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Rektorats Reden © Prof. Schwinges

SPORT UND MEDIZIN

JAHRESBERICHT 1945/46

Druck: Art. Institut Orell Füssli A.-G., Zürich

INHALTSVERZEICHNIS Seite

I. Rektoratsrede 3

II. Ständige Ehrengäste der Universität 20

III. Jahresbericht 21

a) Dozentenschaft 21

b) Organisation und Unterricht 24

c) Feierlichkeiten und Konferenzen 30

d) Ehrendoktoren und Ständige Ehrengäste . . . . 30

e) Studierende 31

f) Prüfungen 34

g) Preisaufgaben 34

h) Stiftungen, Fonds, Stipendien und Darlehen. . . 35

i) Kranken- und Unfallkasse der Universität. . . . 37

k) Witwen-, Waisen- und Pensionskasse der Professoren der Universität 37

l) Zürcher Hochschulverein 39

m) Stiftung für wissenschaftliche Forschung an der Universität Zürich 41

n) Jubiläumsspende für die Universität Zürich . . . 47

o) Julius Klaus-Stiftung 50

IV. Schenkungen 55

V. Nekrologe 58

I.
FESTREDE
DES REKTORS PROF. Dr. ERNST ANDERES
gehalten an der 113. Stiftungsfeier der Universität Zürich
am 29. April 1946

Sport und Medizin

Die Beziehungen zwischen Sport und Medizin sind eng und vielgestaltig, aber während der Begriff Medizin feststeht und nicht näher umschrieben zu werden braucht, erweist sich die Definition des Sportes schon schwieriger, und da heute mit dem Worte "Sport" viel Missbrauch getrieben wird, scheint es mir zweckmässig zu sein, einleitend abzuklären, was bei den nachfolgenden Ausführungen unter dem Begriffe Sport zu verstehen ist.

Als Sport wollen wir diejenige körperliche Betätigung auffassen, die um ihrer selbst willen ausgeführt wird. Es ist der Zweck solcher Übungen, einzig und allein die körperliche Tüchtigkeit zu erhöhen und unter Überwindung allerlei Schwierigkeiten Höchstleistungen zu erreichen. Sport ist Kampf. Der Sport soll aber immer lustbetont sein, er ist ein Spiel mit freien Kräften. Der Sporttreibende muss sich gleichsam im Banne des von ihm ausgeübten Sportes befinden; es sind daher Sport und Zwang untrennbar miteinander verbunden. Nie aber darf Sport um des Gelderwerbes willen getrieben werden, was glücklicherweise bei der Wiederaufnahme der olympischen Spiele 1896 in Athen ausdrücklich betont und seither auch stets in diesem Sinne durchgeführt worden ist.

Seit Menschen existieren, haben vor allem die Männer, gelegentlich auch die Frauen die Leistungen ihres Körpers zu steigern versucht, sei es im Kampf mit den Tieren, in der Jagd, sei es, dass sie zum Kriege gegen den Menschen auszogen. Das Ziel war immer, auch wenn man zuweilen seine Fertigkeit in friedlichem

Wettkampf zu messen suchte, im Kampfe der Stärkere zu sein. Der wahre Sport jedoch will ohne irgendwelchen Nebenzweck einzig und allein die Tüchtigkeit des eigenen Körpers fördern und zu Höchstleistungen anspornen.

Nach Überlieferungen haben schon bei den Persern und den Chinesen, diesen ältesten Kulturvölkern, 3000 Jahre vor Christi Geburt, sportliche Übungen eine wesentliche Rolle gespielt.

Im klassischen Altertum wissen wir vornehmlich von den Griechen, dass bei ihnen die sportliche Betätigung in hohem Ansehen stand. Ursprünglich war auch bei ihnen der Sport das Privileg der Adeligen; da man aber den Wert der Körperkultur früh erkannte, wurden Leibesübungen für das ganze Volk gesetzmässig vorgeschrieben, ja der Sport bedeutete im alten Griechenland für jeden freien Bürger eine Art Gottesdienst.

Allerdings bestand ein wesentlicher Unterschied zwischen Sparta und Athen. Nach den gesetzlichen Vorschriften Lykurgs für Sparta zielten die vorgeschriebenen Leibesübungen in erster Linie auf Erhöhung der Wehrtüchtigkeit ab, die ganze körperliche Erziehung stellte eine Vorschule für den Krieg dar.

In ganz anderer Richtung bewegte sich die Gesetzgebung Solons für Athen. Die durch ihn gesetzlich vorgeschriebene körperliche Erziehung bezweckte nicht in erster Linie eine Ertüchtigung für das Waffenhandwerk; der junge Athener sollte nicht einfach ein hervorragender Krieger werden, sondern durch eine harmonische Erziehung in körperlicher und geistiger Hinsicht will er die Entwicklung zum kräftigen, aber gleichzeitig auch schönen Menschen erreichen, der sich im Krieg und Frieden als brauchbarer Bürger bewährt. Durch den Sport wurde bewusst Körperkultur getrieben, was auch später Plato unterstützte, wenn er die Jünglinge und Mädchen aufforderte, Schönheit durch Gymnastik und nicht durch Kosmetik zu erstreben. Wie vollkommen es den Griechen gelungen ist, durch ihre sportliche Betätigung nicht nur geistig hochstehende Menschen heranzubilden, sondern auch den Körper in idealster Weise zu formen, erleben wir immer wieder aufs neue bei Betrachtung der herrlichen plastischen Kunstwerke des griechischen Altertums.

