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Rektorats Reden © Prof. Schwinges

ZUR ERINNERUNG AN SIR JAMES Y. SIMPSON.

REDE gehalten zur Feier des Stiftungsfestes der Hochschule Zürich

am 29. April 1871
von
Prof. Dr. A. Gusserow,
z. Z. Rector der Hochschule in Zürich.
BERLIN 1871.
Verlag von August Hirschwald,
Unter den Linden 68.

Seinem geliebten Vater
Geheimen Sanitätsrath Dr. GUSSEROW
praktischem Arzt zu Berlin
gewidmet.

Hochgeehrte Versammlung!

Seit ich das letztemal von dieser Stelle aus die Ehre hatte, Sie beim Beginn eines neuen Schuljahres zu begrüssen, sind Ereignisse an uns vorübergebraust, deren Gleiche in der Lebensspanne des Einzelnen wohl selten sich wiederholen dürften. Wir sind mittelbar oder unmittelbar, Zuschauer oder Theilnehmer, eines der grössten Kulturereignisse gewesen, das im Laufe der Jahrhunderte sich abgespielt. Ob die Einigung des deutschen Volkes in einem an Erfolgen ohne Gleichen reichen Kriege segen- oder verderbenbringend sein wird, darüber mag man streiten — dass dieses Ereigniss für die Kulturentwicklung Europas und somit der Welt bestimmend für eine lange Zukunft sein wird — darüber kann wohl Niemand im Zweifel sein. Jeder, auch der grösste Feind der deutschen Entwicklung, wird in dem Wunsche sich mit mir vereinigen können, den ich als sicherste Zuversicht meines Herzens und meines Verstandes hier ausspreche: dass diese Einigung Deutschlands Friede und Glück, Segen im reichsten Maasse über die Welt bringen möge — so weit ein Kulturvolk dieses überhaupt in seiner Hand hat und so weit eben auf dieser Erde Friede und Segen möglich ist.

Vom idealen Standpunkt allgemeiner Menschenliebe wird gewiss Jeder beklagen, dass so grosses erreicht werden konnte nur durch so unendlich viel Jammer und Elend und nie darf, meiner Anschauung nach, gerade derjenige, dem die Ergebnisse eines Krieges das Herz höher schwellen machen in Begeisterung, vergessen oder gering schätzen die Ströme vergossenen Blutes, das Elend, die Noth und die ungezählten, weil unzählbaren Thränen, die der Krieg in seinem Gefolge hat. So lange jedoch die menschliche Natur sich nicht von Grund aus ändert und solange die menschlichen Verhältnisse nicht eine gänzliche, uns bis jetzt wohl kaum vorstellbare Veränderung erfahren haben, so lange werden wir uns wohl gestehen müssen, so lange sind Kriege mit allen ihren Schrecken unvermeidliche Catastrophen. So schwer es dem Einzelnen werden mag, wir können bei ruhiger Betrachtung menschlichen Charakters und menschlicher Verhältnisse, wir können, wenn wir wahr gegen uns selbst sein wollen, nicht anders, als den Gedanken an einen ewigen Frieden in das Reich schöner Träume versetzen. Mögen wir immerhin im Hinblick auf ein solches Ideal kommender Jahrhunderte an der Veredelung des menschlichen Geistes, jeder nach seinen Kräften arbeiten und uns vielleicht durch diese Hoffnung zu immer neuen Anstrengungen ermuthigen lassen — wir können bei allem Glauben an die Vervollkommnung unseres Geschlechts doch bis jetzt uns die traurige Wahrheit nicht verhehlen: Kriege sind im Leben der Völker unvermeidliche Ereignisse, so gut wie Conflicte im Leben des Einzelnen. Trösten kann uns bei dieser Ueberzeugung nur die Thatsache, dass vielfach im Kriege auch die edleren Seiten des Menschen in ungeahnter Ausdehnung oft zur Geltung kommen — dass auch der grossen Masse oft genug als fürchterliche Wahrheit zum

Bewusstsein kommt, es giebt etwas höheres als das Leben des Einzelnen, das Leben der Gesammtheit; es giebt Ideen, für die eben ein Jeder sein Leben muss lassen können und dadurch diese Ideen für sein Volk, für die Menschheit gleichsam erobern. So sehen wir, dass fast immer von einem Kriege aus sich bessere Verhältnisse der Gesammtheit entwickeln und dass in dieser Beziehung keine Staatsform oder keine menschliche Einrichtung als solche, Kriege verhindern oder nur entbehren kann, lehrt am besten die Thatsache, dass eine der ersten kriegerischen Actionen in Europa nach der blutigen Epoche der napoleonischen Feldzüge in der einzigen Republik Europas, in der Schweiz sich abspielte. Nicht die wenigsten von Ihnen, meine Herren, werden mir aber zugestehen, dass von dem Sonderbundskriege eine bessere Entwickelung der schweizerischen Verhältnisse herdatirt. Wurde nicht einer der grossartigsten Kriege dieses Jahrhunderts von der grossen Republik Nordamerika's geführt und wer von uns möchte das zur Befreiung der Sklaven vergossene Blut als unnütz vergossenes bezeichnen?

Fürchten Sie übrigens nicht, meine Herren, dass ich Ihnen im weiteren eine mehr oder minder banale Vorlesung über den Krieg überhaupt oder über den eben beendigten insbesondere halten werde. Nur zu wohl bin ich mir der Schranken bewusst, die an dieser Stelle meinen Anschauungen und meinen Gefühlen gezogen sind! Noch ist nicht von mir und einem grossen Theile meiner Collegen jenes Wort genommen, das in der höchsten Behörde dieses Landes ausgesprochen, dass wir als Deutsche verhasst seien! verhasst in dem Gemeinwesen, dem wir bisher unsere Kräfte gewidmet in ehrlicher Arbeit. — Zum Glück fühlen wir, und wissen es aus dem Munde unserer Collegen und unserer

Schüler, dass an dieser Stelle und in diesem Saale jenes Wort die Unwahrheit spricht. Unser Wirken an dieser Hochschule wird so lange ein gesegnetes sein und bleiben, so lange in gegenseitiger Achtung der Nationalität uns die Liebe zur Wissenschaft und zu denen, die von uns in dieselbe eingeführt werden wollen, vereint — vereint in einem höheren Maasse als, so hoffe ich, irgend ein Streit uns je wird trennen können.

