieb, dass er nach dem Zeugnisse seines Zeitgenossen Stesimbrotos die Hinrichtung des Epikrates bewirkte, weil derselbe dem Themistokles Weib und Kind nachgeführt hatte, sondern dass er in seinem eigenen persönlichen Wandel die alte gute Sitte, zu deren Wiederhersteller er sich aufwarf, selbst so mit Füssen trat, dass er durch das Verhältniss zu seiner Schwester dem Volke wenigstens einen ostensiblen Vorwand lieh, um ihn zu verbannen, so wird es nach alle diesem nicht zu hart erscheinen wenn wir eine eitle und leidenschaftliche auf handgreiflicher Selbsttäuschung beruhende Einbildung klüger und besser als sein Volk zu sein, für den Grundzug in Kimons Charakter erklären. Eine wirkliche Bedeutung hat dieser Staatsmann nur durch seine ausgezeichnete Feldherrtüchtigkeit sich erworben, ein Vorzug, welcher hauptsächlich das Eigenthum aristokratischer Männer zu sein scheint. Dagegen ist sein politischer Einfluss nur ein äusserlicher und vorübergehender gewesen und zwar darum, weil er dem sittlichen Geiste seines Volks sich entfremdet hat." Auf die einzelnen Punkte werde ich im Verlauf der Darstellung eintreten

und zeigen, dass eine unbefangene Prüfung die meisten dieser Anklagen als nichtig erscheinen lässt. Mit meiner Beurtheilung des Mannes trifft im Ganzen zusammen der "Versuch einer Charakteristik Kimons"nach den Quellen dargestellt von Th. Lucas. Hirschberg 1835. Ausserdem vergl. neben den grössern Geschichtswerken den Artikel "Kimon"von Kraft in der Realencyclopädie von Pauly, und die neuste Ausgabe von Plutarchs Biographie des Kimon von Arnold Ekker. Utrecht 1843 mit einer ausführlichen Einleitung.

3) Pausan, I, 35, 2. II, 29, 4. Herod. VI, 35, Perecydes bei Marcellinus Leben des Thucyd. §. 3. Plutarch Solon. 10. Steph. Byz. s. v. φ. M. H. E. Meier de gentilitate attica p. 51. "Einige Bemerkungen über die ältesten Bewohner Attika's, besonders das Geschlecht der Philaiden" in der Zeitschrift f. A. W. 1843. p. 75 flg. von Hs.

4) Damit soll indessen keineswegs gesagt sein, dass nicht bereits früher die Philaiden, als eines der vornehmsten Eupatridengeschlechter in Athen in hohen Ehren und Würden standen. So finden wir Ol. XXX, 2. oder 659 v. Chr. einen Archon Miltiades, nach Pausan. VIII, 39, 2. Vgl. Ritter Didymi Chalceneri opuscula p. 125.

5) Herodot. VI, 127. Marcell. vita Thueyd. §. 3. Dass Hippokleides ein Philaide war, ist nicht zu bezweifeln, hingegen bei der Verderbniss der Worte des Pherekydes in Markellinos Leben des Thukydides über Vermuthungen nicht hinauszukommen. Man vergleiche die Ausleger zu Herod. a. a. O. Schultz appar. ad annal. rer. Graecar. spec. I. p. 8. squ. Pherecyd. fragm. 20 in den fragmenta historicorum graecorum von Car. et Theod. Mueller. Fr. Ritter, Didymi Chalcenteri opuscula p. 125 und den von ihm citirten Vömel exercitat. chronol. de aetate Solonis et Croesi. Mit der Chronologie würde am besten die Annahme Völmels stimmen, dass Hippokleides und Kypselos, der Vater des ο Χ Brüder gewesen. Doch ist Ritters Bedenken dagegen, dass in dem ganzen Stammbaume nur die direkte Linie genannt werde, nicht unbegründet.

6) Miltiades, den wir gewohnt sind wegen seines Sieges bei Marathon nur als einen Freiheitshelden zu betrachten, hatte etwas Tyrannisches in seinem ganzen Charakter, wie es das gegenüber den angesehensten Männern des Chersones geübte Verfahren, das Herodot VI, 39 erzählt, zur Genüge beweist.

7) Ueber die Unternehmung gegen Paros vergl. ausser Herodot VI, 123-136. Ephorus bei Steph. Byz. ά. Cornel. Nep. Miltiad. 7. Schol. zu Aristid. cd. Frommel S. 218. 267.

8) Lucas nimmt das Jahr 504 als Geburtsjahr Kimons an, und Arnold Ekker (Plutarchi Cimon. Commentariis suis illustravit et de vitae hujus fontibus diseruit Arnoldus Ekker Trajecti ad Rhenum.

MCCCXLIII folgt ihm. Indessen gewähren die dafür angeführten Gründe keine vollkommene Sicherheit. Vielmehr möchte eine frühere Geburt des Kimon mehr Wahrscheinlichkeit für sich haben, da Miltiades bereits Ol. 65. 4 oder 66. 1. 516 oder 515 nach dem Chersones kam und Kimon sonst in einem für jene Zeiten gar zu jugendlichem Alter bereits in Aemtern und Ehre gestanden hätte. Denn bereits beim Ausbruch des Perserkriegs erscheint er als sehr einflussreich, da sein Beispiel wesentlich für Themistokles Kriegsplan wirkte, vor der Schlacht bei Plataia ist er unter den Gesandten nach Sparta, bald nachher Mitfeldherr des Aristeides. Anderseits nennt ihn freilich Plutarch c. 1 bei des Vaters Tode π μ und wenn auch bekanntlich der Ausdruck μ in ziemlich weitem Sinne gebraucht wird, so spricht doch diese Stelle in Verbindung mit Aristid. de quatuorv. p. 252 dafür, dass Kimon bei des Vaters Tode noch nicht mündig gewesen sei, also noch nicht 18 Jahre. Wenn Aristides ader erzählt, die Vormünder hätten ihm wegen seiner Lebensweise das väterliche Vermögen τ nicht herausgegeben, so möchte man fragen, was für π denn dagewesen sein können, . da Miltiades die Mulct von 50 Talenten nicht zahlen konnte und also das vorhandene Vermögen confiscirt wurde, und wenn gar der Scholiast zu der Stelle verfügt, er sei bis zum vierzigsten Lebensjahr unter Tutel gestanden, so leuchtet das Verkehrte der Nachricht von selbst ein. Nehmen wir an, Kimon sei bei des Vaters Tode im Jahre 489 oder 490, 17 Jahre alt gewesen, was wohl nicht zu viel ist, so wurden wir für das Geburtsjahr 406 oder 407 setzen müssen.

9) Hauptstelle Plutarch Cim. 4, wo aber der unzuverlässige Stesimbrotos aus Thasos Gewährsmann ist: Σ δ ό Θ π τ

Dass es ihm an einer natürlichen kräftigen Beredsamkeit nicht gefehlt, beweist Plutarch. c. 16. vergl. Corn. Nep. Cim, 2, dass er musikalische Bildung besessen, berichtet sehr bestimmt der in dieser Hinsicht sehr competente Jon von Chios bei Plut. c. 9: δ δ τ Κ

10) Diodor. exerpta de virt. et vit. p. 559: ό Μ ν ό Κ, τ τ π α έ τ δ ψ δ τ μ ί έ τ ό ί λ τ δ τ π έ τ έ ε τ φ π χπ τ ό Unbestimmter Corner. Nepos Cim. 1; quum pater litem aestimatam populo solvere non potuisset ob eamque causam in vinculis publicis decessisset, Cimon cadem custodia tenebatur, neque legibus Athenensium emitti poterat nisi pecuniam qua pater multatus erat solvisset. Valer. Maxim. I, 3. Justin. II, 15, 19. Senec. Contr. 24. Quintil. Decl. 302. Rinck und Freudenberg Quaestiones historicae in Cornel. Nepotis vitas excell. imper. part, Il. p. 2 sq, haben diese ganze Erzählung als Rhetorenerfindung unbedingt verworfen und letzterer namentlich zu zeigen gesucht, dass in den attischen Gesetzen sich nichts nachweisen lasse, was auf ein solches Verfahren gegen die Kinder eines Staatsschuldners hinweise. Allein es ist einestheils zu bedenken, dass wir die Gesetze nur sehr mangelhaft und meist aus späterer Zeit kennen, anderntheils aber zeigen doch die von Freudenberg selbst angeführten Stellen des Demosth. adv. Androt. p. 603. 604. adv. Theocrin. 1326. 1327. dass die Atimie und die Schuld sich vererbten, Wenn aber die Schuld auf die Kinder überging, so führt die Consequenz darauf, dass auch das gegen Staatsschuldner übliche Verfahren sie treffen konnte. Daher denn auch Böckh athen. Staatshaush. I. p. 420 sagt: "so pflanzt sich also, wenn nicht geradezu die Gefängnissstrafe, doch die Ehrlosigkeit auf die Kinder fort, bis sie bezahlt haben, was der Vater schuldig war, wie unter andern Kimons Beispiel zeigt." Suidas s. v. Α sagt geradezu, dass Aristogeiton ins Gefängniss gesetzt worden sei, weil sein Vater als Staatsschuldner darin gestorben war, und diese Stelle ist nicht so verächtlich als Freudenberg meint, der sie aus Demosth, e. Aristog. p. 787 schlecht zusammengeflickt glaubt, da vielmehr der Name von Aristogeitons Vater, Skydimos deutlich eine andere Quelle verräth. vielleicht die Rede des Lykurg. Meine Meinung ist daher die, dass wie die Schuld des Vaters und die Atimie auf die Kinder überging, so ursprünglich auch das Gefängnis vererbt wurde. Indess mochte die Sitte die Strenge des Gesetzes in der Regel mildern, vielleicht auch später ein ausdrückliches Gesetz die Folgen für die Kinder auf die Atimie beschränkt haben. Die Erzählung Diodors und der Schriftsteller, die ihm folgen, macht ferner sehr wahrscheinlich . dass ein im Kerker verdorbener Staatsschuldner nicht eine regelmässige Bestattung erhielt, wenn nicht der Erbe für ihn eintrat. Er blieb dann gleichsam auch im Tode noch dem Staate, dem er schuldete verpfändet. Im Allgemeinen aiso halte ich dafür, dass die Uebertragung des Gefängnisses oom Vater auf den Sohn nicht im Widerspruch

mit den attischen Gesetzen sei , sondern vielmehr eine nur durch die wildern Sitten allmählig ausser Uebung gekommene Consequenz. Ob aber bei Kimon dieselbe eingetreten, wage ich nicht zu entscheiden, weil damit die Erzählung, dass er nach des Vaters Tode mit der Schwester Elpinike in der Ehe gelebt habe, bis Kallias sie geheirathet und die Schuld bezahlt habe, schwer zu vereinbaren ist. M. H. E Meier de bonis damnatorum. p. 5. Anmerkung 11 hält übrigens auch die Erzählung von Kimons Haft für begründet: Cimo enim R. P. tum demum attingere potuit, quum Callias ducta Cimonis sorore, mulctam Militiadis patris, ob quam filius in carcere tenebatur solvisset.