Der Untergang Griechenlands bereitete auch der Pflege des Sports ein Ende. Wohl hat auch der Römer durch Leibesübungen seine körperliche Tüchtigkeit zu stärken versucht — er trieb hauptsächlich Wehrgymnastik — doch hatte er, der stets mehr Handelsmann und Soldat war, für den eigentlichen Sport den Sinn verloren.

Der Sport als erzieherisches Moment, als Körperkultur eines ganzen Volkes verschwand in der Folgezeit fast vollständig. Zwar finden wir auch im Mittelalter vereinzelt sportliche Tätigkeit. Denken wir an die Ritterturniere und die Fechtkunst, doch huldigten einem solchen Sport sozusagen ausschliesslich die Adeligen. Obwohl sich auch zu dieser Zeit immer wieder einzelne für eine vermehrte Pflege der Leibesübungen, speziell für die Jugend einsetzten, wurden kaum je wesentliche Erfolge erzielt. Erst gegen Ende des 18. und anfangs des 19. Jahrhunderts trat eine deutliche Wendung ein, indem namhafte Erzieher neben der geistigen auch eine vermehrte körperliche Ausbildung der Jugend forderten.

Kein Geringerer als Jean-Jacques Rousseau, der in seinem Roman "Emile" sich mit den Prinzipien der Jugenderziehung auseinandersetzt, verlangt neben der geistigen Erziehung auch eine vermehrte Ertüchtigung des Körpers, da nur durch eine Verbindung von Körper und Seele wirklich vollwertige Menschen herangebildet werden können. "Il faut réunir la force de l'âme et celle du corps."

Auch Heinrich Pestalozzi setzt sich bei aller Betonung der Wichtigkeit der seelischen Werte mit voller Energie für eine gute körperliche Schulung ein. Für ihn bedeuten Leibesübungen nicht nur ein geeignetes erzieherisches Mittel, sondern er ist der festen Überzeugung, dass sie auch wesentlich zur Festigung des Charakters beitragen. Er sagt: "Kann das Kind in unseren Schulen die Triebe seiner Natur zur physischen Bewegung gehörig befriedigen? Ja — insoweit es in die Schule und wieder heim geht darf es sich bewegen, aber in der Schule darf es kaum schnaufen." Damit will er die damaligen mangelhaften Zustände im Schulbetrieb energisch bekämpfen.

Zu gleicher Zeit erscheinen die bahnbrechenden Schriften von Guts Muths und Jahn über das Turnen und einen rationellen Turnunterricht. Das Turnen findet rasch Anerkennung beim ganzen Volke als vorzügliche körperliche Übung, besonders das Geräteturnen nimmt bald einen mächtigen Aufschwung. Immer neue Turngeräte werden erfunden, um eine möglichst allseitige Ausbildung des Körpers herbeizuführen. Gerade aber die Benützung von Geräten führte vielfach zum Turnen in staubüberfüllten Turnhallen; auch wurden die Übungen immer komplizierter und bildeten sich zu einem eigentlichen Drill aus, der weit entfernt war, den Zweck zu erfüllen, den wir vom wahren Sport erwarten. Es handelte sich nicht mehr um eine Ausbildung des Körpers um seiner selbst willen, die komplizierten Übungen verlangten eine starke Mitbeteiligung des Geistes und die Freude an der körperlichen Anstrengung ging für viele verloren.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde England zur Geburtsstätte des modernen Sportes. Von hier aus hat sich der Sport über Amerika nach Europa ausgebreitet und in einem wahren Siegeszug die ganze Welt erobert. Unsere Jugend ist heute dem Sport verfallen, und man darf wohl sagen, dass er unser Volksleben zum Teil beherrscht. Eine Bewegung aber, die mit solcher Vehemenz und in so kurzer Zeit in allen Ländern Aufnahme gefunden hat, trägt die Berechtigung ihrer Existenz in sich selber.

In England waren es anfänglich die Bemittelten, vor allein auch der Adel, die den Sport pflegten. In den Schulen des Adels, an den Universitäten von Oxford und Cambridge, hat die heutige Sportbewegung begonnen, sie dehnte sich dann aber rasch auf die übrigen Mittel- und Hochschulen aus, um schliesslich das ganze Bürgertum zu erfassen. 1829 fand der erste grosse Wettkampf, der sich später zum berühmtesten Sportereignis auswuchs, im Achterrudern zwischen Oxford und Cambridge statt und bereits 10 Jahre später, 1839, wurde in Henley unter der begeisterten Beteiligung des Publikums die erste bürgerliche Regatte ausgetragen, so schnell hatte sich dieser Sport, von den Hochschulen ausgehend, des ganzen Volkes bemächtigt.