Wenn ich nicht umhin konnte, die Ereignisse der Gegenwart zu berühren, so geschah es wesentlich, um mich von dem Verdachte zu reinigen, als wollte ich bei der Wahl des Thema's meiner heutigen Rede gleichsam feige vor allem zurückschrecken, was, mögen wir wollen oder nicht, doch noch unseren Verstand und unser Herz gefangen hält. Wenn ich es unternehme, Ihnen in kurzen Zügen das Bild eines grossen schottischen Arztes zu schildern, dessen Namen viele von Ihnen vielleicht kaum je gehört, den persönlich wohl wenige von Ihnen gekannt haben, so geschieht dies nicht, um scheinbar das entlegenste zu wählen, um gleichsam Sinn und Gedanken abwendend von allem Furchtbaren und Grossen, das die Gegenwart uns gebracht, auszuruhen in der Erinnerung an das friedliche Wirken eines Mannes, dem die Welt zwar viel verdankt, dessen Heimgang unter dem dröhnenden Tritt der Geschichte des verflossenen Jahres aber kaum zum Bewusstsein der Menschen gekommen ist — sondern es geschieht diese Erinnerung grade im Hinblick auf den Krieg, —

Wer von uns hätte nicht beim Beginn und in den verschiedenen Phasen des grossen Krieges oft und immer wieder jenes schmerzliche Gefühl gehabt, bei allem Erhabenen und Grossartigen das wir erlebten, dass in solchen

Entscheidungskämpfen zwischen zwei Nationen die stille Thätigkeit des Einzelnen, alles das was uns bisher als das Schönste und Höchste in unserem Leben erschien, dass dies scheinbar so nichtig, so werthlos ist! Hält es nicht schwer zu Zeiten, wo Tausende auf den Schlachtfeldern bluten, sei es zur Vertheidigung des theuren Vaterlandes, sei es zum tolldreisten Angriff, hält es nicht schwer zu solchen Zeiten, sich die Freudigkeit unseres Schaffens zu bewahren? Erscheint uns nicht die Entzifferung einer alten Handschrift oder die 'Untersuchung einer seltenen chemischen Verbindung unsäglich kleinlich und vollkommen werthlos? Wer fühlte sich nicht versucht, ermüdet die Arme sinken zu lassen beim Studium einer vielleicht seltenen noch vollkommen räthselhaften Krankheitserscheinung, während draussen der Tod reiche Ernte hält unter den kräftigsten Menschen des lebenden Geschlechtes? Hat es noch Werth, das Leben eines Greises vielleicht um einige Wochen zu verlängern, während die Hoffnungen unzähliger Familien, ja die Zukunft ganzer Nationen vor ihrer Zeit durch Mitrailleusen dahingemäht werden? So berechtigt solche Gedanken mir erscheinen, so dürfte es doch wohl die denkbarst traurige Folge so grosser Zeiten sein, wenn eine derartige Muthlosigkeit und Erschlaffung im Schaffen des Einzelnen einträte. Wenn man auch meinen sollte, dass in der Freudigkeit des Siegers über die gewonnenen Resultate oder in dem ernsten Eingehen des Besiegten in sich selbst und in die Ursachen seiner Niederlagen, wenn darin nach beiden Seiten hin ein Grund zu erneuter Schaffungsfreudigkeit, oder wenigstens zu ernster anstrengender Arbeit ruhen sollte und wenn auch die Geschichte vieler Völker uns dies lehrt, so sehen wir andrerseits doch nur zu oft, dass die Begeisterung und die

Erregung des Kampfes nach dem Kriege Platz macht einer allgemeinen Erschlaffung. Da muss dann um so mehr der Einzelne sich wappnen, nicht die Freudigkeit des eigenen Wirkens und Wesens zu verlieren — wir dürfen nicht vergessen, dass bei allem Gewaltigen und Erschütternden, was den Katastrophen, wie wir sie erlebt, anhaftet, doch der Fortschritt der Menschheit im Allgemeinen, im Wirken, im Sinnen und Trachten des Einzelnen liegt, dass wir bei aller Bescheidenheit unseres Wirkungskreises uns doch die Unsterblichkeit erringen können, wenn wir eben unsern Wirkungskreis ganz und voll ausfüllen, nicht zwar jene Unsterblichkeit, die in den Büchern der Geschichte fortlebt, wohl aber jene höhere: dass eben das Beste unserer Leistungen in der Menschheit fortwuchert und fortwirkt — auch wenn kein Lebender mehr sich unserer Züge oder unseres Namen zu erinnern weiss.

Aus diesem Gesichtspunkte möchte ich Ihnen in kurzen Zügen das harmonische Lebensbild von Sir James Y. Simpson 1) vorführen — denn nichts kann wohl geeigneter sein uns selbst mit der uns beschiedenen Thätigkeit der Wissenschaft gleichsam zu versöhnen, uns neuen Muth einzuflössen den einmal betretenen Weg nicht zu verlassen als die Betrachtung des reichen Lebens eines Mannes, dem es vergönnt war, Grosses gethan zu haben für die Menschheit, wie es Wenigen gegeben ist. Wenn Simpson als Arzt und besonders als Geburtshelfer jedenfalls nicht nur eine hohe Stellung in der englischen Medicin einnimmt, sondern wenn er auch als Mann der Wissenschaft vielerlei Hervorragendes geleistet, so würde dies doch keineswegs mir eine Berechtigung geben, das Wirken dieses Mannes an dieser Stelle zu schildern, um so weniger, da es Aerzte von seiner Bedeutung zu allen Zeiten und in allen Ländern gegeben

hat, wenn auch immerhin der Zahl nach nur wenige — als Mann der Wissenschaft aber nimmt er selbst in seinem Specialfach jedenfalls keine so hohe Stelle ein, als dass er eine allgemeine wissenschaftliche Bedeutung besässe. Ohne seinen vielen Verdiensten um die Medicin und Gynäkologie zu nahe zu treten, kann ich es schon hier aussprechen, dass er keineswegs zu jenen begnadigten Geistern gehörte, die der menschlichen Forschung und Erkenntniss neue Bahnen gebrochen und dadurch in der dankbaren Erinnerung fortzuleben berechtigt sind. Nicht also den bedeutenden Arzt eines fremden Landes, nicht einen Heros der Wissenschaft kann oder will ich Ihnen hier schildern, nein, Simpson's Name muss für alle Zeiten im Gedächtniss der Menschen fortleben als einer der grössten Wohlthäter der gesammten Menschheit. Nur wenig Menschen, ja kaum Einem ist es gegeben gewesen, durch eine einzige Entdeckung unsägliches Elend und unnennbare Schmerzen seinen Mitmenschen für immer zu nehmen, ihm war es gegeben, selbst jenen Fluch, dass das Weib in Schmerzen gebären solle, zu tilgen oder zu mildern. Simpson, der Entdecker des Chloroforms, verdient wohl dass man seiner in dankbarer Erinnerung gedenke — ist doch die Welt nicht nur undankbar gegen ihre Wohlthäter, nein, man könnte fast sagen gegen die Wohlthaten selbst. Betrachten wir nicht heutzutage die Anwendung und den Nutzen des Chloroforms als etwas Selbstverständliches? als etwas das so sein muss? und doch giebt es im ganzen Gebiet der Medicin keine Entdeckung, die so mit einem Schlage so unendlichen Seegen über die Menschen gebracht hat wie diese! Kaum vermögen wir es uns heutzutage noch vorzustellen, welche Schmerzen und welcher Jammer mit den nothwendigen ärztlichen Hilfsleistungen verknüpft war,

der jetzt einfach getilgt ist. Noch sind nicht 30 Jahre verflossen seit dieser glorreichen Entdeckung, und Aerzte und Laien meinen fast, es wäre ein ärztliches Handeln ohne dieselbe gar nicht denkbar! "Der Wunder grösstes ist es eben, dass uns die Wunder so alltäglich werden können." Können wir es uns ausmalen mit unserer Phantasie, welche Schmerzen und welches Gestöhne und Geächze verstümmelter Krieger in den vielen, vielen Lazarethen dieses Krieges allein ausgelöscht und verstummen gemacht ist nur durch die 1800 Pfund Chloroform, die allein von Flockhart 2) der grossen Fabrik in Edinburgh an die beiden Heere gesandt wurden?