11) Wiewohl van Staveren zu Corn. Nep. Böckh athen. Staatsh. II. S. 17. Kraft in Pauly's Realencyclopädie und Freudenberg a. a. O. diesen Kallias von dem Sohne des Hipponikos, dem λ unterscheiden wollen, so stimme ich doch M. H. E. Meier de bon. damn. 122 und Rinck prol. zu Roths Aemil. Probus bei. dass es der nämliche sei. Die Ausdrücke des Corn, Nep. non tam generosus quam pecuniosus und des Plutarch. τ τ können auf diesen Kallias wohl bezogen werden, und die Worte des Dio Chrysost. LXXIII. §. 6 ό Κ ά ή ά τ ά Ζ ε μ τ ά Ε έ ά τ χ ζ ζ tragen ein zu rhetorisches Gepräge, als dass darauf Gewicht zu legen wäre. Disserta testimonia wie Freudenberg sagt sind das durchaus nicht. Derselbe bemerkt, der Kallias λ habe seine Reichthümer nicht aus Bergwerken gezogen, was vom Schwager des Kimon Cornel. Nepos berichte. Allerdings erzählen die Schriftsteller verschiedene Geschichten. die aber, wie schon Böckh a. a. O. bemerkt, einem Mährchen zu Erklärung des Beinamens λ gleichen. Mögen sie aber auch theilweise wahr sein, so schliessen üe die Bergwerke nicht aus, die uns bestätigt werden durch Xenoph. de vectig. IV, 15. έ δ χΪ έ ά χ τ α τ τ (i. e. έ τ ά έ ά π μ ά τ ή Es ist nicht zu bezweifeln, dass wie der Sohn Hipponikos, so bereits der Vater Kallias einen Haupttheil seines Einkommens aus Bergwerken zog.

12) Plutarch. Cim. 4. Cornel. Nepos 1 erzählt. Kimon habe zuerst sich geweigert und erst auf das Verlangen der Elpinike selbst, die den Sohn des Miltiades nicht habe im Kerker lassen wollen, nachgegeben. Ueber das ganze Verhältniss zu Elpinike vgl. Lucas S. 25. Freudenberg a. a. O. S. 5. Nach einigen hätte gar keine Ehe stattgefunden, sondern ein unerlaubter Umgang. Dem mag nun aber gewesen sein wie es will, so fällt dies Verhältniss in die erste Jugend des Mannes und es ist also sehr unbillig, wenn Büttner a. a. O. sagt, Kimon habe die alte

gute Sitte, zu deren Hersteller er sich aufgeworfen, selbst mit Füssen getreten. Vgl. Meier de bonis damn. p. 5, Anm. 11.

13) Lucas setzt auch sein Wetteifern in Olympia mit Themistokles, dessen Plutarch Them. erwähnt, bereits in diese Zeit, und allerdings scheint Plutarch es so zu meinen, da er sagt: ό δ μ γ γ, ά χ δ έ ο ύ π ά έ π ά, was für Themistokles nur auf die Zeit vor den Perserkriegen passt. Auffallend ist es aber, wie Plutarch, ohne den Zeitunterschied hervorzuheben, daran den Sieg, den Themistokles als tragischer Chorege Ol. 75, 4 nach den Perserkriegen gewann, verbindet.

14) Plut. Them. 4. Autorität ist freilich der unzuverlässige Stesimbrotos.

15) Plut. Cim. 5.

16) Plut. Arist. 19, 21. Thucyd. III. 68. Ein ganz neues Bündniss wurde auf dem Schlachtfelde von Plataia nicht geschlossen, sondern nur die bestehende Bundesgenossenschaft unter Sparta's Hegemonie und vertreten durch das χ τ Ε σ enger geknüpft und zur Fortsetzung des Krieges organisirt. Vgl. K. F. Hermann Lehrb. d. gr. Staatsalt. §. 35. 6. 7. Schönmann antiq. §. 30.

17) Damit soll natürlich nicht gesagt sein, dass diese drei Männer sich auf die angegebenen Punkte beschränkten. Wie bekanntlich Aristeides bei der Befestigung Athens dem Themistokles hülfreich zur Seite stand (Thucyd. I. 91). so war auch Themistokles, der Athens Seemacht begründet hat, bei der Einrichtung der Bundesgenossenschaft thätig. Darauf weist unter andern Plutarch Them. 21. obwohl er auch Ungehöriges herbeizieht, wie Sintenis zu der Stelle mit Hinsicht auf Andros richtig bemerkt hat.

18) Plut. Arist. 10. In dem Psephisma waren als Gesandte Kimon, Xanthippos und Myronides genannt, nach Idomeneus wäre Aristeides selbst nach Sparta gegangen. Kimon wurde also bereits damals den ersten und bewährtesten Männern an die Seite gestellt, und da die genannten sämmtlich in diesem Jahre Feldherren waren (von Myronides sagt es Plutarch. Aristid. 20), so ist nicht unwahrscheinlich, dass Kimon selbst auch dies Amt bekleidete. Dass es nicht ausdrüklich berichtet wird, darf uns nicht auffallen, da die meisten Schriftsteller nur kurz den Aristeides als Befehlshaber des Landheeres, Xanthippos als Flottenführer nennen. und von den acht Uebrigen nur zufällig Leokrates und Myronides von Plutarch a. a. O. bezeichnet werden.

19) Im Jahre 477, Ol. 75 3/4. Thucyd. I 94. Plut. Arist. 23. Cimon. 6. Vgl. Krieger hist. phil. Studien S. 37.

20) Die Athener hatten dreissig. die Peloponnesier nur zwanzig Thuc. .

a. a. O. Diodor. XI, 44 sagt freilich: ο δ π μ τ Π λ τ δ π Α μ In gewöhnlicher Nachlässigkeit hat er zuerst die peloponnesischen und attischen Schiffe zusammen mit den bloss peloponnesischen verwechselt.

21) Thucyd. I, 94. Plut. Cim. 6. Arist. 23. Diod. XI 44.

22) Plut. Cim. 6. Pausan. III. 17. 8. 9. Pausanias soll bis an seinen Tod von der Erscheinung des Mädchens verfolgt worden sein und umsonst bei den Todtenorakeln von Phigalia in Arkadien, wie Pausanias, von Herakleia, wie Plutarch erzählt, Hülfe gesucht haben. Mit Recht bemerkt der neuste Herausgeber Arnold Ekker zu Plutarch a. a. O. dass unter Herakleia nicht an die Η ό am Avernussee in Campanien zu denken sei, aber eben so unrichtig versteht er Herakleia an der Propontis oder Perinthos. Allerdings nennt Ptolemäus III, 11 6 Perinthos auch Herakleia, allein darum wurde es doch nicht so ohne nähere Bezeichnung bloss Herakleia genannt, vielmehr ist das pontische Herakleia gemeint, wo auch Xenoph. Anab. VI, 6. 6 einen Acherusischen Chersones erwähnt und wo der Sage nach Herakles in die Unterwelt gegangen war, um den Kerberos zu holen. Vgl. Strabo XII. 3. f. III. p. 15 Tauchn.

23) Plutarch. Aristid. 23 und Cimo. 6 erzählt die Sache, als ob die Bundesgenossen jetzt schon den Pausanias aus Byzanz vertrieben hätten. Dagegen spricht aber Thukydides I, 59 sehr bestimmt nur von einem Uebergehen der Bundesgenossen unter den Oberbefehl der Athener, ξ τ α χ τ ά χ τ ξ τ έ έ π Α μ π τ ά Π δ. Da Plutarch Cim. 6 den Ausdruck έ hat, den Thukydides I, 131 gebraucht wo er erzählt, wie später Pausanias, da er ohne Amt in Byzanz verweilte, von den Athenern vertrieben wurde, so ist sehr wahrscheinlich, dass er die zweite Entfernung des Pausanias aus Byzanz oder seine Vertreibung durch die Athener mit dem Abfalle der Bundesgenossen und der Abberufung des Feldherrn nach Sparta verwechselt.

24) Man thut gewiss Unrecht, wenn wan glaubt, die Spartiaten hätten durchaus unfreiwillig auf die Hegemonie in der Fortsetzung des Perserkrieges verzichtet. Ein grosser Theil derselben sah den Aufenthalt der Feldherrn und Bürger in der Fremde für verderblich an und war desshalb mit dem Zurücktreten zufrieden. Thukydides spricht sich darüber I, 95 sehr bestimmt und gewiss unbefangen aus χ ά o έ ν έ ο Λ φ μ δ ο έ Σ γ ό χ έ τ Π έ ά δ χ τ Μ π χ τ Α ν ί έ χ δ έ τ τ έ. Damit vergleiche man, was Xenophon Hellen. VI, 5, 34 die spartanischen Gesandten in Athen sagen lässt:

ά δ ω Α τ ν τ Ε η η τ γ χ τ χ Ζ φ τ Λ τ δ. Man muss dabei nur daran denken . dass die Lakedaimonier in dem Zurücktreten von der Leitung des Perserkriegs gar nicht ein gänzlichen Aufgeben ihrer Hegemonie sahen, sondern nach wie vor eine allgemein hellenische Symmachie als bestehend annahmen und sich selbst als deren Hegemonen betrachteten. Erst mit dem dreissigjährigen Frieden veränderte sich das. Vgl. Alkibiades und Lysandros S. 10.