Im Laufe der Jahre entwickelten sich die sportlichen Wettkämpfe

mehr und mehr, vor allem auf bürgerlicher Seite; neben dem Rudern finden weitere Sportarten Anerkennung, wie Schwimmen, Fussball, Tennis, Boxen, Hockey, Segeln, Golf und die verschiedenen Formen der Leichtathletik. Man hatte einsehen gelernt, dass die einseitige geistige Erziehung in den Schulen und Hochschulen unter Vernachlässigung jeder körperlichen Ausbildung nicht genügte, um vollwertige Menschen heranzubilden! Der Ausspruch des römischen Satirendichters: "Mens sana in corpore sano" wurde erneut zu einer ernsten Forderung.

Gegen eine Änderung des Lehrprogramms mit vermehrten sportlichen Übungen setzte sich aber, wie kaum anders zu erwarten war, der Lehrkörper energisch zur Wehr, und auch in unserem Lande bestand und besteht zum Teil heute noch ein grosser Widerstand gegen eine durchgreifende Reform. Man behauptete, dass die Einschaltung körperlicher Übungen in den Stundenplan die Schüler zu sehr ermüde, um nachher wirklich aktiv am weiteren Unterricht teilzunehmen, und doch haben genaue Untersuchungen gerade das Gegenteil bewiesen, indem die Aufnahme- und Reaktionsfähigkeit nach einer gut durchgeführten Turnstunde stets grösser war.

Richtige sportliche Betätigung führt nicht nur zu einer besseren Entwicklung von Muskeln und Gelenken und damit zu einer grösseren körperlichen Leistungsfähigkeit, sondern wir wissen heute, dass der Sport eine günstige Wirkung auf den gesamten Organismus auszuüben vermag. Wir erinnern uns an den Ausspruch Solons, dass neben der geistigen Erziehung erst eine entsprechende körperliche Betätigung den schönen und kräftigen Menschen heranzubilden vermag, der sich in jeder Situation zu behaupten weiss.

Jeder Sport wird nach gewissen feststehenden Regeln, die sich der Sportverband selbst gegeben hat, betrieben. Die Beobachtung aller dieser Regeln ist für den wahren Sportler eine Selbstverständlichkeit; jeder Verstoss gegen dieselben wird in strengster Weise geahndet. Der unfaire Spieler, manchmal sogar das ganze Team, wird wegen grober Verstösse gegen die Spielvorschriften durch die eigenen Mitspieler, für kürzere oder

längere Zeit von jeder Teilnahme an Wettkämpfen ausgeschlossen. Nur das faire Spiel gilt im wahren Sport; so wird der Spieler durch Selbsterziehung zu vorbildlicher Disziplin gezwungen.

Der Sportler kämpft im Grunde genommen stets gegen sein eigenes Resultat und hat das Bestreben, es immer wieder zu verbessern. Nicht die Umgebung, und das scheint mir ein wesentlicher Faktor zu sein, zwingt ihn zu stetiger Verbesserung seiner Leistungen, aus sich selbst heraus erwächst der Wille, womöglich Höchstleistungen zu vollbringen. Diese Einstellung, gute Leistungen stets durch bessere zu überbieten, beseelt den wahren Sportbeflissenen.

Als richtiger Sportkämpfer wird sich nur der behaupten können, der den Kampf, solange auch nur noch ein Funken von Hoffnung auf Erfolg besteht, nicht aufgibt und, selbst wenn die Siegeschancen verpasst sind, trotzdem bestrebt ist, bis zum Schlusse durchzuhalten, um noch ein möglichst gutes Resultat zu erreichen. Mit Ausdauer, Zähigkeit und Verbissenheit verfolgt der richtige Sportler sein Ziel, und stets wird er versuchen, auch das Letzte aus seinem Körper herauszuholen, um dasselbe zu erreichen.

Wer an sportlichen Wettkämpfen mitmacht, wird es immer wieder einmal erleben, dass es ihm nur mit grösster Mühe und äusserster Kraftanstrengung gelingt, das vorgeschriebene Ziel zu erreichen. Ich erinnere mich an Bergtouren, bei denen wir, nur noch ein relativ kleines Stück vom Gipfel entfernt, uns vollständig erschöpft niederlegten und eigentlich entschlossen waren, die Tour, trotz der Nähe des Zieles, abzubrechen. Die echte sportliche Einstellung gab das aber nicht zu, und durch eine letzte Anstrengung gelang es, trotz allem den Berg zu bezwingen. Es ist in solchen Fällen nicht die herrliche Aussicht, die lockt, und auch nicht, wie viele unsportliche Leute glauben, der falsche Ehrgeiz, um sagen zu können, man hätte diesen oder jenen Berg bestiegen. Nein, der wahre Dank für die grosse Anstrengung liegt einzig und allein darin, dass man mit sich selbst zufrieden ist. Es erfüllt einen mit Stolz, trotz aller Schwierigkeiten den vorgefassten

Plan zu Ende geführt zu haben, und man freut sich, dass der Körper sich fähig erwiesen hat, die verlangte Leistung zu vollbringen.