Sollen wir den Urheber solchen Glückes nicht unter die Wohlthäter der Menschheit achten? Dass hiermit aber die Bedeutung der Entdeckung noch nicht ganz gegeben ist, will ich nur berühren. Die ganze Chirurgie und Geburtshilfe hat durch die Möglichkeit, die Kranken während der Operationen gefühllos zu machen, eine Umwälzung erfahren. Operationen, die zu den schönsten Errungenschaften der neueren Zeit zu rechnen sind, wurden erst möglich durch das Chloroform. Nicht nur, dass man viel länger und sicherer operiren kann, wenn der Kranke im tiefen Chloroformschlaf liegt, sondern der Kranke selbst wird durch die Operation viel weniger in seinem Organismus erschüttert — es werden ihm gleichsam günstigere Vorbedingungen für seine Heilung gegeben.

Das Streben nach einem so unschätzbaren Gut ist mm von Alters her in der Menschheit vorhanden gewesen. Simpson gerade hat sich bemüht in der Bibel, im Homer und Herodot Spuren aufzufinden, dass bei Operationen und bei zu Tode Verurtheilten betäubende Getränke gereicht wurden, um die Qualen der Betreffenden abzukürzen 3).

Meist diente hierzu und noch weit bis in das Mittelalter hinein der indische Hanf (Cannabis indica) und seine Präparate, unter denen noch heute das Haschisch zu. ähnlichen Zwecken verwandt wird; besonders wissen die indischen Selbstpeiniger auf diese Weise sich unempfindlich zu machen. So erwähnt Sir Banks, dass seit Alters her in der Berberei dies Mittel angewendet werde, um die Kranken bei Amputationen gefühllos zu machen. Julien wies aus einem alten vor 1500 Jahren erschienenen chinesischen Werke nach, dass der indische Hanf oder Ma-yo bei Cauterisationen und chirurgischen Operationen in Anwendung gekommen sei; ja Simpson, auf dessen religiöse Richtung und seine Neigung zu theologischen Betrachtungen ich noch zurückkommen werde, schliesst sich denen an, die meinen, dass Christus am Kreuz durch den ihm gereichten Myrrhen-Wein mit einem solchen mit indischem Hanf versetzten Weine unempfindlich gemacht sei 4). Noch mehr Verbreitung fand bis in das Mittelalter hinein die Mandragora, der Allraun der Deutschen, wahrscheinlich die römische Zaunrübe, eine der Belladonna verwandte Pflanze. Dioscorides sagt vor mehr als 1800 Jahren ganz bestimmt: diese wird gegeben, um bei denen die geschnitten oder gebrannt werden müssen, Unempfindlichkeit hervorzubringen — denn, in einen tiefen Schlaf verfallen, empfänden sie nichts von Schmerzen. Jocelyn in seinem Leben, St. Mungos von Glasgow, das etwa um 1180 herum geschrieben ist, erwähnt in Bezug auf die Mutter des Heiligen: Constat nobis sumpto potu oblivionis quam phisici letaragion vocant, obdormisse; et in membris incisionem, et aliquotiens adustionem, et in vitalibus abrasionem perpersos, minime sensisse: et post somni excursionem, quae ergo sese aditata fuerant, ignorasse. Im Mittelalter wandten jedenfalls Hugo v. Lucca und sein Schüler

Theodorich, gestorben 1298, bei Operationen sogenannte Spongia somnifera an, die mit einer Mischung aus Opium, Mandragora und ähnlichen Dingen getränkt waren. Vor der Operation wurden die Schwämme in heisses Wasser getaucht und die so entstehenden Dämpfe mussten die zu Operirenden einathmen. Im späten Mittelalter, Ende des 16. Jahrhundert, wird dieser Gebrauch als veraltete Methode noch hie und da erwähnt. Merkwürdig ist der Vers von Middleton in seiner Tragödie: Women, beware Women vom Jahre 1657:

I'll imitate the pities of old surgeons
To this lost limd — who ere they show their art
Cast one asleep, then cut the diseased part.

Jedenfalls kamen alle diese Versuche und alle diese Künste in eine Jahrhunderte dauernde Vergessenheit.

Der Erste, welcher diese für die Menschheit so wichtige Frage wieder aufnahm, war Sir Humphrey Davy, der grosse englische Naturforscher, der bei seinen Untersuchungen über Stickstoffoxydul (Lustgas) im Jahre 1800 hervorhob, dass dasselbe betäubend wirke gegenüber Schmerzempfindungen und daher "capable of destroying physical pain during surgical operations in which no great effusion of blood takes place". Diese nur beiläufig gemachte Bemerkung wurde alsdann 1844 von einem Dr. Horace Wells zu Hartford in Connecticut aufgenommen und zuerst praktisch ausgeführt, so dass dieser eigentlich als Urheber der Anaesthesie gelten muss, als welcher ihn auch Simpson selbst und eine zu diesem Zweck niedergesetzte Commission von Aerzten in Boston ansieht 5). Wells selbst athmete am 11. December 1844 Stickstoffoxydul ein und liess sich in der Betäubung von Dr. Riggs einen Zahn ausziehen — als die Operation schmerzlos geendet, stand er jubelnd auf

und rief: "eine neue Aera im Zahnausziehen!" Nachdem die beiden Aerzte die Brauchbarkeit des Gases zu diesem Zweck in mehreren Fällen constatirt hatten, reiste Wells nach Boston, um in öffentlicher Versammlung vor Aerzten und Studirenden die Wirksamkeit des neuen Verfahrens zu demonstriren. Unglücklicherweise scheint der betreffende Patient zu wenig eingeathmet zu haben, denn er empfand Schmerz und Dr. Wells wurde als Schwindler ausgelacht und ausgezischt von der wie es scheint wenig taktvollen Versammlung, so dass er aus Missmuth sich von seiner Praxis zurückzog. Hiermit fiel der erste praktische Versuch der Anaesthesirung zu chirurgischen Zwecken dahin. Erst in neuester Zeit ist ganz unnöthigerweise das sehr gefahrvolle Lustgas zu diesem Zwecke wieder hervorgesucht worden. Unter den bei dem verunglückten Experiment in Boston Anwesenden befanden sich zwei Aerzte, Jackson und Morton, von denen der letzere längere Zeit hindurch Theilnehmer in Wells Praxis war. Besonders diesem Letzteren müssen die Versuche Wells' einen tiefen Eindruck gemacht haben, denn er kam, wie es scheint nach Besprechungen und Ueberlegungen mit Jackson 6) dazu, Versuche mit Schwefeläther zu machen, der schon im Jahre 1795 von Pearson zu Einathmungen empfohlen war. Auf diesem Wege gelang es Morton zuerst am 30. September 1846, bei einem Patienten Namens Eben Frost unter Aetherisirung einen Zahn auszuziehen, und mit diesem einfachen Faktum war das grosse Problem eigentlich gelöst. Wenige Wochen genügten um zunächst in Boston bei grösseren chirurgischen Operationen den Werth der neuen Entdeckung zu zeigen.