25) Ueber die Vertheidigung unb endliche Eroberung Eions vgl. Herod. VII. 107 Plut. Cim. 7. Polyaen. VII, 24. Aeschin. in Ctesiph. §. 183 ff. Pausan. VIII, 8. 9. Die Erzählung des Letztern, Kimon habe wie später Agesipolis bei Mantineia, die Mauern von Eion . die aus ungebrannten Backsteinen gebaut gewesen seien, durch dagegen geleitetes Wasser zerstört, möchte ich nicht mit Lucas S. 29. Anm. 17 geradezu verwerfen, da sie sich mit der Angabe des Herodot verträgt, obgleich dieser allerdings nichts davon sagt. Eion mochte sowohl durch die Beschädigung der Mauern als durch Mangel an Lebensmitteln unhaltbar geworden sein, als der heldenmüthige Boges die Stadt anzündete und sich und die Seinigen tödtete. Auch die Hermeninschrift, welche den Hunger erwähnt, sagt allerdings von dem Wasser nichts. Die Eroberung von Eion fällt in das Jahr 476, vgl. Krüger histor. phil. Studien S. .29.

26) Plut. Cim. 8. Diod. XI 60. Die erste Veranlassung scheint nicht von Athen ausgegangen zu sein, da thessalische Kauffahrer geplündert worden waren und bei den Amphiktyonen klagten. Nach Plutarchs Erzählung haben die Räuber selber den Kimon herbeigerufen und ihm die Stadt überliefert, weil das Volk (o π) nicht die Busse zahlen, sondern ihnen, den Thätern auferlegen wollte. Es lasst sich aber denken, dass Athen die Gelegenheit gerne benutzte sich in Skyros festzusetzen.

27) Thucyd. I, 98: έ Σ τ έ τ Α ν η ω Δ η χ φ α Ungenauer Plutarch a. a. O. τ Δ έ das aber nicht im Widerspruche mit Thukydides ist, da die zu Sklaven gemachten Bewohner ausser Landes geführt wurden.

28) Wegen einer Seuche λ und nicht Hungersnoth λ Schol. zu Aristoph. Plut. 627 λ, und zu Aristid. p. 267 ed. Frommel, der aus dem Leid. Cod. λ aufgenommen hat. Die Ausgabe Dindorfs ist mir nicht zur Hand. Letztere Lesart λ welche so oft neben λ, in den Handschr. sich findet und bekanntlich nach Thukydides II 54 schon zur Zeit des peloponnesischen Krieges in einem Orakel als Variante vorkam, geben zwar einige Handschr. auch hier an beiden Orten und Schöll in dem Leben des Sophokles hat darauf den ganzen Inhalt der Tragödie Triptolemos construirt. Allein K. Fr. Hermann

hat in der Recension des Schöll'schen Buches, Berl. Jahrb. 1843 S. 554. 555 überzeugend dargethan, dass λ und λ das richtige sei, da Aeneas von Gaza, der ältere Zeuge, das ganz unzweifelhafte έ έ hat, "zu geschweigen, dass das plötzliche Aufhören des Uebels, worin alle Gewährsmänner übereinstimmen, eben so wohl wie seine lange Dauer weit eher zu einer Seuche als zu einer Hungersnoth passt." Aehnlich bereits Krüger hist. phil. Studien S. 42. 43.

29) Ueber diese Zurückführung der Gebeine des Theseus Plut. Cima. 8. Theseus 36. Schol. zu Aristoph. Plut. 627, zu Aristid 267 ed. Frommel. Paus. I, 17, 6. III. 3. 7. Dieser erzählt an der letztern Stelle, die Auffindung der Gebeine des Theseus sei nach einem Orakel die Beedingung der Eroberung von Skyros gewesen, und lässt sie daher derselben vorangehen. Es hat indess bereits Krüger hist. phil. Studien S. 43 mit Recht bemerkt, dass die Eroberung der Insel so leicht von Statten ging, dass sich die Befragung des Orakels kaum dadurch erklären lässt. Was die Zeit anbetrifft, so sind darüber: die Angaben abweichende, indem bekanntlich gewöhnlich die Zurückführung von Theseus Ueberresten mit dem tragischen Wettkämpfe des Aeschylos und Sophokles verbunden und ins Jahr 468, also 7-8 Jahre nach der Eroberung von Skyros gesetzt wird, und diese Annahme die sich hauptsächlich auf Plutarch stützt, hat Lucas S. 32 Anmerk. 21 zu rechtfertigen getrachtet. Indessen sind seine Gründe durchaus nicht überzeugend, namentlich lassen die von ihm zu diesem Zwecke angeführten Worte Plutarchs π φ δ μ έ sich schwerlich so deuten, dass die Athener mit grossem Eifer 7 Jahre lang das Grab des Theseus gesucht, sondern passen weit eher zu einer bald auf die Eroberung folgenden Auffindung. Vielmehr hat Krüger hist. phil. Studien S. 39-45 evident dargelegt" dass die Zurückführung der Gebeine in das gleiche Jahr, wie die Eroberung der Insel falle, und der Grund der entgegensetzten Angaben in einer Verwechslung der Archonten Phädon und Apsephion zu finden sei.

30) Bekanntlich hat Ludwig Ross diese Meinung aufgestellt zuerst in der 1838 in Athen erschienenen Schrift τ Θ χ ό ν τ Α welche ich nur aus Anzeigen kenne. Damit vergl. desselben Gelehrten Hellenika 2tes Heft. Halle 1846 S. 80 Anm. 11. Gegen ihn unter Andern E. Curtius in Gerhards archäol. Zeitung 1. Band S. 97 ff. und der von diesem angeführte Ullrichs in den Anuali dell'Instituto 1842 p 74 ff. 31) Aeschin. in Ctesiph. §. 183. Plutarch. Cim 8. Kraft in der Realencyclopädie Artikel Kimon, nenni diese Inschriften mit Unrecht prahlend.

32) Dafür erklärt sie Wachsmuth Hell. Alterth. I 71 1te Ausg und Niebuhr in seinen Vorträgen über alte Geschichte S. 425-427, indem er meint, sie sei eine Sophistenerfindung, welche aus der ähnlichen Erzählung

über die Befestigung des Peiraieus geschmiedet worden sei. Allein seine Gründe gehen bloss gegen die Darstellung bei Cicero de offic. III, 11, wonach Themistokles die lakedämonische Flotte in Gytheion habe verbrennen wollen. Da lässt sich allerdings sagen: "Was in aller Welt hätte es den Athenern helfen sollen das elende Arsenal der Spartaner in Gythion anzuzünden, wo sechszehn Galeeren lagen, ihnen, die an dreihundert hatten?" Allein Plutarch Arist, 22 und Themist. 20 spricht von der vereinigten Flotte der Hellenen. unmittelbar nach dem Rückzuge des Xerxes und zwar an der letztern Stelle mit der genauern Bestimmung, dass sie damals im Hafen von Pagasai gelegen habe. Die Gründe für Verwerfung der Erzählung erscheinen mir daher nicht genügend. und lässt sich nicht das Verfahren der Engländer gegen Kopenhagen und die dänische Flotte damit einigermassen vergleichen? Der Gründer der athenischen Seemacht hatte, wie die erste Seemacht unserer Zeit, nur den Vortheil des eigenen Staates im Auge und verfolgte den mit dem consequentesten Egoismus.

33) Büttner in der angeführten Schrift, S. 28 sagt: "dass Aristides durch ihn (Kimon) verdrängt war, davon liefert nicht bloss die ohne ihn geschehene Verbannung des Themistokles den Beweis, sondern es kann derselbe zu irgend einem erheblichen Einfluss auf die öffentlichen Angelegenheiten nach dieser Zeit nicht wieder gelangt sein, weil sonst so widersprechende Nachrichten über seine weitern Schicksale, wie die von Plutarch (Arist. 26) mitgetheilten nicht hätten entstehen können."Lässt sich denn aber nicht mit mehr Wahrscheinlichkeit annehmen, Aristeides, der zur Zeit der Schlacht am Eurymedon wenigstens schon über 60 Jahre alt war (vgl. Sintenis zu Plut. Themist S. 200. Krüger hist. phil. Studien S. 32. Wagner de Themistocle exule Ztschr. f. A. W. 1847 S. 198. 199) und bereits seit dem Jahre 510 als Freund des Kleisthenes in politischer Thätigkeit, habe sich im höhern Alter freiwillig zurückgezogen? Da immer nur von seiner Freundschaft mit Kimon gesprochen wird, nirgend von Spannung oder Streit, hat das gewiss viel für sich.

34) Plutarch. Cimon. 16. Schol Aristid. III. 515 Dind.

35) Plut. Cim. 16.

36) Ueber des Themistokles demokratische Tendenzen und den Gegensatz zu Aristeides spricht Büttner S. 27 gut. Die Art, wie er aber den Kimon dem Aristeides entgegensetzt, hätte der Beweise bedurft, welche fehlen.

37) Dies lässt sich als Thatsache von den Perserkriegen bis zum Sturze der athenischen Hegemonie nachweisen. Die demokratischen Volksführer sind immer die härtesten gegen die Unterthanen, während die gemässigte aristokratische Opposition sich ihrer annimmt. Am schärfsten tritt das

bei Kleon hervor, namentlich gegenüber den Mytilenaiern. Thucyd. III, 37 ff.

38) Büttner freilich sagt: "Die Art und Weise, wie Kimon fernerhin den Staat leitet, kann nicht wahre Volksführung genannt werden. Vielmehr sucht er als Haupt und in dem Interesse einer Partei, welche ausserhalb des lebendigen Volksgeistes stand, nämlich der aristokratisches die innere und äussere Politik Athens zu lenken." Am Ende fällt ihm freilich diese Partei in nichts zusammen und Kimon bleibt nur ein einzelner Ehrgeiziger. Warum ehrt ihn nun aber das athenische Volk, ihn den ganz vereinzelten und ihm entfremdeten Aristokraten so viele Jahre hindurch?