Es gibt speziell junge Leute, die an sportlichen Leistungen nur dann Gefallen finden und Freude haben, wenn diese auch mit Gefahren, selbst Lebensgefahr, verbunden sind. Das trifft vornehmlich zu für den Flug- und den Bergsport. Wir erinnern uns noch der jahrelangen Anstrengungen, mit denen Bergsportler vor dem Kriege immer wieder versuchten, die Eigernordwand zu ersteigen. Menschenopfer mussten gebracht werden, bis schliesslich doch des Menschen Kraft siegte und der Berg bezwungen wurde. Wer aber glaubt, diese Leute hätten das Wagnis nur unternommen, um ihrer erstaunlichen Leistungen wegen öffentlich gepriesen zu werden, der gibt sich einer grossen Täuschung hin. Man vergewissere sich, mit welcher Sorgfalt solche Unternehmungen jeweilen vorbereitet worden sind. Durch genaues Studium des Berges musste die ganze Tour bis in alle Einzelheiten ausgeklügelt werden, eben deswegen, weil man die Gefahren, die zur Tat reizten, nur allzugut kannte, aber man wollte siegen und nicht leichtsinnig sein Leben aufs Spiel setzen. Es muss einem zur Erkenntnis kommen, dass diese Menschen von einem ganz besonderen Sportgeist, den viele von uns einfach nicht begreifen können, erfüllt sein müssen; ihnen ist eben für die Durchführung ihres Planes und die Erreichung des gesetzten Zieles kein Opfer zu gross. Das Lob und die Anerkennung ihrer Mitmenschen sind für sie ohne jede Bedeutung, ihnen genügt die eigene innere Befriedigung, und sie freuen sich, dass der Erfolg, wenn auch nur unter Einsatz des Lebens, erzwungen werden konnte. "Und setzest du nicht das Leben ein, nie wird dir das Leben gewonnen sein", sagt Schiller in seinem herrlichen Studentenlied. War nicht auch Whymper, der als der erste Bezwinger des Matterhorns so sehr bewundert wird, von dem gleichen Geiste beseelt ?

Betrachten wir zum Schlusse noch den Gruppensport, so muss es uns erst recht zum Bewusstsein kommen, wie nur eiserne Disziplin, das Zusammengehörigkeitsgefühl echtester Kameradschaft

einer Kampfgruppe zum Siege verhelfen kann. Jeder muss sich befleissen, das Höchste zu leisten, gleichzeitig aber auch für den anderen einzustehen, ihm seine Hilfe zuteil werden lassen, sofern er sie notwendig hat. Immer wieder lesen wir von eigentlichem Heldentum, sei es im Krieg, sei es auch im friedlichen Wettkampf, wie unter grössten Gefahren und oft nur durch Einsatz des eigenen Lebens Kameraden gerettet worden sind. Keine menschliche Tat besitzt in dieser Beziehung wohl höheren Wert.

So wird durch den Sport der junge Mann zur Disziplin erzogen. Er wird angeregt, gute Leistungen durch bessere und diese durch Höchstleistungen zu überbieten, nie mit dem eben Erreichten zufrieden zu sein, sondern immer vorwärts zu streben und das Ziel höher zu stecken. Er wird aber auch erfahren, dass er das nur durch Fleiss und Ausdauer erreichen kann und dass gar oft der Kampf mit Zähigkeit und Verbissenheit geführt werden muss. Diese Charaktereigenschaften, die der Einzelne sich im Sport erworben hat, werden aber bei ihm so in Fleisch und Blut übergehen, dass er auch in all seinem übrigen Tun und Handeln sich von den gleichen Prinzipien wird leiten lassen. Es ist vielleicht doch dieser Tatsache in erster Linie zu verdanken, dass der Engländer, dessen Erziehung neben der geistigen Bildung die zielbewusste körperliche Schulung von jeher stark betonte, als Kulturmensch sich heute allgemeiner Achtung erfreut; in England sind heute die Begriffe Gentleman und Sportsman fast gleichbedeutend.

An einer Bewegung, die sich die Vervollkommnung des menschlichen Körpers zum Ziele setzt und an der das ganze Volk das lebhafteste Interesse nimmt, kann und darf die Medizin nicht achtlos vorübergehen. Neben den Erziehern waren es daher immer die Ärzte, die sich gegen die einseitige geistige Ausbildung zur Wehr setzten und dringend eine entsprechende körperliche Ertüchtigung forderten.