Die wunderbare Kunde verbreitete sich schnell auch nach Europa hinüber und Simpson, Professor der Geburtshülfe

in Edinburgh, ergriff die neue Thatsache mit dem ganzen Feuereifer seines Talentes. Er war es auch, der zuerst dann im Januar 1847 die Betäubung durch Schwefeläther bei einer Entbindung in Anwendung zog und den grossen Werth dieses Verfahrens zuerst zeigte. Aber — und hier beginnt das Hauptverdienst Simpsons in der Geschichte der Anaesthesie — sehr schnell erkannte er die vielfachen Mängel des neuen Mittels und sann von Stund an auf einen besseren Ersatz. Flourens las am 8. März 1847 der Akademie in Paris Untersuchungen über den Einfluss von Chloroform auf Thiere vor, einer chemischen Verbindung, die bereits 1831 von Gutheil entdeckt, später von Liebig, Dumas und Anderen, näher untersucht worden war. Flourens schloss aber aus diesen Experimenten, dass das Chloroform nicht wohl ohne Gefahr in der Medicin anzuwenden sei. Vielleicht hierdurch, oder wie es scheint durch einen Apotheker Waldie auf diesen Körper aufmerksam gemacht 7), hatte Simpson die grosse Kühnheit, an sich selbst und seinen Assistenten Keith und Duncan, nachdem schon verschiedene andere Stoffe versucht waren, auch diesen zu versuchen.

Am 15. November 1847 wurde die grosse Entdeckung von der betäubenden Eigenschaft des Chloroforms zuerst bekannt gemacht 8). Die Experimente wurden, wie Prof. Miller 9) beschrieb, immer so gemacht, dass eine kleine Quantität der zu versuchenden Substanz in ein kleines Gefäss gethan, dieses in heisses Wasser gesetzt wurde und die Experimentatoren dann die so entstehenden Dämpfe einathmeten. So wurde in später Abendstunde des 4. November das immerhin gefährliche Unternehmen mit Chloroform von Simpson und den genannten Assistenten ausgeführt. Sehr schnell ergriff die Gesellschaft eine ungewöhnliche

Heiterkeit, sie bekamen glänzende Augen, wurden unter den Einflüssen der angenehm riechenden Dämpfe sehr erregt und geschwätzig, die Conversation wurde ungewöhnlich lebhaft, so dass die anwesenden Damen der Familie sehr angenehm überrascht waren. Bald aber wurde von einem eigenthümlich lauten Geräusch geredet, das die Einathmenden wahrnehmen wollten, einen Augenblick später war Alles still — dann plötzlich ein lauter Fall! Simpson erwachend hatte zuerst das Gefühl "das ist stärker als Aether", die zweite Bemerkung die er machte war, dass er am Boden läge und dass unter seinen Freunden, die um ihn herum beschäftigt, grosse Bestürzung und Angst herrschte. Als er sich auf ein Geräusch hin umwandte, sah er Dr. Duncan neben einem Stuhl mit offenem Munde, starren Augen, den Kopf halb unter sich, vollkommen bewusstlos und laut schnarchend liegen. Natürlich noch grössere Erregung und noch mehr Geräusch! Dr. Keith machte mit unsichern Händen und Füssen Anstrengungen, den Tisch mit dem Abendessen umzuwerfen oder wahrscheinlich Alles zu vernichten, was sich auf demselben befand. Nach und nach kam Simpson vollkommen zu sich, Duncan endigte seinen unbequemen Schlaf und Dr. Keith beruhigte sich in Bezug auf den Tisch. Es wurde nun am gleichen Abend das Experiment fortgesetzt, bis alles vorhandene Chloroform verbraucht war, ohne dass man es wieder bis zur vollkommenen Bewusstlosigkeit brachte — aber schon am gleichen Abend, der in lebhafter Debatte bis 3 Uhr Morgens sich hinzog, stellte man es als zweifellos hin, dass Aether nicht so gut sei als Chloroform. Trotzdem hing es vielleicht nur von einem blinden Zufall ab, dass dieses unschätzbare Mittel der Menschheit erhalten wurde!

Wenigstens mit Recht kann man fragen, hätte sich Chloroform so schnell den Weg gebahnt, ja wäre es vielleicht je in Anwendung gekommen, wenn nicht ein günstiges Schicksal gleichsam über ihm gewacht. Als Simpson von der Brauchbarkeit des Chloroforms überzeugt war, verabredete er mit seinem Collegen, dem Professor Miller zu Edinburgh, derselbe möge ihn zur nächsten grösseren chirurgischen Operation rufen lassen, um das neue Mittel zu erproben 10). Der erste Fall, der sich darbot, war ein Kranker mit einem eingeklemmten Bruch; man sandte zu Simpson — derselbe war nicht aufzufinden, und so entschloss sich Miller nicht länger zu warten, sondern ohne Chloroform zu operiren. Kaum hatte er den Hautschnitt gemacht, so starb der Kranke auf dem Operationslager, ohne dass man eine bestimmte Ursache dafür auffinden konnte. Wer hätte wohl gezweifelt, dass das neue Mittel, wenn Chloroform angewendet worden, die Ursache des räthselhaften Todes gewesen und mit welchen Vorwürfen würde man den kühnen Entdecker überhäuft haben? Wer hätte sobald gewagt, dasselbe von Neuem anzuwenden? Wie die Geschichte der meisten grossen Entdeckungen es lehrt, hat selten ein Einzelner den ganzen Anspruch, alleiniger Urheber zu sein — gewöhnlich ist es ein glückliches Genie, welches einen längst gehegten, ausgesprochenen, unvollkommen ausgeführten Gedanken ergreift und als vollendete Thatsache der erstaunten Welt hinstellt. Wenn man die Geschichte der Erfindung der künstlichen Anaesthesie verfolgt, so könnte das Verdienst Simpsons unwesentlich erscheinen; den Gedanken dazu hatte schon Sir Humphrey Davy ausgesprochen, Horace Wells war unzweifelhaft der Erste, der ihn praktisch ausführte, Jackson und Morton erhoben ihn zu einer Methode. Wie gross

trotz alledem Simpson's Verdienst bei der Sache ist, ergiebt sich am besten aus der Thatsache, dass mit wenigen Ausnahmen fast nirgendswo auf der Erde anders als mit Chloroform betäubt wird. Sein Verdienst war es, mit scharfem Blick die Mängel des Schwefeläthers erkannt zu haben und mit gleicher Energie und Unerschrockenheit Versuche gemacht zu haben, einen Ersatz zu finden, bis ihm dies in hervorragender Weise gelungen und er sich so vollen Anspruch auf die dankende Anerkennung der Menschheit erworben. Dies sein Verdienst kann ihm Niemand rauben und dies hat er auch immer mit voller Bestimmtheit in Anspruch genommen. Als ihm im Jahre 1869 in feierlicher Weise die ungemein seltene Auszeichnung des Ehrenbürgerrechts von Edinburgh zu theil wurde, wies der Lord Provost in seiner Ansprache auf die grossen Verdienste Simpson's um die Anaesthesirung hin — dies gab von Neuem zu einem heftigen Angriff eines Dr. Bigelow zu Boston Veranlassung, der Simpson den Ruhm dieser Entdeckung absprach. Simpson, schon auf dem Sterbebette, in vollem Bewusstsein seines Todes, diktirte eine ausführliche klare Erwiderung 1) auf diesen Angriff, indem er deutlich die Geschichte der Anaesthesirung auseinandersetzte und für sich nur die Entdeckung des Chloroform in Anspruch nahm, sowie das Verdienst, zuerst die künstliche Betäubung in die Geburtshülfe eingeführt zu haben! Wie somit seine letzten Gedanken sich noch mit der grössten That seines Lebens beschäftigten, so hatte er auch mit der grössten Energie in den ersten Jahren nach der Entdeckung des Chloroforms immer wieder und wieder die mannigfachen Vorwürfe, Einwendungen, Vorurtheile und Bedenken gegen das neue Verfahren und das neue Mittel mit unerschöpflicher

Gewandheit und unermüdlicher Ausdauer in Wort und Schrift bekämpft.