39) Für die Habgier des Themistokles Beweise anzuführen, ist wohl überflüssig, Herodot, Plutarch und andere Schriftsteller liefern sie in Menge. Unterschleif öffentlicher Gelder wird ihm vorgeworfen bei Plut. Aristid. c. 4. Das nach seiner Flucht confiscirte Vermögen allein betrug nach Theopomp 100, nach Theophrast 80 Talente. Einen grossen Theil aber rettete er nach Asien. Beim Beginn seiner politischen Laufbahn soll er nur drei Talente besessen haben. Plut. Themist. 25. Diese auf rechte und unrechte Art gewonnenen Schätze gebrauchte aber Themistokles nicht in grossartiger freigebiger Art, sondern zeigte sich trotz seines Ehrgeizes bei Gelegenheiten knauserig Plut. Themist. 5, 21. Auch Kimon hatte sich durch Feldzüge bereichert, doch wird ihm nirgend Habgier oder Bestechung vorgeworfen, vielmehr umgekehrt gerühmt, dass er sich nicht ungerechte Schätze erworben (Plut. Cim. 10), und welch liberalen Gebrauch machte er davon! Uebrigens stimme ich Niebuhr'n a. a. O. S. 432 bei, wenn er bemerkt, man dürfe sich ihn nicht als einen streng Uneigennützigen, wie Carius und Fabricius, denken. Was von der Liederlichkeit des Themistokles gemeldet wird z B. Athen. XII. p. 533 d. und bei Plutarch. Themist. 3 gehört wohl Alles in seine erste Jugend und hatte keinen Einfluss auf die spätere politische Stellung; denn Plutarch reg. et imp. apophth. p. 184 f. l. und praec. reipubl. ger. 800 b. bemerkt ausdrücklich, dass von der Zeit an, wo er sich Dem Staatsleben zuwandte, er den frühern Ausschweifungen gänzlich abgesagt habe.

40) Die Zeit vor Themistokles Ostrakismos wird nicht genau berichtet, kann indess mit ziemlicher Sicherheit gegen die Mitte der 76. Olympiade oder Ol. 76, 2. 477 gesetzt werden. Vgl. Krüger hist. phil. Studien S. 49 und Gustav Wagner de Themistocle exule Ztschr. f. A. W. 1847 p. 14. 15. 16. 25. 26. Ueber des Kimon Stellung zu Themistokles sagt treffend Niebuhr a. a. O. S. d83: Nun war Simon gegen Themistokles feindselig, eine Feindseligkeit zwischen solchen Männern ist auch ganz natürlich." Ist aber einmal die Feinseligkeit als etwas Natürliches

zugegeben, so ist auch der Ostrakismos als nothwendige Folge davon dem Kimon nicht zum Vorwurfe zu machen. Ueber seine Betheiligung bei diesem besonders Plutarch. Arist. 25: Ζ γ α π π τ π έ χ δ έ έ, έ τ α λ ό ά έ α γ π τ π ο έ ά Α χ Κ χ π ά έ χ χ η Α ο έ τ ο έ .;-φ, wo statt Alkmaion. Meier in der hall. Encyclopädie im Artikel Ostrakismos, an Leobotes den Sohn des Alkmaion denkt, welcher später die Klage auf Verrath gegen Themistokles einleitete. Plut. Them. 23. Indess lässt sich doch wohl denken, dass der Sohn Leobotes die vom Vater bereits gegen Themistokles geübte Feindschaft fortgesetzt, wie denn Plutarch auch in den praecept. ger. reipubl. p. 805. c. den Alkmaion nochmals nennt.

41) Es ist nicht meine Absicht, das offenbar leidenschaftliche Verfahren gegen Themistokles zu rechtfertigen, wohl aber es zu erklären und dazu müssen wir uns vergegenwärtigen, dass seine Gegner nicht den unbefangenen historischen Standpunkt einnahmen und einnehmen konnten, der uns jetzt die Sache in ganz anderm Lichte betrachten lässt.

42) Plut. Themistocl. 24. Die ganze Erzählung von der Werbung des Themistokles um eine Tochter des syrakusischen Fürsten Hieron bezeichnet Plutarch mit Recht als einen ungereimten Widerspruch gegen des Stesimbrotos eigene Angabe, dass Epikrates ihm seine Frau nach Epirus gebracht. Vgl. Sintenis zu der angeführten Stelle. Die Lügenhaftigkeit des Stesimbrotos ist hinlänglich anerkannt. Man vgl. Lucas S 9 Sintenis zu Plut. Them. S. 14-16. Ekker prooem. Plut. Cim p. XVI. squ. und die von diesem angeführten Schriftsteller. Gegen Kimon war er vielleicht besonders darum übel gestimmt, weil dieser seine Vaterstadt unterworfen hatte. Dass er ein Zeitgenosse war, erhöht seine Glaubwürdigkeit nicht, vielmehr stand er wohl eben desshalb um so weniger auf einem unbefangenen historischen Boden und mag ungefähr den gleichen Werth als historische Quelle besitzen, wie manche Klatschblätter unserer Tagespresse, aus denen auch bisweilen sogenannte Geschichte fabrizirt wird.

43) Plut. Cim. 11 Thucyd. I, 99. Nach Thucyd. I, 96 waren nach Aristeides Bestimmungen, die einen ursprünglich zu Geldbeiträgen, die andern zu Schiffen verpflichtet. Vgl. K. F. Hermann Staatsalt. §. 157 1. Sintenis zu Plut. Pericl. 12. Damit scheint mir auch Plutarch mit Cim. 11, nicht im Widerspruche zu sein , wenn er sagt: έ δ ο μ Ε τ φ μ έ ά δ χ ν ώ έ ο π, , und zwar halte ich nicht einmal für nöthig nach dem Vorschlage von Sintenis ο έ statt ώ έ zu lesen, sondern glaube, dass ώ έ heisst, wie sie diese zu stellen hatten, und sich natürlich

auf die bezieht, denen diese Leistung auferlegt war. Drückt sich doch Thukydides selbst I, 99 ganz ähnlich aus: α δ ό τ ά χ ί μ α τ φ χ γ έ χ λ ε τ έ Aber offenbar unrichtig ist, was derselbe Plutarch im Pericl. 12 sagt: ο ί ο γ ο ό ά ζ μ τ, denn Landtruppen mussten auch die ν stellen. Vgl. Thucyd. II, 9: ο δ ά π χ ζ. Beispiele von Landtruppen, welche die Tributpflichtigen stellen, auch bei Thukydides häufig, unter andern IV, 42 V 2.

44) Anfangs waren auch die φ ν, welche durch freiwillige Uebereinkunft den φ übernommen hatten so autonom, als diejenigen, welche keinen φ zahlten, sondern Schiffe stellten. Allmählig wurden sie in Unterthänigkeit gebracht. daher zur Zeit des peloponnesischen Kriegs die Ausdrücke ν und ν fast synonym waren. Dass man aber auch damals den Unterschied noch wohl kannte, geht deutlich hervor aus der Bestimmung über die thrakischen Städte im Frieden des Nikias bei Thucyd. V. 18: τ δ π φ τ έ Α φ α ε.

45) Die Führung des Krieges gegen Karystos schreibt Lucas S. 33 auch dem Kimon zu. Es ist das möglich. aber eine bestimmte Nachricht darüber fehlt. Die Zeit lässt sich auch nicht genau bestimmen, nur das geht aus Thukydides hervor, dass sie zwischen die Einnahme von Skyros und von Naxos fällt. Ueber letztere Krüger a. a. O. S. 46 ff. und Wagner de Themistocle exule a. a. O.

46) Die neuen Unternehmungen Persiens in jener Zeit würden sich am leichtesten erklären, wenn wirklich Artaxerxes bereits seinem entmuthigten Vater Xerxes in der Regierung gefolgt gewesen wäre, wie das namentlich Krüger histor. phil. Studien S. 52 ff. mit Scharfsinn zu begründen sucht, indem er den Regierungsantritt des Artaxerxes Ol. 763/4 oder 473 setzt. Indessen sprechen doch für die entgegenstehende Angabe des Kanon, wonach Artaxerxes Ol. 78, 4 König wurde, sehr gewichtige Gründe. Vgl. Kleinert: Ueber den Regierungsantritt des Artaxerxes Longimanus in den Beiträgen zu den theolog. Wissenschaften von den Professoren der Universität zu Dorpat S. 1-282 und Wagner de Themistocle exule a. a. O.

47) Die Namen derselben wurden von den verschiedenen alten Geschichtsschreibern verschieden angegeben. Plut. Cim. 12. Diod. XI, 60.

48) Engel Kypros I. S. 274 ff. Die Fürsten der kyprischen Städte waren höchst wahrscheinlich persisch gesinnt, aber auch das Volk war dem hellenischen Leben und den hellenischen Interessen ziemlich entfremdet, wie wir dasselbe auch bei manchen griechischen Städten Kleinasiens finden, z. B. Phaselis nach Plut. Cim. 12. .

49) So Plut. Cim. 12. Diod. XI, 60 dagegen lässt ihn mit 200 Schiffen aus dem Peiraieus auslaufen und dann noch 100 Trieren von den Bundesgenossen an sich ziehen.

50) So Thucyd. I, 100. Andere Schriftsteller haben andere Zahlen, Diodor XI 62 lässt den Kimon in den verschiedenen in dem Feldzuge gelieferten Schlachten nicht weniger als 340 Trieren nehmen. Ohne Zweifel aber betrug die Zahl der eroberten nur 100. So schon das alte dem Simonides zugeschriebene Epigramm. Eben so viele mochten zerstört worden sein. Krüger a. a. O. S. 64 ff. Freudenberg S. 9. 10. Ekker zu Plut. Cim. 12.