Schon Hippokrates studierte die Wirkung der Leibesübungen auf den menschlichen Körper, von ihm stammt der Satz: "Ein Mensch, welcher isst, kann nicht gesund sein, wenn er nicht

Leibesübungen treibt." Hippokrates verlangte aber nicht nur eine Ertüchtigung des gesunden Körpers durch entsprechende Leibesübungen, er interessierte sich vor allem auch dafür, wie durch geeignete gymnastische Übungen gewisse Krankheiten günstig zu beeinflussen wären.

Auch unter den Lehrern, die im griechischen Gymnasion die Leibesübungen leiteten, gab es bereits einzelne, die versuchten, durch Massage und ganz bestimmte Bewegungsübungen auf Krankheiten günstig einzuwirken oder sie gar zu heilen. Da sie aber über keine richtigen Kenntnisse in der Heilkunde verfügten, gerieten sie rasch mit den eigentlichen Ärzten in Widerspruch und wurden als Kurpfuscher verfolgt und verachtet.

Galen, einer der berühmtesten Ärzte des Altertums, befasste sich in seinen Schriften ebenfalls mit den Leibesübungen. Nach ihm ist die Gymnastik ein Teil der Gesundheitspflege, diese aber bildet einen Teil der Hygiene. Die Hygiene ihrerseits gehört zum ärztlichen Tätigkeitsgebiete, und deshalb hat sich auch der Arzt mit der Gymnastik zu befassen.

Viele Ärzte haben sich in den früheren Jahrhunderten entschlossen für die Pflege der Leibesübungen eingesetzt, ich möchte einige wenige Beispiele anführen.

Im 16. Jahrhundert war es vor allem Hieronymus Mercurialis, der als Professor der Medizin in Padua, Bologna und Pisa wirkte und sich durch eine kritische Herausgabe der bedeutendsten Schriften des Hippokrates einen bleibenden Ruhm erworben hat. Durch seine Schrift "libri de arte gymnastica" setzte er sich für die Verwendung der Gymnastik zur Gesundung des Körpers ein. Er unterscheidet eine hygienische und eine athletische Gymnastik, bekämpft aber die letztere als absolut fehlerhaft.

Im 17. Jahrhundert ist es besonders der Arzt John Locke, der als bedeutender Erzieher und Staatsmann eine gute körperliche Schulung als bestes Mittel für eine erfolgreiche Charaktererziehung fordert.

Im 18. Jahrhundert ist vornehmlich der Franzose Simon André Tissot zu erwähnen. Seine Schrift von der Gesundheit der Gelehrten, die 1786 in Zürich erschienen ist, erregte berechtigtes

Aufsehen. Er erwähnt vor allem die ungesunde Wirkung der sitzenden Lebensweise und der körperlichen Untätigkeit, er zieht ausdrücklich gegen die Stubenhockerei der Gelehrten los und gibt Verhaltungsmassregeln, die Vorbeugung und Abhilfe schaffen. Auch für die Jugend setzt er sich ein, indem er schreibt, dass "deren sitzende Lebensweise ihre eigene Gesundheit und ich darf wohl sagen das Glück der Gesellschaft zu Grunde richtet". Sein Namensvetter, der Schweizerarzt Clemens Joseph Tissot, dessen "Gymnastique médicale et chirurgicale" 1782 ebenfalls in Zürich erschienen ist, betont vor allem den Wert gymnastischer Übungen für das weibliche Geschlecht. In einem besonderen Kapitel gibt er "Anweisungen, nach welchen man die Bewegung bei der Heilung von Krankheiten vorschreiben muss".

Als aber gegen Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts der Sport von den breiten Massen des Volkes Besitz ergriff, da nahmen auch die Ärzte an dieser Bewegung immer regeren Anteil. Die Zahl der wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit physiologischen und hygienischen Problemen des Sportes befassen, stieg ins Unendliche. Die Bewegungsmechanik wurde bis in die feinsten Einzelheiten erforscht, wobei der Film mit seinen Zeitlupenaufnahmen hervorragende Dienste leistete. Neben der Hygiene der Leibesübungen entsteht eine normale und pathologische Sportphysiologie. Es werden besondere Hochschulen für Leibesübungen gegründet. Nationale und internationale Kongresse werden zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der sportlichen Übungen abgehalten. Es entsteht bis zu einem gewissen Grade ein neues Spezialfach auf dem Gebiete der Medizin, dessen Vertreter der Sportarzt ist.

Worin nun bestehen die Aufgaben eines Sportarztes? Gewiss gehört es nicht zu den Haupterfordernissen, dafür besorgt zu sein, durch entsprechende Übungen die körperliche Tüchtigkeit zu fördern, sondern es ist vielleicht ebenso wichtig, in vielen Fällen dahin zu wirken, dass durch sportliche Tätigkeit kein körperlicher Schaden verursacht werde. Durch genaue ärztliche Untersuchung, speziell durch funktionelle Prüfung der verschiedenen Organsysteme, ist die Leistungsfähigkeit des Körpers festzustellen

und auf Grund der erhaltenen Resultate die Art des Sportes, die entsprechend der vorhandenen Konstitution ganz verschieden sein kann, zu bestimmen. Für eine solche individuelle Beratung scheint mir allerdings eine wichtige Voraussetzung zu sein, dass der Sportarzt mit den neuesten Forschungsergebnissen der Physiologie bekannt sei und er den Sport und dessen Anforderungen an den Körper nicht nur aus den Büchern, sondern aus eigener Erfahrung kenne.