Wunderlich genug muthen uns in diesem Streit jene Aufsätze Simpson's an, in denen er mit unverkennbarem Wohlgefallen und unter behaglicher Ausbreitung seiner bezüglichen Kenntnisse jene absurden Einwände bekämpft, die in dem bibelfesten England in grosser Zahl aus theologischen Gründen gegen die Chloroformirung Kreissender geltend gemacht wurden, indem die neue Entdeckung als irreligiös und gottlos verdammt wurde. Immer wieder suchte er aus dem Zusammenhang der Stelle, aus dem hebräischen Wortlaut jenes Fluches: mit Schmerzen sollst du gebären, zu beweisen, dass damit keine körperlichen Schmerzen gemeint seien und endlich gipfelt sich seine ächt schottisch spitzfindig theologische Weisheit darin, dass er allen Ernstes die Behauptung aufstellt: die erste chirurgische Operation, das Entfernen einer Rippe Adams, sei ja auch in einer künstlichen Betäubung vorgenommen worden 12), indem Gott Adam in einen tiefen Schlaf versenkt. Wenn uns unwillkürlich dieses Raisonnement ein mitleidiges Lächeln abzwingt, so musste ich dies doch als charakteristisch für den Mann und sein Volk hier anführen.

Habe ich so die grösste That Simpson's hier vorweggenommen, so kann ich den einfachen, wenn auch so wunderbar weit und mannigfaltig wirkenden Lebenslauf des Mannes mit wenig Worten schildern.

James Young Simpson wurde am 7. Juni 1811 zu Bathgate, einem kleinen Ort in Linlithgowshire, etwa 12 englische Meilen von Edinburgh, als jüngster von 7 Söhnen geboren. Sein Vater, ein ehrsamer und armer Bäcker, konnte für seine Erziehung nicht viel mehr thun, als ihn zum ältesten Sohn, der Bäcker in Edinburgh war, in die

Lehre bringen. Aber hier zeigten sich in dem Knaben neben seinen Talenten und der Schnelligkeit seiner Auffassungsgabe schon jene Eigenschaften, die eben in dieser Verbindung selten sind und die wesentlich den Erfolg seines weiteren Lebens bedingten, nämlich ein lebhaftes unternehmendes Temperament neben der Fähigkeit angestrengter, ja hartnäckiger concentrirter geistiger Arbeit. Der Bäckerlehrling suchte nach gethanem Tagewerk durch fleissiges Studium die Lücken seines Wissens auszufüllen. Noch jetzt nach 40 Jahren entwirft 13) ein Augenzeuge ein gar anmuthiges Bild von dem Treiben der Strassenjugend seiner Nachbarschaft, die sich vergeblich bemühte, durch jugendlichen Lärm und Neckereien den Bäckerjungen am Feierabend von seinem "Latein wegzulocken". Durch die Unterstützung von Seiten seines Bruders wurde es ihm möglich, die vorbereitenden Studien zu absolviren und der Erwerb eines Stipendium (Macpherson Bursary) gestattete ihm zum Studium der Medicin überzugehen. Nachdem er 1830 Licentiate of the Royal College of Surgeons E. geworden, bewarb er sich um die ärmliche Stelle eines Dorfchirurgen in einem kleinen Flecken Inverkip am Clyde. Noch auf der Höhe seines Ruhmes und seiner Praxis bezeichnete er es als die bitterste Enttäuschung seines Lebens, dass ihm diese Stelle nicht zu Theil wurde 14). Für ihn war es ein Glück, denn er wurde gezwungen, weiter zu studiren. Dass er schon als Student unter seinen Altersgenossen hervorragte, beweist, dass er von ihnen zum Präsident der Royal Medical Society gewählt wurde, einer wissenschaftlichen Gesellschaft älterer Studirender und jüngerer Aerzte. Nachdem er 1832 den Doctortitel erworben, wurde er Assistent des Professors der Medicin Thomson, der damals ein angesehener Lehrer und Arzt zu Edinburgh

war und auf Simpson durch seine vorzüglichen Examens-Arbeiten aufmerksam geworden war. Auf dessen Rath beschäftigte er sich nun auch vorzüglich mit Geburtshülfe und trat dann bald als Lehrer dieses Faches bei der Extra Academical School auf. Trotzdem der Professor des Faches an der Hochschule, Hamilton, grossen Einfluss übte, gelang es ihm dennoch, Zuhöhrer zu gewinnen und sich durch einige Arbeiten, wenn auch nur in kleinem Kreise vortheilhaft bekannt zu machen — obwohl er sich eine Zeit lang zum Schrecken seiner Freunde, die damals schon viel von ihm erwarteten, mit thierischem Magnetismus 15), wie es scheint in sehr sanguinischer Weise beschäftigte. Im Ganzen war jedoch seine Bedeutung kaum von Wenigen gekannt, als Hamilton 1839 starb und im Jahre 1840 der 29jährige junge Arzt sich kühn um die erledigte Professur bewarb. Der Stadtrath (Town Council), von dem damals die Wahl abhing, schwankte lange 16) und nur dem glücklichen Umstande, dass in demselben einige besondere Gönner Simpsons sassen, ist es zu verdanken, dass ihm die Stelle verliehen wurde. Charakteristisch genug, fürchtete man, die Hotelbesitzer der Stadt könnten durch diese Wahl Schaden leiden, da zu Hamilton viele Kranke aus der Umgegend gekommen. Wohl selten dürfte ein so engherziger Standpunkt glänzender widerlegt sein, da es wohl in unserer Zeit seit Boerhave kaum einen Arzt gegeben hat wie Simpson, zu dem Kranke aus allen Welttheilen kamen, so dass in seinem Vorzimmer nicht selten gleichzeitig Patienten den Tag lang warten mussten, die nur seinetwegen aus Indien, Australien oder Nordamerika gekommen waren. Als diese Wahlbehörde 1858 durch eine andere ersetzt wurde, berief sie sich mit Stolz als Beweis für die Zweckmässigkeit ihrer Zusammensetzung auf diese Wahl. Wahr ist es, sobald