52) Plut. Cim. 13: χ τ ό Φ τ α τ μ ω Ϋ π π δ τ έ Statt des unbekannten Hydros hat man verschiedene Conjekturen versucht, und namentlich Κ mit Hinsicht auf Polyean. I, 34 1 und Diod XI, 61. Indessen kann ich mich von der Richtigkeit dieser Vermuthung nicht überzeugen. Zwar kommt auch in dem Epigramm bei Diodor έ Κ vor, allein für die Hauptschlacht, und ich denke man darf nicht anstehen dafür die andere Lesart έ γ aufzunehmen, wie das Krüger S. 65 evident gezeigt. Wäre aber nach der Schlacht am Eurymedon Kimon noch nach Cypern gesegelt, so würde Thukydides das gewiss ausdrücklich erzählt haben. Dass dieser gar nichts von einem zweiten Gefechte sagt, liesse nun allerdings die Vermuthung zu, dass ein solches überhaupt nicht stattgefunden, und dann könnte man die Erwähnung eines solchen mit der Lesart έ Κ aus einer Verwechslung mit der spätern Expedition Kimons nach Cypern erklären. Allein ich kann mir nicht erklären, wie aus dem bekannten Κ hätte Ϋ entstehen sollen und glaube Thukydides konnte bei seiner gedrängten Kürze die Sache ganz übergehen, wenn die verhältnissmässig nicht sehr bedeutende Ueberraschung des phönizischen Geschwaders in der Nähe des Eurymedon vorging, also so zu sagen zu der ersten Schlacht gehörte. Daher wird unter Ϋ ein nicht sehr weit vom Eurymedon gelegener Ort an der Küste zu verstehen sein. Sollte vielleicht Ϋ denselben Ort bezeichnen, der später Σ heisst zwischen Korakesion und Hamaxia? Vgl. Strabo IV, 5. III, S. 221. Tauchn.-Steph. Byz.: Σ π Ι. Auch sonst weichen die verschiedenen Schriftsteller in der Erzählung der Schlachten dieses Feldzugs so von einander ab, dass eine befriedigende Vereinigung nicht möglich. Ich habe mich daher auf den Grund von Thukydides Erzählung , so kurz als möglich gefasst. Wer mehr wünscht lese Lucas S. 39 ff.

52) Ueber den sogenannten Kimonischen Frieden will ich nach den bekannten Arbeiten von Dahlmann und Krieger mich jeder weitern Bemerkung enthalten, indem ich die spätere Erfindung desselben für eine

erwiesene Thatsache ansehe. Sobald das anerkannt ist. bleibt es von ziemlich untergeordneter Bedeutung, ob man ihn an die Schlacht von Eurymedon wie Plutarch oder an den letzten Feldzug des Kimon gegen Cypern knüpft.

53) Es ist oben bemerkt worden, Anm. 2g, dass andere Nachrichten diesen Vorgang mit der Zurückführung von Theseus Gebeinen in Verbindung bringen. Ueber die Zeit der Rückkehr des Kimon vgl. Krüger a . a. O. S. 52.

54) Kimon war zuerst nach Athen zurückgekehrt, wie Plutarch Cim. 14 ausdrücklich sagt. Engel Kypros S. 276 fasst sicher die Sache schief auf wenn er sagt: "Es ist sehr auffallend, dass wir den Kimon jetzt (nach den Siegen am Eurymedon und bei Kypros, wie Engel meint) wieder abziehen sehen, um die Perser aus dem Chersones zu verjagen und Thasos zu erobern." Es ergiebt sich aus einer genauen Betrachtung, dass der Feldzug Kimons nicht sowohl Eroberungen bezweckte als einem Angriffe der Perser begegnen sollte. Nachdem dieser im Süden Kleinasiens glücklich zurückgeschlagen war, brachte gar nicht auffallender Weise der Sieger die grosse Beute in Athen in Sicherheit und wandte sich dann gegen die übrigen noch gefährdeten Punkte.

55) Plut. Cim. 10. Theopomp. bei Athenaeus XII. p. 533. Cornel. Neops 4. Aristoteles bei Plutarch, gewiss der glaubwürdigste Zeuge, beschränkt die offene Tafel auf die Demoten des Kimon,. die Lakiaden, was auch in der Unmöglichkeit der andern Nachricht, wonach alle Athener täglich Zutritt gehabt hätten, Bestätigung findet. Büttner S. 31. 32 nimmt aber davon keine Notiz und schiebt dem Kimon "die eines Staatsmannes unwürdige List unter, dass er die Armen in die Volksversammlung sogar durch künstliche Mittel hineinzog, um nachmals sie vermittelst ihrer selbst von einer wirksamen Theilnahme an den Staatsangelegenheiten gesetzlich auszuschliessen." Glaubt Herr Büttner wohl, dass Kimon so blind gewesen sei, vorauszusetzen, die niedrigere Volksklasse werde für ihren Ausschluss zustimmen? Es ist auffallend, wie gut er die thörichten Anekdoten über Perikles zu beseitigen weiss, dagegen bei Kimon alle Schmähungen oder Klatschereien benutzt und zum Nachtheile deutet.

56) Plut. Cim. 10. Das Epitheton ε ά 'e ist nach Meinecke's Bemerkung nicht ohne Beziehung auf den Lakonismus des Kimon. da man in Sparta einen ausgezeichneten Mann so zu nennen pflegte.

57) Plut. Cim. 13: λ δ χ τ μ τ ά δ χ δ μ ν τ ο τ δ π ε ε τ έ χ δ τ έ έ έ σ Κ ά ζ π χ λ β τ έ π έ

ζ π χ δ. . Die Nachricht ist freilich ziemlich zweifelhaft und Thukydides scheint den Anfang des Baues erst nach Kimons Verbannung zu setzen (I, 107). Doch liesse sich denken, dass er erst an die Erbauung der eigentlichen Mauern über dem Boden dachte, während bereits früher an den sumpfigen Stellen Vorbereitungen für die Fundamentirung gemacht wurden. Bei der grossen Unsicherheit der Chronologie in dieser Zeit wird es schwer sein, ein ganz festes Resultat zu erhalten, wenn uns nicht etwa noch ein glücklicher Inschriftenfund zu Hülfe kommt. Mir kommt es auch nicht sowohl darauf an, dem Kimon den Bau zu vindiziren, als den politischen Grund . den unter andern O. Müller de munimentis Athenarum p. 20. gegen seine Betheiligung daran geltend gemacht hat zu beseitigen. Offenbar verwechselt er Kimon mit jener volksfeindlichen oligarchischen Faktion, mit der er nichts gemein hat, wenn er sagt: Quanquam propter ea, quae Thucydides tradit tum Athenis partium studia fuisse, ipsum Cimonem huic operi invidioso illi apud optimatem factionem, non magnopere favisse crediderim.

57) Der Abfall von Thasos, der bei der bedeutenden Macht der Insel und dem Beistand, den sie von verschiedenen Seiten theils im Geheimen erhalten zu haben scheint, theils zu erhalten hoffte, Athens Herrschaft gefährlich bedrohte, ist wahrscheinlich in Ol. 78, 2 oder die erste Hälfte des Jahres 466 zu setzen, die Uebergabe in Ol. 79, 1 oder die zweite Hälfte des Jahres 464. Krüger setzt S. 145 die Uebergabe in die gleiche Zeit, den Abfall aber in 467, dagegen Rospatt Chronolog. Beiträge (die ich nur aus Anzeigen kenne) den Abfall 466, die Uebergabe 463. Da aber Thucyd. I, 101 deutlich sagt τ έ π ώ, im Laufe des dritten Jahres und nicht nach vollendeten drei Jahren, so muss man Uebergabe und Abfall um ein Jahr näher rücken, und da Ol. 79. 1 die sich zwischen die Jahre 464 und 463 theilt für die Uebergabe festzustehen scheint, den Krieg von 466-464 oder 465-463 setzen.

58) Plut. Cimon. 14 έ δ α έ Μ χπ ά π ώ έ μ σ α έ δ ν τ β Α δ. Diese Stelle Plutarchs ist die einzige wo der Gegenstand der Klage genannt ist, denn in dem Leben des Perikles e. 10 spricht derselbe Schriftsteller nur von einer α δ ohne sie näher zu bezeichnen. Nun erwähnt aber bekanntlich auch Demosthenes c. Aristocr. §. 205 eines Processes des Kimon. in dem er kaum dem Tode entgangen und zu 50 Talenten Strafe verurtheilt worden sei, Κ sagt er, ό τ π (v. l. Π μ π έ π τ μ ά ψ τ μ ξ έ π

χ δ τ έ Ich hatte früher mit Beibehaltung der Lesart π weil mir die andere Π entgangen war, diesen Process in Verbindung mit dem Process nach der Rückkehr von Thasos gebracht und an eine ungenaue Erinnerung des Demosthenes gedacht (die oligarchische Partei und die Hetairien in Athen S. 10). Lucas S. 49 macht ebenfalls mit Beibehaltung von π daraus einen zweiten Process, bald nach jenem ersten. "Aus diesem Grunde", sagt er: "ist Kimons kräftiges Einschreiten zur Erhaltung der alten Verfassung eben so begreiflich als die Anklage der demokratischen Partei, dass er die Herrschaft an sich gerissen habe. Er kam aus diesem äusserst gefährlichen allein von Demosthenes erwähnten Processe nur durch eine Mehrheit von drei Stimmen davon." Offenbar legt er in die Worte mehr als, die Richtigkeit der Lesart vorausgesetzt, darin liegen kann. Es ist nur von einem Verändern der Verfassung in willkürlicher Weise, nicht davon die Rede, dass er die Herrschaft an sich gerissen habe, unb wollten wir ein solches Eingreifen in die Verfassungsverhältnisse nebst einem daraus folgenden Processe annehmen, so müssten wir offenbar eher an die Zeit nach dein Sturze des Areopags denken, den Kimon wieder einzusetzen trachtete. Denn was soll er jetzt schon geändert haben? Ich halte aber auch das nicht für das richtige, sondern habe mich nach genauer und langer Prüfung vollständig überzeugt, dass die Lesart π so wie die von dem neusten Herausgeber der Rede g. Aristokrat., E W. Weber in Weimar, der übrigens den von Demosthenes genannten Process auch für denselben mit dem von Plutarch nach der Rückkehr aus Thasos erwähnten hält, aufgenommene Conjektur τ π π unrichtig und die von dem trefflichen Cod Σ gebotene Lesart Π allein richtig sei. Lesen wir nämlich π (oder π, was in dieser Beziehung ganz die gleichen Schwierigkeiten bietet), so würde die Stelle heissen: "weil er die alte (die bestehende) Verfassung auf seine eigene Faust hin (willkürlich) verändert habe." Diess würde also deutlich besagen, Kimon habe die Verfassung bereits verändert und zwar sie durch eigene Willkür verändert, d. h. wohl durch diktatorisches Einschreiten. Konnte aber etwas der Art bei den athenischen Verhältnissen auch nur von ferne statthaben? Konnte es statthaben, ohne dass uns sonst mit einem Worte davon berichtet wird und wäre, wenn es stattgehabt hätte, Kimon wohl der Todesstrafe entgangen? Konnte Demosthenes etwas Derartiges auch bei seinen mangelhaften historischen Kenntnissen erzählen? Ich glaube nicht. Offenbar hat man auch die Stelle nicht so gefasst, sondern nur an einen Versuch Kimons gedacht, wie das aus den oben angeführten Worten von Lucas erhellt und wie z. B. Büttner S. 31 es fasst. wenn er die Worte des Demosthenes übersetzt: "weil er