Die Dringlichkeit einer ärztlichen Beratung hat sieh namentlich durch die Einführung des Sportabzeichens gezeigt. Eine ganze Anzahl speziell älterer Männer, die sich vom Ehrgeiz verleiten liessen, auch in ihrem Alter noch in den Besitz dieses Ehrenzeichens zu gelangen, haben schweren, zum Teil irreparablen körperlichen Schaden davongetragen, einfach weil sie ihrem, vielleicht untrainierten Körper plötzlich zu grosse Anstrengungen zugemutet haben. Mit zunehmendem Alter stellen sich an gewissen Organsystemen, vor allem am Zirkulationsapparat, Veränderungen ein, die zur Vorsicht mahnen. Wer seine Leistungsfähigkeit noch möglichst lange erhalten will, muss jetzt beginnen, mit seinen Körperkräften haushälterisch umzugehen. Niemand kann ungestraft von einem untrainierten Körper plötzlich Höchstleistungen verlangen; nur wer systematisch und regelmässig trainiert, wird die körperliche Leistungsfähigkeit fortwährend erhöhen können; im übrigen ist es ja gerade dieses fortgesetzte Training, das nicht nur die körperliche Erstarkung, sondern auch die geistige Förderung im Sinne der Charakterbildung mit sich bringt.

Nicht jeder Sport eignet sich für jeden Körper; hier muss der Sportarzt beratend eingreifen. Die Leistungsfähigkeit des Körpers in sportlicher Hinsicht wird zu einem grossen Teil durch dessen Konstitution bestimmt. So verlangt zum Beispiel der Rudersport vor allem eine vorzügliche Ausbildung der Knochen und der Muskulatur des Schultergürtels und der oberen Extremitäten, während im Gegensatz dazu der Gehsport die gleichen Anforderungen an den Beckenring und die unteren Extremitäten stellt. Aber auch die Beschaffenheit anderer Organsysteme, vor

allem der Atmungsorgane und des Zirkulationssystems, haben eine wesentliche Bedeutung. Man hat feststellen können, dass der Kurzstreckenläufer durch entsprechendes Training so weit kommen kann, dass er durch kräftige Einatmung vor dem Start seine Lungen so auffüllt, dass er bis ans Ziel überhaupt keinen Atemzug mehr machen muss; der Langstreckenläufer aber ist gezwungen, seine Atmung auf Dauerleistung einzustellen. Natürlich spielt in beiden Fällen die Konfiguration des Brustkorbes eine wesentliche Rolle.

Da die körperliche Beschaffenheit für die sportliche Leistung von ausschlaggebender Bedeutung sein kann, ergibt sich ganz von selbst, dass nicht jede Sportart, die dem männlichen Körper zuträglich ist, sich auch für den wesentlich anders gebauten weiblichen Körper eignet.

Der Mann ist grösser und schwerer, seine Körperform ist infolge des stärkeren Knochenbaues und der mächtiger entwickelten Muskulatur eckig. Der Mann hat kräftigere Lungen und ein grösseres Herz. Die Form des Frauenkörpers ist neben dem durchwegs grazileren Bau durch entsprechende Fettablagerung abgerundeter, harmonischer. Während die Sportlerin diese Fettreserven als sogenanntes Ballastfett womöglich zum Verschwinden zu bringen sucht, wissen wir heute aber, dass diese für den weiblichen Körper charakteristische Fetträume darstellen, die für das physiologische Wachstum der Organe in der Schwangerschaft eine absolute Notwendigkeit sind. Dieses Fett bildet aber auch eine Brennstoffreserve, die gerade in der Gravidität, speziell zu Beginn derselben, wenn durch Schwangerschaftstoxikosen die Ernährung geschädigt wird, eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat. Herz und Lungen der Frau sind kleiner, der Puls daher frequenter und die Atemzüge schneller. Der Schwerpunkt des männlichen Körpers liegt im Schultergürtel, derjenige des Frauenkörpers im Beckenring. Der Körperbau des Mannes ist für den Kampf gebaut, Kampf mit Mensch oder Tier, zur Sicherung der Existenz. Der Frauenkörper ist für die Fortpflanzung, für die Erhaltung des Menschengeschlechtes bestimmt.

Für die Frau eignen sich nur diejenigen Leibesübungen, die ihrem Körperbau angepasst sind. Es sind das vor allem Sportarten, die hauptsächlich den Beckengürtel beanspruchen, die in der Hauptsache rhythmische, in gewissem Sinne schwingende Bewegungen verlangen. Körperliche Anstrengungen, die in erster Linie starke Kraftentfaltung erheischen oder die mit starken Erschütterungen des Körpers verbunden sind, sind der Frau viel weniger zuträglich.