Simpson die Stelle als Professor der Geburtshülfe erhalten, zeigten sich seine glänzenden Eigenschaften als Lehrer und Arzt von Tag zu Tag mehr. Als Lehrer verstand er bis zuletzt in seinen theoretischen Vorlesungen und auch in den klinischen Demonstrationen am Krankenbett seine Zuhörer zu fesseln durch den Zauber seines Vortrages, die staunenswerthe Fülle seines Wissens und durch das eigenthümliche Talent, zu jeder Zeit dieses Wissen, oft in den entlegensten Einzelheiten stets bei der Hand zu haben, dann regte sein Vortrag noch besonders an durch die vielfachen geistreichen Combinationen, die augenscheinlich, was ja den Hauptzauber des gesprochenen Wortes ausmacht, im Augenblick erst entstanden. Wenn er schon durch seine Persönlichkeit auf dem Katheder mächtig anzog, so war seine Gewalt über seine Patienten wahrhaft staunenerregend. Er war weder ein so besonders scharfer Diagnostiker, noch als Chirurg besonders hervorragend — trotzdem wirkte er schon durch den Zauber seiner Person. Unter dem wilden Haar, das in unauflöslicher Verwirrung um seinen prächtig geformten grossen Kopf herumhing, blitzten ein Paar Augen von unsagbarer geistiger Schärfe, während um seine Lippen ein ebenso wohlwollendes wie gewinnendes Lächeln spielte. Wer einmal diese Erscheinung nur gesehen — konnte sie nie vergessen und war sicher keine zweite ähnliche je zu erblicken. Unwillkürlich verstand er jeder Kranken das Gefühl zu erwecken, sie sei der einzige Gegenstand seiner Sorge und seines Nachdenkens. Bei seinem staunenswerthen Gedächtniss, der Ausdehnung und Vielseitigkeit seines Wissens und bei seiner merkwürdigen Combinationsgabe war er geradezu unerschöpflich in immer neuen Heilversuchen und Heilmitteln, sowie in der Spezialisirung seines Heilverfahrens

für jeden einzelnen Fall. Es ist ein wahrhaft unbegreifliches Geheimniss wie er es möglich machte, die in das Unglaubliche wachsende Praxis 17) zu vereinigen mit seinen Pflichten als Lehrer, seinen wissenschaftlichen Arbeiten, seinen antiquarischen und literarischen Studien, seinen religiösen und philantropischen Bestrebungen. Dabei war sein Haus Mittelpunkt einer Gastfreiheit, wie man sie selbst in Grossbrittannien kaum zum zweiten Male finden kann. Wer das Glück genossen an seinem Frühstückstisch zugegen gewesen zu sein, wird niemals das wunderbare Schauspiel vergessen, das sich fast täglich wiederholte; wo aus allen Welttheilen Vertreter der Wissenschaft und der Kunst mit den Vornehmen des Reiches, den Staatsmännern und Politikern der verschiedensten Länder sich in buntem Gespräch oder Gesprächsversuchen in den verschiedensten Idiomen unterhielten. Mit welcher Meisterschaft aber verstand es Simpson, die Unterhaltung zu leiten und zu beherrschen, während er gleichzeitig die Zeitung oder ein eben erschienenes Buch studirte! Wie verstand er von Jedem zu lernen, indem er Jeden mit unsagbarer Feinheit auf das Gebiet zu lenken wusste, wo er eigenes Wissen und eigene Anschauungen hörte. Wie schnell hatte er gefunden, wo bei dem Einzelnen das Conventionelle der Unterhaltung aufhörte und der eigene innere Mensch zum Vorschein kam! Hier war es auch, wo man am meisten seine unendliche Belesenheit in den verschiedensten Fächern menschlichen Wissens immer wieder bewundern konnte. Wenn man dabei die Zahl und die Bedeutung seiner Arbeiten bedenkt, wenn man weiss, dass seine Praxis der Art war, dass er z. B. noch kurz vor seinem Tode einmal 14 Tage lang nur im Eisenbahnwagen schlief, dann begreift man die Räthsel seiner Thätigkeit auch kaum, wenn man

hört, dass er viele seiner Arbeiten im Nachtwachen am Krankenbette 18) oder in den unfreiwilligen Feiertagen während eigener Erkrankung schrieb.

Es ist bei einer solchen Begabung und solcher Energie, dieselbe zu benutzen, selbstverständlich, dass Simpson die äusseren Erfolge im Kampfe des Lebens reichlich zufielen, um so mehr, nachdem er durch die Anwendung des Chloroforms genannt wurde, so weit die Erde reicht. So wurde er, um nur die wichtigsten Auszeichnungen hervorzuheben, 1849 President of the College of Physicians Ed., 1852 President of the medico-chirurgical Society Ed., 1853 Auswärtiges Mitglied der Academie de Médecine zu Paris, erhielt 1856 von der Academie des Sciences den Monthyon Preis. 1866 wurde er zum Baronet gemacht, eine Auszeichnung, die bald danach zu herbem Schmerz für ihn wurde, als sein ältester Sohn, ein äusserst begabter junger Arzt, der Erbe der Baronetwürde, plötzlich starb. 1869 wurde ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt Edinburgh überreicht und kurz darauf wurde er zum Ehrendoctor der Jurisprudenz in Oxfort promovirt.

Doch mehr als diese Ehren und mehr als der Reichthum, den er in noch weit höherem Grade hätte sammeln können, wenn er nicht, ächt genialisch, weder bei Einnahme noch Ausgabe jemals Werth auf Geld gelegt hätte, mehr als alles dieses war der Ruhm, einer der Wohlthäter der Menschheit zu sein, war sein Ruf als wissenschaftlicher Arzt, war die begeisterte Anhänglichkeit seiner Schüler und die fast schwärmerische Verehrung seiner Patienten. Bei so viel Freunden konnten auch Feinde nicht ausbleiben und manchen harten Kampf hatte er zu kämpfen. Etwas Rührendes hat es, dass er auf dem Sterbebette mit dem hervorragendsten und wissenschaftlich bedeutendsten derselben,

der ebenfalls unheilbar erkrankt auf dem Todesbette lag, Worte der Versöhnung und des Friedens austauschte. Nur ungern muss ich noch einer Seite von Simpsons Charaktereigenthümlichkeit Erwähnung thun — ohne die jedoch sein Bild eines wesentlichen Zuges entbehren wurde. Es ist dies seine ausgesprochene Religiosität. Ungern gehe ich daran, weil es immerhin misslich ist, solche innerste Heiligthümer des Einzelnen öffentlich zu besprechen, um so misslicher wenn man in vollem Bewusstsein des Gegensatzes sich befindet, aber, wie schon gesagt, Simpson hat seine Religiosität in einer solchen Weise an die Oeffentlichkeit gebracht, dass es unmöglich erscheint, hier nicht wenigstens andeutungsweise davon zu handeln. Nach herben häuslichen Schicksalen stürzte er sich plötzlich (Februar 1862) mit einem wahren Enthusiasmus in die Tiefen religiöser Schwärmerei. Er rechnete sich zu den Wiedererweckten und suchte mit Vorliebe auch bei Anderen durch religiöse Gespräche solche Wiedererweckungen hervorzubringen. Er begnügte sich nicht damit, bei jeder Gelegenheit seinen tiefen speciellen religiösen Ueberzeugungen Ausdruck zu verleihen, sondern er hielt nicht selten geistliche Ansprachen in religiösen Versammlungen, die als Tractätchen 19) in zahlreichen Exemplaren durch die Welt gingen und noch gehen. Es ziemt uns Halt zu machen vor dem wunderbaren Schauspiel, wie sich in einem so eminent klaren Kopfe derartige Anschauungen entwickeln konnten und das Zeugniss abzulegen, dass diese mystischreligiöse Richtung nicht den mindesten Einfluss auf sein wissenschaftliches oder practisches Handeln hatte. Wie er durch seine grossartige Erfindung des Chloroforms die Qualen seines letzten Krankenbettes sich selbst linderte, so verlieh ihm seine feste religiöse Ueberzeugung Trost in

den letzten Stunden des Lebens, wie dies in mehreren mir zugesandten religiösen Tractätchcn ausführlich hervorgehoben wird.