die von den Vätern herrührende Staatsverfassung aus eigenem Antriebe umändern wollte." Allerdings erwartet man etwas Derartiges, aber die Worte des Demosthenes besagen das nicht. Einen sogenannten Aoristus des conatus wird schwerlich Jemand hier statuiren wollen, da derselbe auf die Dichter und auch bei diesen auf eine mässige Anzahl von Verben beschränkt ist. Vgl. Francke Ztsch. f. A. W. 1845 S. 260 ff. Wenn der Redner das gewollt hätte, so hätte er sich, wenn nicht geradezu der Umschreibung mit έ oder π, doch wenigstens des Imperfektums bedient, wie Phillipp. III. §. 24 έ δ π έ χ π τ τ χ έ. Aber auch dann ständen immer noch dem έ έ die oben angeführten Schwierigkeiten entgegen. Diesen Schwierigkeiten entgehen wir nur, wenn wir die Lesart des besten Codex τ Π π aufnehmen, was mit Recht von Bekker, Dindorf und den Zürcher Herausgebern geschehen ist, denn Herr Weber zu Demosth. 1. 1. irrt gewiss, wenn er meint, sie hätten das nur gethan: satius esse haud dubie existimantes ubi integra scriptura desit, corruptam ut quae illius facile monstret vestigia servare quam sequi perspiuce falsma et perversam. Lesen wir so, so erhalten μ und έ έ sogleich ihre rechte Bedeutung; "weil er die Verfassung der Parier auf eigene Faust hin verändert hatte." Es ist nämlich bekannt, wie die Athener sich häufig in die Verfassungsangelegenheiten ihrer Bundesgenossen mischten und sie nach ihrer eigenen Convenienz anordneten. Meist geschah das natürlich in demokratischem Sinne vgl. u .a. Böckh Einleitung zum 7. olymp. Gedichte Pindars. Umgekehrt im oligarchischen Sinne wurde durch die oligarchische Partei im Jahre 411 eine Umwälzung in Samos versucht, in Thasos und auf andern Inseln wirklich durchgesetzt, Thucyd. VII, 64.73. Aehnliches konnte nun sehr gut zu Kimons Zeit geschehen und scheint an unserer Stelle Demosthenes anzudeuten. Kimon war mit den Aristokraten der meisten griechischen Staaten befreundet, es ist also sehr denkbar, dass er aristokratisch gesinnte Bürger der Insel Paros bei einer Verfassungsänderung unterstützte und zwar έ έ, sua solius auctoritate, ohne vom athenischen Volke Auftrag zu haben, ja gegen dessen Absicht. Dazu passt denn auch μ, da die Veränderung als durchgeführt zu denken ist. Was die Zeit betrifft, so ist für einen solchen Vorfall die des Thasischen Krieges ganz geeignet. Die Bundesgenossen, namentlich die aristokratische Partei unter ihnen, fingen damals an schwierig zu werden. Kimon, obwohl als bester athenischer Feldherr mit der Unterwerfung der Abtrünnigen beauftragt, wandte gewiss nicht gerne Gewalt an und wollte die Bundesgenossen lieber durch Milde und Nachsicht gewinnen, und man darf sich wohl nicht wundern, wenn diese Freundlichkeit bisweilen vorzugsweise

der Partei zu Theil wurde, zu der er hinneigte. Hatte er nun so durch seinen Einfluss eine aristokratische Verfassungsänderung in Paros durchgesetzt, so war sehr natürlich, dass man ihm in Athen, wo mittlerweile in den Gesinnungen eine demokratische Reaktion vorging, ein Verbrechen daraus machte und ihn wegen des Benehmens gegen Makedonien und in Paros auf den Tod anklagte. Man müsste dann annehmen, Plutarch oder schon seine Quelle habe die Sache etwas flüchtig berichtet und namentlich. weil die Freisprechung vom Tode erfolgte, darüber die Geldstrafe übergangen. So gefasst erscheint die Stelle als sprachlich richtig und historisch denkbar. Nichtsdestoweniger halte ich aber bei dem gänzlichen Stillschweigen aller andern Schriftsteller, bei der auffallenden Aehnlichkeit mit dem Process des Miltiades und bei der historischen Unzuverlässigkeit der Redner eine Vermengung von Kimons Process mit dem seines Vaters Miltiades für wahrscheinlicher, wie das H Sauppe de ausis magnitudinis iisdem et labis Athenarum p, 21 vermuthet hat, vgl. Funkhänel Ztschr. f. A. W. 1886 u. 130. Die von Weber aufgenommene Conjektur π muss ich also schon aus den angegebenen Gründen verwerfen, aber auch abgesehen davon sind die gegen π erhobenen Einwendungen unbegründet. Demosthenes hätte von seinem Standpunkte aus sehe gut die Verfassung, welche Kimon bekämpfte, die π π nennen können gerade wie Aristot. Polit. II. 9, die von Solon gegründete Demokratie so nennt: Σ δ έ ο ν γ σ ό τ γ χ λ ά ο χ δ τ δ π, χ δ χ τ π μ χ τ π

59) Die Form der Klage war die Eisangelia, und man darf sich durch die Worte, welche Plutarch Pericl. 10 gebraucht: η μ γ ε grec ό Π ν τ δ π und ο μ ά χ π τ λ ά ά τ π ά nicht verleiten lassen, an eine Probole zu denken; π heisst hier nur vom Boike ernannt, π bezeichnet die Klagerede des Perikles oder genauer den Theil derselben, worin er den Richtern den Sachverhalt auseinander setzte, vgl, Schoeman de comit. Athen. p. 228. 229.

60) Plut. Cim.: Μ δ τ χ έ ό Σ φ τ Ε ν τ Κ δ έ έ τ ν τ Π (ο γ μ τ χ ό σ τ δ μ Τ ε φ "γ ώ Ε ώ τ δ π" π έ γ τ δ π γ τ Κ χ π τ χ ά ά μ, ώ ά Aehnlich Pericl. 10. Es beruht die Geschichte also auch wieder auf der Autorität des Stesimbrotos und kann darum auf Glaubwürdigkeit wenig Anspruch machen.

Namentlich erscheint gar nicht wahrscheinlich, dass der immer besonnene und ruhige Perikles zuerst ό σ, der heftigste der Ankläger gewesen und sich dann durch die Bitten eines "alten Weibes" habe so weit umstimmen lassen, dass er bloss pro forma geklagt habe. Der gefährlichste unter den Anklägern, der war er freilich.

61) Ueber die Genossenschaft des Perikles vgl. Büttner S. 38. Meine Schrift über die Hetairien S. 10. 11. Von den Stellen der Alten besonders Plut. Pericl. 16 und praec. reipubl. gerend. 15.

62) Aus Plutarch, besonders Cim. 15 geht deutlich hervor, dass die lakonisirende aristokratische Tendenz Kimons wesentlich erst durch den Gegensatz der Partei des Perikles hervorgetreten ist.

63) Plut. Cim. 16 u. 14. Hier lässt Plutarch ihn in der Vertheidigung bei seinem Processe sagen, er sei nicht Gastfreund reicher Völker ά μ χά τ π α ε χ σ μ ο π π ά π ά τ π τ π ά Daraus macht Büttner S. 30 Folgendes: Er selbst sagt in dieser Beziehung, dass er den Lacedämoniern zugethan sei, weil er ihre Einfachheit und Besonnenheit ehre und derselben nachstrebe. Wir sehen daran, dass er die höhere Bedeutung des athenischen Geistes dem lacedämonischen gegenüber verkannte!

64) Das Erdbeben setzt Krüger S. 149 ff. ins J. 466, Rospatt 465 od. 464.

65) Die von Plutarch Cim. 16. 17 angenommenen zwei Züge der Athener nach Lakonika beruhen sicherlich auf Irrthum, wie das Krüger S. 154 und Müller zu Aeschyl. Eumeniden S. 118 gezeigt haben. Der Versuch Ekkers, die Angabe Plutarchs zu rechtfertigen, scheint mir nicht gelungen. Auf der andern Seite glaube ich, muss der Hülfszug des Kimon mit Lucas S. 50 weiter als Ol. 79. 1 herabgesetzt werden, obwohl ich bei den mangelhaften Nachrichten über die Chronologie jener Ereignisse nicht wage, das Jahr zu bestimmen. Ich stimme in dieser Hinsicht dem bei, was Schömann zu Aeschylos Eumeniden S. 101 sagt: "Wenn man die neuern Untersuchungen über diesen Gegenstand von Clinton, Lucas. Rospatt, Sintenis, Krüger, Freudenberg. Ekker unter einander vergleicht, so wird man auf die Hoffnung, ein sicheres und überzeugendes Ergebniss zu gewinnen, wohl Verzicht leisten."