Die Frage, welche Form des Sportes sich für die Frau besonders eignet, lässt sich bis zu einem gewissen Grade vielleicht am leichtesten in dem Sinne beantworten, dass man sagt, alle Sportarten, bei denen die Spitzenleistungen von Mann und Frau nahe beieinanderliegen, seien auch dem Frauenkörper zuträglich. Wir wissen, dass im Rudersport und im Geräteturnen, um ein Beispiel zu geben, die Frauen nie Höchstleistungen hervorgebracht haben, was eben darin begründet ist, dass diese Sportarten eine forcierte Leistung des Schultergürtels verlangen, der, wie schon gesagt, bei der Frau nur schwach ausgebildet ist.

Es ist schon oft darauf hingewiesen worden, dass verschiedentlich Frauen in Sportarten, die sich für den Frauenkörper scheinbar nicht eignen, doch Hervorragendes zu leisten imstande sind, dass aber diese sportliche Tätigkeit zu einer Vermännlichung ihres Körpers führte. Wenn wir die Photographien bekannter Sportlerinnen betrachten, können wir vielfach feststellen, dass sie zum Teil einen männlichen Habitus besitzen. Neuere Untersuchungen scheinen indessen zu beweisen, dass es nicht durch den Sport zu einer Vermännlichung gekommen ist, sondern, dass vielmehr Frauen mit einem mehr oder weniger männlichen Habitus sich vermehrt zu männlichem Sport hingezogen fühlen und es aus diesem Grunde auch in solchen Disziplinen zu Höchstleistungen bringen können.

Wenn wir es aber in jeder Hinsicht begrüssen und als notwendig erachten, dass auch das weibliche Geschlecht durch geeignete Sportarten seine körperliche Tüchtigkeit zu vermehren sucht, so sprechen doch wichtige Gründe, die nie genug betont werden können, dafür, dass die Frau im Interesse ihrer körperlichen

Gesundheit an allgemeinen, grossen Kampfsportveranstaltungen nicht teilnehmen sollte.

Der rhythmische Zyklus, der sich bei jeder gesunden Frau während der Zeit der Geschlechtsreife abspielt und sich äusserlich durch das Auftreten der Menstruationsblutung kennzeichnet, verbietet der Frau, rücksichtslos einem Training, wie es solche Veranstaltungen fordern, obzuliegen. Die Frau ist in diesen Tagen eine Verletzte, Verwundete, und muss sich, wenn sie nicht körperlichen Schaden nehmen will, einer grösseren Schonung unterziehen. Es darf wohl betont werden, dass es keinem Sportler einfallen wird, zum Wettkampfe anzutreten, wenn er an einem lebenswichtigen inneren Organ eine blutende Wunde besitzt. Frauen sind in dieser Beziehung viel sorgloser, ja, ich möchte sagen, gleichgültiger; wenn sie für den Kampfsport trainieren, setzen sie sich allzuleicht über solche Vernunftgründe hinweg und nehmen lieber die daraus resultierenden Körperschädigungen in Kauf; Schädigungen durch den Sport sind aber bei der Frau wegen der Fortpflanzung immer höher einzuschätzen als beim Manne. Wie gleichgültig die Frauen hier sein können, geht aus einer Arbeit von Schöppe hervor. Sie musste bei einem Wettschwimmen die Beobachtung machen, dass 3/4 der Teilnehmerinnen, die zum Wettkampf antraten, menstruiert waren, und schreibt mit Recht, dass, ganz abgesehen von der Gefahr der körperlichen Schädigung, der sich diese Wettkämpferinnen aussetzten, solche Tatsachen auch in hygienischer Beziehung zu denken geben, da diese Teilnehmerinnen den anderen zumuten, in dem mikroskopisch verschmutzten Wasser zu schwimmen.

Es ist aber nicht nur Gleichgültigkeit, die die Frau zu solch unvorsichtigem Vorgehen verleitet. Die Frau ist im allgemeinen viel ehrgeiziger als der Mann. Wenn die Kampftage auf eine ungünstige Zeit fallen, in der die allgemeine Leistungsfähigkeit an und für sich öfters etwas herabgesetzt ist, wird die Frau, wenn sie einmal zum Kampfe angetreten ist, ohne Rücksicht auf ihren physischen Zustand verbissen kämpfen und in sehr vielen Fällen in unverantwortlicher Weise viel zu grosse Anforderungen an ihre körperliche Leistungsfähigkeit stellen.

Eine grosse Gefahr bilden in dieser Hinsicht für die Frau auch Gruppenkämpfe. Da ihr Gefühlsleben viel ausgesprochener entwickelt ist, wird sie aus Kameradschaft und Treue ihren Mitspielern gegenüber sich nicht entschliessen, vom Kampfe abzustehen; lieber findet sie sich mit einem körperlichen Schaden ab, als dass sie ihre Partner im Stiche lässt. Der Mann ist in dieser Hinsicht viel mehr auf sein eigenes Wohl bedacht.