Politisch scheint Simpson nie lebhaft gefühlt und gedacht zu haben, wenn er auch immer auf liberaler Seite stand. Diese Liberalität seiner Anschauungen scheint sich auch bewährt zu haben bei der Frage, die kürzlich erst die Edinburgher Universität lebhaft bewegte, nämlich die Frage über die Zulassung von Damen zum Universitätsstudium. Wie mir mitgetheilt worden, stimmte er für Zulassung, doch scheint dies mehr geschehen zu sein aus Sympathie für Jeden, der consequent ein Ziel unter Schwierigkeiten verfolgt, als aus Ueberzeugung von dem Werth oder der Nothwendigkeit, Damen zum Universitätsstudium zuzulassen. Ich habe nicht weiter ermitteln können, ob sich Simpson der Gefahren einer solchen Zulassung hinreichend bewusst war oder nicht, Gefahren, die meiner festen Ueberzeugung nach unserer Hochschule früher oder später erwachsen werden daraus, dass Damen zum Studium zugelassen wurden. Bei der bis jetzt stets so sehr mangelnden Vorbildung der Damen kann es nicht anders möglich sein, als dass der Charakter des akademischen Unterrichtes allmälig, unmerklich aber dauernd sich ändern muss, je grösser die Zahl der weiblichen Studirenden wird, und die Gründe, mit der meist dieses Studium der Damen gestützt und empfohlen wird, können ebensowenig für eine Hochschule von Nutzen sein — denn die Erweiterung der Erwerbsfähigkeit für irgend eine Klasse von Menschen geht die Universitäten nichts an. Wählt man aber das Auskunftsmittel wie in Edinburgh und errichtet besondere Klassen für Damen oder gründet gar, wie in Amerika, Hochschulen für dieselben, nun so gründe man auch Hochschulen

für Tertianer oder gar für solche, die gleich von der Elementarschule zur Universität wollen!

Die noch in Edinburgh lebhaft ventilirte Frage vom Studium der Frauen fällt schon in die letzte Lebenszeit Simpson's. Nachdem er schon vor einiger Zeit an akutem Rheumatismus gelitten, erlag er am 6. Mai 1870, Abends gegen 8 Uhr, einem Herzleiden nach einem Krankenlager von einigen Wochen 20). Obwohl alle Schritte geschehen waren, seine Leiche nach London überzuführen und ihm so im Tode die höchste Ehre der englischen Nation, nämlich eine Beisetzung in Westminster Abbey, zu erweisen, zog seine Familie es vor, ihn in der Stadt seines Wirkens in Edinburgh zur Ruhe zu legen. So begleiteten am 13. Mai Tausende die Leiche des grossen Arztes zur Gruft, während die Strassen der Stadt, in die er einst als armer unbekannter Bäckerjunge gekommen, von unzähligen Trauernden gefüllt, die Läden geschlossen waren.

Bevor ich noch kurz Simpson's Stellung als wissenschaftlichen Mediciner skizzire, muss ich noch als neuen Beweis seiner Vielseitigkeit, seiner antiquarischen Forschungen gedenken, die besonders in Schottland hochgeschätzt sind. Sie bewegten sich nach zwei Richtungen hin, einmal betrafen sie speciell medicinische Gegenstände, das anderemal die nationalen Alterthümer seiner Heimath 21). Zu den ersteren gehören Untersuchungen über Aussatz und Aussatz-Spitäler in Schottland und England, ferner eine interessante kleine Abhandlung über die Frage, ob die römischen Heere Aerzte gehabt hatten oder nicht — das Resultat seiner Untersuchung war, dass Militärärzte bei den Römern existirt hätten. Ferner beschrieb er einige kleine griechische Vasen, die zur Aufbewahrung von Lykion, einem im Alterthum sehr geschätzten Heilmittel bei Augenkrankheiten gedient

hatten, welches Heilmittel aus Indien von den Alten bezogen wurde und noch jetzt dort von den Aerzten der Hindoo's unter dem Namen von Rusot bei Conjunctivalkatarrhen etc. gebraucht wird. Es ist ein trocknes Extract vom Holze verschiedener Berberis-Arten. Hierher gehören auch Untersuchungen über altrömische medicinische Stempel und Siegel, ferner über Geschichte der Syphilis in Schottland. Als Uebergang gleichsam zu anderen archaeologischen Arbeiten könnte der Aufsatz über alte schottische Amulette betrachtet werden. Seine sämmtlichen übrigen Forschungen beziehen sieh auf alte schottische Grabsteine und deren Embleme und Aehnliches. Hiervon sind auszunehmen zwei Aufsätze über die Pyramiden Aegyptens. Sehr interessant ist schliesslich die grosse Rede, welche er als Vice-Präsident der archaeologischen Gesellschaft Schottlands am 28. Januar 1861 hielt über die frühere und zukünftige Aufgabe der Archaeologie, in welcher er wiederum sehr ausführlich die schottische Alterthumskunde besonders berücksichtigt. Einen Uebergang von diesen mehr humanistischen zu seinen speziell medicinischen Schriften bilden die bei verschiedenen akademischen und sonstigen Festlichkeiten gehaltenen Ansprachen 22), die sowohl durch Glanz des Stieles und Fülle der Bilder als durch den Adel der Gesinnung und durch die geschickte Anordnung des Inhaltes wahre Muster solcher Gelegenheitsreden sind. Sie handeln über die Pflichten des jungen Arztes, über die Aussichten eines solchen, über die neuem Fortschritte der Medicin und endlich über die Aufgabe des praktischen Arztes und den weiteren Fortschritt der Medicin.