66) Um Kimons Rath zu würdigen, und ihm nicht auch hier übertriebenen Lakonismus vorzuwerfen, muss man sich erinnern, das noch σ zwischen den beiden Staaten bestand, dass also Athen zu dieser Hülfe verpflichtet war. Die demokratische Partei wollte aber ihre Convenienz über die Bundespflicht setzen. Für Kimons Politik wirkte also damals in der athenischen Bürgerschaft noch das Gefühl der Bundespflicht und das Bewusstsein mit Sparta einem Volke anzugehören, mit

Sparta gemeinsam den Perser besiegt zu haben. Dieses "sittliche Element" hätte Büttner nicht ganz ignoriren sollen.

67) Bei dem Zuge nach Jthome wurde den Athenern keine Schwierigkeit gemacht, bei der Rückkehr aber machte Lachartos, wahrscheinlich ein korinthischer Beamte oder Feldherr Miene den Durchzug zu verweigern, allein Kimon fertigte ihn kurz ab. Plut. Cim. 17. Es kann diese Aenderung vielleicht nur eine Folge des von Sparta gegen die Athener befolgten Benehmens gewesen sein, wenn man sie aber in Verbindung mit Kimons Antwort: ά ο ν ώ Λ τ Κ χΜ π χ ά χ ε μ τ ό ά ά π τ μ δ, betrachtet, die sich offenbar auf die Kriege wit Megara bezieht, so möchte man vermuthen, dass in der Zwischenzeit Megara vom peloponnesischen Bunde zu Athen abgefallen war. Doch spricht die Reihenfolge der Erzählung bei Thukydides dagegen.

68) Thucyd. I, 102: ο δ Α έ ο έ τ β λ ά ά τ ν γ χ δ π χ ο ά ν Λ τ π ε έ ά ά τ γ έ τ Μ ξ π α Α τ έ π ξ έ χ π Θ ά ά ο α ό χ ξ χ. Hiermit tritt also Athen in ein ganz neues Stadium seiner äussern Politik, welches erst inri dem dreissigjährigen Frieden zu Ende geht, wo zwar nicht Symmachie zwischen den beiden Staaten eintritt, wohl aber sich gegenseitig einander ihre Symmachien anerkennen.

69) Wenn die Chronologie dieser ganzen Zeit, wie oben bemerkt, grosse Schwierigkeiten darbietet, so erreichen diese hier ihren höchsten Grad. Plutarch erzählt, nach der Rückkehr aus Lakonika sei Kimon exostrakisirt worden, Cim. 17, und zwar so, dass es scheint, er meine unmittelbar nach der Rückkehr. Ferner erzählt er ebendaselbst, dass er unmittelbar nach der Schlacht bei Tanagra, die man jedenfalls nicht später als in den Spätherbst 457, Ol. 80, 4 setzen darf (Krüger setzt sie 458. Ol. 80, 3) zurückberufen worden sei. Theopomp bei dem Schol. zu Aristid. Dindorf p. 528 sagt, ehe fünf Jahre verflossen seien, sei Kimon zurückberufen worden, weil die Athener gedacht hätten, er werde am ehesten den Frieden mit Sparta herstellen; ihm folgt Nepos Cim. 3. Combinirt man diese beiden Angaben, so würde also Kimon nicht später als Ol. 79. 3. 462 verbannt worden sein, und da unbestritten ist, dass die Massregeln des Ephialtes gegen den Areopag noch in die Zeit vor seiner Verbannung fielen, so dürften sie auch spätestens in Ol. 79, 3, eher aber noch etwas früher gesetzt werden. Es scheint sich das auf den ersten Anblick recht gut zusammenzufügen, jene Massregeln wären

während Kimons Abwesenheit in Lakonika durchgesetzt worden, bei seiner Rückkehr hätte er darüber aufgebracht allen seinen Einfluss angewandt, sie rückgängig zu machen, aber eben dadurch seinen Gegnern Anlass gegeben, die wegen des lakonischen Hülfszugs ohnehin gegen ihn gereizte Volkstimmung zu benutzen und ihn zu exostrakisiren. Allein bei genauerer Betrachtung hält diese Combination nicht Stich. Zunächst sagt Plutarch Cim. 15, Ephialtes habe die Angriffe auf den Areopag gemacht ώ π έ σ ξ als Kimon wieder zu einem Feldzuge in See gegangen sei. An den lakonischen Zug darf man also nicht denken. Hingegen liesse die Art, wie Plutarch es unmittelbar nach dem thasischen Krieg und dem darauf folgenden Process erzählt, vermuthen, er setze das Ereigniss zwischen diesen Process und den Feldzug nach Jthome. Bei der ganz unchronologischen Darstellung Plutarchs ist aber darauf nichts zu geben, sondern wir werden an die Zeit nach der Rückkehr von Jthome denken müssen, Diodor XI 77 fest nämlich den Sturz des Areopags in Ol. 80. 1 od. 460/59. Man kann nun freilich die vielen chronologischen Irrthümer Diodors zum Beweise anführen, dass er auch hier geirrt habe. Allein eine zweite ganz sichere chronologische Angabe kommt ihm hier zu Hülfe und lasst das Ereigniss nicht wohl weiter zurücksetzen. Es ist die Didaskalie zu Aeschyl. Agamemnon, wonach die Trilogie Agamemnon, Choephoren, Eumeniden unter Archon Philokles Ol. 80, 2, 458 gegeben wurde. Denn wenn man auch mit Schömann zu den Eumeniden S. 101, 102 zugiebt, dass die Eumeniden auch nach der Durchführung der Massregel des Ephialtes gegeben werden konnten, so wird man doch sicher nicht in Abrede stellen, dass sie in Beziehung zu derselben standen und man sie desshalb nicht mehrere Jahre (mit bloss zweien, wovon Schömann spricht, kommt man schwerlich aus, sobald man die Rückkehr gleich nach dei Schlacht bei Tanagra setzt) nach derselben setzen darf. Ich nehme deshalb an, Kimon sei nicht vor Ol. 80, 1 exosirakisirt worden. Damit stimmt dann freilich die Rückkehr gleich nach der Schlacht bei Tanagra nach Verfluss von nicht vollen fünf Jahren nicht, und diese Angabe, welche sich bei Plutarch Pericl. 10 Cim. 17 findet, glaube ich, müssen wir aufgeben, da Plutarch mit sich selber im Widerspruch ist und noch andere Schwierigkeiten entstehen. Plutarch sagt nämlich, Kimon habe gleich nach seiner Rückkehr den Frieden hergestellt, Cim. 18: ε μ ο ό Κ χ έ τ π χ δ τ π und doch ist der fünfjährige Waffenstillstand nicht vor Ol. 82, 2. 451/50 geschlossen worden, er ist also entweder nicht gleich nach der Schlacht bei Tanagra heimgekehrt, oder hat den Frieden nicht gleich geschlossen. Schwerlich auch wird man behaupten wollen, Kimon, der allerdings nach Andoc. de pace §. 3 und Nepos Cim 3 nach Sparta als

Friedensunterhändler gegangen zu sein scheint, habe 6-7 Jahre dort unterhandelt, um am Ende einen blossen Waffenstillstand von fünf Jahren zu Stande zu bringen. Ebenso auffallend aber wäre es, wenn Kimon, den man doch in dem gefährlichen Kriege auch mit Rücksicht auf seine Feldherrntüchtigkeit zurückberief, während so langer Zeit keine kriegerische That ausgeführt hätte, und doch werden zwar Tolmides, Myronides, Perikles in dieser Zeit als Feldherrn rühmlich genannt, er aber nirgends, Daher glaube müssen wir die Annahme, er sei gleich nach der Schlacht bei Tanagra zurückberufen worden, aufgeben, wodurch wir zugleich die Möglichkeit erhalten, seine Verbannung erst Ol. 80, 1 od. 2 zu setzen. Welcher Feldzug es gewesen. zu dem er in See ging, während Ephialtes die Macht des Areopags brach, können wir nicht mehr bestimmen, doch halte ich mit O. Müller zu den Eumeniden S. 118 für wahrscheinlich, dass man an eine Theilnahme an dem Kriege gegen Aegypten und Cypern denken muss.

70) Der conservative Charakter des Areopags lag nicht nur in der Zusammensetzung desselben aus Männern, welche dem grössern Theile nach auch damals noch den höhern Classen der Bürgerschaft angehörten, wie Schömann Einleitung zu den Eumeniden S. 47 richtig bemerkt, sondern auch und wohl in noch höherm Grade in dem Umstande, dass feine Mitglieder gegenüber den andern bloss auf ein Jahr gewählten Aemtern, allein ihre Stellen aus Lebenszeit hatten.

71) Plut. Cim. 16 Δ χ τ Κ, ώ έ, ά τ έ τ π τ ά τ σ χ π ά τ δ ά χ χ έ Κ; έ ά χ. τ. λ. das ά ά hat Ekker falsch erklärt: ab. inferioris ordinis atque dignitatis hominibus quibus Ephialtes cas commiserat rurus ad superius tribunal ad Areopagum revocare ή ά β ist vielmehr wegen seiner Lage der Areopag Plut. Solon. 19 ά τ δ ά heisst also nur die Processe wieder vor den Gerichtshof auf dem Areopag bringen, ohne den Gegensatz zu den niedern Classen der Bürger auszudrücken. Bei der έ Κ ά ist gewiss nur an die Stellung zu denken, die der Areopag in ihr einnahm und nicht an ein Ausschliessen der Theten vom Archontat.