Das ganz anders, viel feiner entwickelte Gefühlsleben der Frau bringt es auch mit sich, dass Frauen Niederlagen im Kampfe viel schlechter ertragen und in ihrem Gemütsleben sehr oft viel zu stark erschüttert werden. Sieg erträgt die Frau im allgemeinen besser als der Mann, es entspricht ihrer Bescheidenheit, dass sie einen solchen viel gelassener nimmt und daraus kein grosses Wesen macht.

Alle die angeführten Tatsachen scheinen mir absolut dafür zu sprechen, dass die Frau an öffentlichen grossen Kampfsport-Veranstaltungen sich nicht beteiligen sollte, da die Gefahr, dabei Schaden zu nehmen, ausserordentlich gross ist. Wettspiele im engeren Freundeskreise sind selbstverständlich auch der Frau gestattet, ja sie sind sogar empfehlenswert, da dadurch ihre Freude am Sport wach gehalten wird und gute Leistungen ihre Anerkennung finden, andererseits wird die Frau sich nicht scheuen, unter Freunden auf ihren körperlichen Zustand die nötige Rücksicht zu nehmen.

Dass die Medizin durch eifriges Studium sich fortgesetzt die grösste Mühe gegeben hat, die Sportschäden und Sportverletzungen bis in alle Einzelheiten zu erkennen, um durch geeignete Behandlung eine möglichst rasche und vollkommene Heilung herbeizuführen, möchte ich erwähnen, olme genauer darauf einzugehen.

Wie man sieht, besteht zwischen Sport und Medizin seit Jahrhunderten ein enger Zusammenhang. Beide Disziplinen ziehen aus einer gemeinsamen Zusammenarbeit den grössten Nutzen.

Werfen wir zum Schlusse noch einen Blick auf die derzeitige sportliche Erziehung unserer Jugend. Ich bin der Meinung, dass

immer noch, besonders unter städtischen Verhältnissen, eine grosse Diskrepanz besteht zwischen geistiger und körperlicher Erziehung, und zwar in dem Sinne, dass auf die körperliche, sportliche Erziehung noch zu wenig Gewicht gelegt wird.

Wie sind die Zustände an unserer eigenen Hochschule im Verhältnis zu den englischen und amerikanischen Universitäten? Während in England und Amerika sozusagen jeder Student mindestens einem Sport huldigt, müssen wir leider konstatieren, dass bei uns immer noch nur ein relativ kleiner Prozentsatz der Studierenden systematisch Sport treibt. Zwei Gründe dürfen hiefür vor allem verantwortlich gemacht werden:

1. Der Stundenplan unserer Studenten, ich denke aus naheliegenden Gründen zuerst an die Mediziner, ist derart mit Pflichtvorlesungen überlastet, dass dein Einzelnen die nötige Zeit einfach nicht zur Verfügung steht. Durch entsprechende Reformen sollte hier Abhilfe geschaffen werden.

2. Es verfügen unsere Studenten nirgends über eine für sie bestimmte, wirklich vollkommene Sportanlage mit den nötigen Sportlehrern.

Im Altertum besass jedes griechische Gymnasium meistens mehr als einen Sportplatz, heute hat jede amerikanische oder englische Universität ihre in jeder Hinsicht vollkommene Sportanlage, für unsere Studenten aber ist kaum das Notwendigste vorgekehrt, um im Einklang mit der geistigen Bildung die körperliche Ertüchtigung zu erreichen.

Die Sportgemeinschaften, wie sie an diesen ausländischen Universitäten bestehen und denen sozusagen alle Studenten angehören, fördern in hohem Masse das Gefühl der Kameradschaft unter den Studierenden, es bildet sich zudem ein ganz besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl zur eigenen Hochschule aus, das durch die gegenseitigen Wettkämpfe der einzelnen Universitäten unter sich noch in hohem Grade gefördert wird und, was ich ganz besonders betonen möchte, über die Studentenzeit hinaus erhalten bleibt. Dieses Gefühl der Anhänglichkeit an die Alma mater, an der man den grössten Teil seiner Studien verbracht hat, fehlt bei uns fast vollständig, würde aber, wenn es

vorhanden wäre, unserer Universität in sehr vielen Fällen zu grossem Nutzen gereichen.

Nach meiner Ansicht begehen wir einen grossen Fehler, wenn wir die körperliche Ausbildung unserer Jugend zu sehr vernachlässigen. Sie ist Mittel zum Zweck, da sie in hohem Masse die Charakterbildung fördert. Nur wer einen gesunden Körper, vor allem aber die nötige Charakterstärke besitzt, wird den Kampf ums Dasein in unserer Zeit, die den höchsten Einsatz fordert, bestehen können.

Ich schliesse mit den Worten Pestalozzis, die auch für meine Ausführungen Gültigkeit haben: "Vergiss es nicht, Mensch, alles was du bist, alles was du willst, alles was du sollst, geht von dir selber aus."