72) Vgl. Anmerkung 58. Wenn Plutarch Cim. c. 15. sagt die Gegner des Kimon hätten auch wieder an sein Verhältniss zu Elpinike erinnert, so ist das möglich, obschon höchst unwahrscheinlich. Denn dieses übrigens gesetzlich erlaubte Verhältniss fällt über 20 Jahre früher und konnte gewiss nicht mehr als Agitationsmittel dienen. An einem damaligen Umgang Kimons mit der Schwester wird man um so weniger denken, als Perikles sie bereits einige Jahre zuvor eine γ nannte

und überdies sagt Plutarch deutlich τ π ν ά ά vgl. auch de sera uum. v. c. 6. Ganz unbegründet ist des Pseudo-Andokides Behauptung (c. Alcib. 33.) έ Κ ό τ ά τ ξ σ, als ob man wegen dergleichen den Ostrakismos angewendet hätte. Von Tzetzes kann es nicht verwundern wenn er Chiliad 1. 58. erzählt, Kimon sei wegen des Umgangs mit der Schwester in eine Strafe von 50 Talenten verurtheilt worden, vgl. Meier de bonis damnat. p. 5. not. 11. Was soll man nun aber dazu sagen, wenn man bei Büttner S. 32 liest: "Sehen wir . . dass erin seinem persönlichen Wandel die alte gute Sitte, zu deren Wiederhersteller er sich aufwarf, selbst so mit Füssen trat, dass er durch das Verhältniss zu seiner Schwester dem Volke wenigstens einen ostensiblen Vorwand lieh ihn zu verbannen . . . . .!" Da Kimon zur Zeit seiner Ehe mit Elpinike noch gar keine Stellung im Staate hatte, so ist diese Zusammenstellung eben so unbegründet als ungerecht, wie es überhaupt ein unpassendes Verfahren ist, Jugendfehler grossen Männern später vorzuhalten. Mit dem gleichen Rechte dürften wir auch die abgeschmackte Anekdote bei Athenaeus XlII. p. 589 gebrauchen, um den Satz zu begründen, Perikles habe seine hohe politische Stellung benutzt, um seinen sinnlichen Begierden zu fröhnen.

73) Den Armon klar die verrätherischen Umtriebe einiger volksfeindlichen Oligarchen irgend wie mit verantwortlich zu machen And wir dnrchaus nicht befugt. und wenn Büttner S. 3i behauptet. dass er eine Hetärie nur ans solchen Leuten habe bilden können. die nicht Aristokraten in seinem Sinne waren , sondern Oligarchen der schlechtesten Art. namlich der schon erwähnten Verräther vor ?er Schlacht von Tanagra so ist er den Beweis dakar schuldig geblieben. Denn kein Schriftsteller sagt, dass des Armon greci namentlich der Euthippos ans Anaphystos Verräther gewesen seien , sondern nur dass man sie des Lakonismus beschuldigte, aber wie Plutarch selbst sagt mit unrecht. Die Verbindung mit den Feinden, von Der Thukydides spricht ging von einigen wenigen Männern aus , eie wir nicht kennen . und mit denen wir nicht eie grec des Ainston identifiziren dürfen. Vgl. was K. F. Hermann Berk. Jahrh. t81:?. S. 186 richtig uber den Unterschied solcher einzelnen Verschwörungen und ganzen Hetärien sagt.

74) Plut. Pericl. 10. es ist das schwerlich eine Erfindung des Idomeneus gewesen, wie Plutarch zu meinen scheint, sondern ein von der Seite der Mörder und ihres Anhangs ausgesprengtes Gerücht. Eine frappante Aehnlichkeit bietet in der neuesten Zeit eie Ermordung des biedern Luzerner Demagogen Leu.

75) Die ältere Schweizergeschichte bietet ein ganz ähnliches Beispiel von warmer Vaterlandsliebe bei Verbannten und strenger Handhabung

des Gesetzes gegenüber denselben. Vor der Schlacht bei Morgarten 1315 hatten 50 verbannte Schweizer umsonst darum gebeten in den Reihen ihrer Brüder mitfechten zu dürfen. Abgewiesen, stellten sie sich ausserhalb der Landesgränzen auf und trugen wesentlich zu dem glänzenden Siege bei.

76) Ueber die Zeit der Zurückberufung des Kimon vgl. Anm. 69. Wer ein Beispiel recht abgeschmackter Klatscherei kennen lernen will findet es bei Athenacus XIII, p. 589 e. χ Κ δ Ε τ ά π σ έ ν έ Κ χ φ μ έ τ χ α ό Π τ τ Ε μ

77) Plut. Per. 10. praec. reip. ger. 15, 22. dass eine solche Verabredung statt gehabt habe ist so unwahrscheinlich nicht, eine andere Frage ist, ob wie es an der ersten Stelle erzählt wird, Elpinike die Vermittlerin war, was allerdings etwas an die Manier des Stesimbrotos erinnert. Vgl. Sintenis zu der Stelle.

78) Plut. Cim. 18. 19.

79) Ich habe mich hier an die einfache Erzählung des Thukydides (1, 112.? angeschlossen, gegen die die Abweichungen des Diodor XII, 3. 4. Plut. Cim. 19. Cornel. Nepos 3 nicht in Betracht kommen können. Dagegen lässt sich denken, dass bei der Kürze der Erzählung Thukydides untergeordnete Ereignisse übergeht. Eine Zusammenstellung der verschiedenen Nachrichten giebt Lucas S. 57. Anm. 67. der aber irrig den Anaxikrates bei Diodor zum persischen statt zum athenischen Feldherrn macht und Engel Kypros I. S. 278 ff. — Bemerkenswerth ist die von Plutarch c. 19 nach dem Rhetor Nausikrates aus Erythrae einem Schüler des Jsokrates mitgetheilte Nachricht, dass die Bewohner von Kition den Kimon in Folge eines Orakelspruchs als Heros verehrten. Begraben war er nicht dort sondern in der Familiengrabstätte vor dem Melitischen Thore zu Athen.

Beilage. Stammtafel des Kimon.

Kypselos 1)--ungenannte Frau zweimal vermählt --Stesagoras 2)
Miltiades Kimon ό Κ 4)
der Oekiste des Chersones 3) Stesagoras 5) Miltiades
der Sieger von Marathon. vermählt
1) mit einer Unbekannten 6)
2) Hegesipyle, Tochter des
thrakischen Fürsten Oloros. 7)
1 Metiochos 1 Elpinike 2 Kimon 2 Hesesipyle 8)
mit einer Perserin vermählt mit vermählt mit vermählt mit
vermählt 1 Kimon 1 Elpinike Oloros Mutter 2 Jsodike des Thukydides
Tochter des
Euryptolemos 9)
3 einer Arkadierin aus
Kleitor 10)

1) Kypselos war wahrscheinlich der Sohn des Hippokleides, Marcell. vit. Thucyd. 3 vgl. oben Anmerk. 4. Der Name weist auf Verwandtschaft mit dem Geschlechte der Kypseliden in Korinth, welche Herodot VI 128 bestätigt.

2) Herod. VI, 103 Wie Stesagoras mit den frühern Philaiden und namentlich Kypselos verwandt war, wissen wir nicht. Bömel nimmt übrigens, wie ich aus Bähr zu Herod. VI 38 sehe, an, die Mutter des Oekisten Miltiades und des Kimon Koglemos sei in erster Ehe mit Stesagoras, in zweiter mit Kypselos vermählt gewesen. Eine bestimmte Nachricht in mir unbekannt.

3) Er starb kinderlos Herod. VI. 38.

4) Herod. VI, 103. Plut. Cim. 11. Er wurde auf Anstiften der Peisistratiden ermordet, und wird deshalb nicht so unbedeutend gewesen sein, als der Spottname vermuthen liesse.

5) Im Prytaneum auf dem Chersones erschlagen, kinderlos. Herod. VI. 38

6) Herod. VI, 41 nach Marcell. Leben des Thukyd. §. 11 eine Athenerin, was durchaus wahrscheinlich.

7) Herod. VI, 39.

8) Diese Verwandtschaft unsicher vgl. Marcell. §. 2. 14. Eine andere Combination hat Krüger im Leben des Thukydides S. 34 versucht.

9) Plut. Cim. 16, 4. An ihr hing Kimon mit ungewöhnlicher Liebe. Sie gehörte dem Alkmaionidengeschlechte an, Euryptolemos war Sohn eines Megakles. Dass sie vor der Kleitorierin mit Kimon vermählt war, wird nirgends gemeldet, ich halte es aber für das wahrscheinlichere, weil wir aus Plutarch wissen, dass sie vor Kimon starb und weil es sehr natürlich erscheint, dass Kimon zuerst in seiner Heimat .

heirathete und erst später als er in ganz Griechenland Verbindungen hatte, eine Peloponnesierin zur Frau nahm. Auch die Namen der Söhne sprechen dafür.

10) Plut Cim. 16. Κ Pericl. 29. γ Α. Lucas und Ekker nehmen es gewiss irrig kür ihren Eigennamen. Geht aber vielleicht Κ Α ί Κ γ in der JInschrift C. J, n. 150 sie etwas an?

11) Nach Stesimbrotos bei Plut. Cim. 16 waren Lakedaimonios und Eleios zwei Zwillingsbrüder von der Kleitorierin, Thessalos von Jsodike, nach Diodor dem Periegeten ebendaselbst (vgl. Pericl. 29) war auch Thessalos von der Kleitorierin. Die drei andern werden genannt von dem Scholiasten zu Aristid. III, p. 515 Dindorf. Ihre Namen waren aus der Familie genommen, die der drei andern nach Proxenien. Da nun wahrscheinlich ist, dass Kimon zuerst die Familiennamen anwandte und da Peisianar ganz bestimmt auf die Familie der Jsodike weist, so habe ich keinen Anstand genommen, diese drei Söhne ihr zuzuschreiben, vgl, Xenoph. Hell. 1, 4, 19. Miltiades, Sohn des Kimon bei Andoc. de pac. §3. steht offenbar nur aus Irrthum, statt Kimon, Sohn des Miltiades.

Nachtrag zu Anm. 8.

Ich habe oben das achtzehnte Altersjahr als die Gränze der Vormundschaft angenommen, weil in diesem Jahre sie wenigstens aufhören konnte. Doch glaube ich mit Schömann de comit. Athen. p, 78, dass dieselbe auch habe bis zum zwanzigsten dauern können. Ausser den von Schömann angeführten Stellen vergleiche man noch Xenoph. Memorab. l, 2. 40: λ γ Α π ε έ ε Π έ ό έ ... τ δ. Nehmen wir das bei Kimon an, so könnte er also auch, wenn er bei des Vaters Tode noch unter Vormundschaft stand, noch um zwei Jahre älter gewesen sein, als ich oben vermuthete. ,