Auf alle wissenschaftlichen Arbeiten und Mittheilungen Simpson's in seinem Spezialgebiete hier einzugehen, wäre buchstäblich unmöglich — ihre Zahl ist zu gross — abgesehen

davon, dass es mich in für diese Gelegenheit zu weit gehende Erörterungen führen würde. Von allgemein medicinischen Werken oder Arbeiten möge hier nur erwähnt werden ein grösseres mehr populär gehaltenes Werk über Homoeopathie 23). Wichtiger ist ein Werk über Acupressur 24), in welchem er den Inhalt mehrerer kleiner Aufsätze über diesen Gegenstand ausführlich zusammenstellt. Seine jedenfalls originelle Idee ist die, blutende Gefässe bei Operationen nicht durch Unterbindung zu verschliessen sondern durch Anpressen derselben gegen eine festere Unterlage mittelst einer Nadel; von diesem Verfahren versprach er sich eine Verminderung der Wundkrankheiten. Es ist Sache der Chirurgen von Fach, diesen Vorschlag näher zu prüfen, was bis jetzt vielleicht nicht genügend geschehen ist —jedenfalls hat das neue Verfahren wenig Anhänger bisher gefunden. Ein viel grossartigerer Gedanke aber wohl absolut unausführbar war jener Vorschlag Simpson's alle direkt ansteckende Krankheiten wie Pocken, Scharlach, Masern u. s. w. aus der Welt zu schaffen einfach dadurch, dass man jeden Erkrankungsfall derart vollkommen, in besonders dazu hergerichteten Räumlichkeiten isolirte und so, indem man die Ansteckungsmöglichkeit von Fall zu Fall vermindere — endlich das Erlöschen jener Erkrankungen herbeizuführen 25). Dieser Vorschlag ist gewiss theoretisch ebenso richtig — wie praktisch unausführbar. Die letzte Zeit seines Lebens beschäftigte er sich nun besonders mit der in der Neuzeit überhaupt so vielfach ventilirten Hospitalsfrage. Obwohl seine Aufsätze über Hospitalismus 26) recht interessant sind, so kommt er doch nur zu dem bekannten Resultat, dass eben vom hygienischen Standpunkt Hospitäler immer schlecht seien und dadurch zu dem Schluss, über den sich eben sehr viel diskutiren

lässt, dass man alle Spitäler soviel wie möglich verkleinern und zerlegen solle, um so möglichst den Verhältnissen der Privatpraxis in den wohlhabenden Ständen nahe zu kommen.

Simpson's Stellung und Leistungen auf seinem besonderen Gebiete, dem der Gynäkologie, kann ich, wie schon angedeutet, hier nur skizziren 27). Als er zu lehren begann, war auf dem Kontinent die gesammte Medicin abgewichen von den Bahnen einfacher Forschung und sorgfältiger Beobachtung der Natur — in der Geburtshilfe zeigte sich dies in einem elenden Formelkram, in einem Schematisiren der verschiedenen Vorgänge, in einer Sucht die physiologischen und pathologischen Erscheinungen ganz ohne Rücksicht auf die Wirklichkeit, ich möchte sagen vom grünen Tisch aus in möglichst complicirte Tabellen einzutheilen und zu subsummiren. Dem entsprach in der Praxis eine Sucht einzugreifen, nach vorgefassten Meinungen zu operiren, wo es unnöthig war, neue Instrumente zu erfinden, die oft nur für eingebildete Gefahren dienten. Dieser Zustand war auch in Grossbrittannien im Ganzen derselbe, wenn auch die englische Medicin und auch Geburtshülfe sich nie so weit von der thatsächlichen Beobachtung entfernt hatte. Dagegen war aber die englische und Dubliner Schule um so starrer am Festhalten des einmal für richtig erkannten. Simpson's Verdienst war es nun, dass er der einfachen Naturbeobachtung zu ihrem Recht verhalf, da wo dieselbe auch in der Geburtshilfe verlassen war, dass er neue pathologische und physiologische Gesichtspunkte in seine Wissenschaft brachte. Dass er andererseits aber, ohne ängstlich am Alten zu kleben, mit seiner ganzen Autorität für Verbesserungen eintrat, mochten dieselben nun von ihm

selbst ersonnen oder von Anderen angegeben sein. (Langer Forceps, Cephalothripsie, Kaiserschnitt u. s. w.)

Als Gynäkolog gehört er unstreitig zu den ersten Gründern dieses verhältnissmässig jungen Zweiges medicinischer Wissenschaft. Er führte mit vollem Verständniss neue Untersuchungsmethoden ein (Sonde, Dilatation des Muttermundes zu diagnostischen Zwecken), wobei er oft glücklich auf ältere aber bisher nur als Curiosität behandelte Angaben zurückgriff (Sonde). Er war es ferner, der vor allen Dingen eine ebenso rationelle wie erfindungsreiche Behandlung der Frauenkrankheiten zur Geltung brachte, indem er besonders den operativen und den mechanischen Behandlungsweisen vorzüglich ihre hervorragende Bedeutung in diesem Fache sicherte. in etwas auffallendem Gegensatz zu dieser Anschauungsweise steht dann allerdings sein Vertrauen auf alle mögliche Heilmittel in oft wunderlicher Form (medicated pessaries). Jedenfalls blieb all sein Denken und Streben fast ausschliesslich auf das Praktische, das direkt verwendbare gerichtet. Er war jedenfalls ein grosser Arzt aber keine wissenschaftlich schöpferische Grösse; streng wissenschaftliche Fragen erörterte er, ich möchte sagen, nur hie und da im Vorbeigehen. So kommt es auch, dass er eigentlich kein grösseres Werk, kaum eine grössere zusammenhängende Untersuchung veröffentlicht hat, wohl aber unzählige Mittheilungen, die oft geniale, geistreiche Gedanken und überraschende Beobachtungen enthalten. Kein Gegenstand auf dem ganzen Gebiete der Geburtshülfe und Gynäcologie, den er nicht in ein oder anderer Weise anregend besprochen hätte — ja manche Fragen, die später von Anderen erst ernstlich in Angriff genommen worden, hat er schon früh berührt

und ihre Bedeutung hervorgehoben, z. B. Ovariotomie, Transfusion.

Aehnlich wie er zu seiner grossen Entdeckung, dem Hauptruhm seines Lebens gekommen war, verfuhr er auch bei den meisten seiner Untersuchungen. Er versuchte eben, manchmal möchte man sagen scheinbar auf gut Glück dieses und jenes — und so tragen viele seiner kleineren Aufsätze oft nur den Charakter geistreicher Einfälle und sind eben auch sehr verschieden an Werth. Er selbst sagt, dass weder sein Temperament noch seine Zeit es ihm je erlaubt hätten, Notizen über seine Beobachtungen zu machen oder seine Erfahrungen zu sammeln. Wenn es so nur zu begreiflich ist, dass die wenigsten seiner Arbeiten den Stempel sorgfältiger Ausarbeitung, allseitigen Abschlusses an sich tragen, so muss man andererseits jedenfalls dankend und staunend anerkennen die Menge der Anregungen, die er durch dieselben in unsere Wissenschaft geworfen.

Das, meine Herren, ist in aller Kürze das Bild vom Leben und Wirken Sir James Simpson's.

Mir wollte es nicht unwerth erscheinen, an dieser Stelle vorgeführt zu werden.

Zeugniss wollte ich ablegen für den Dank, den die leidende Menschheit, die medicinische Wissenschaft und so viele Einzelne, darunter ich nicht der letzte, dem Todten schulden. Passend erschien es mir ferner, in den Zeiten geistiger Erregung das bewegte und doch so friedliche Leben des Mannes aus zur Erhebung, der studirenden Jugend zur Nacheiferung vorzuführen. Kann auch nicht Jeder das erreichen und das leisten, was Simpson erreicht und leistete, so kann doch Jeder aus seinem Leben lernen, wie der einzige Weg zu innerer und äusserer Befriedigung

in steter gewissenhafter Arbeit an sich selbst besteht und wie nur dadurch ein gesegnetes Wirken auf Andere möglich wird.

Endlich möchte ich noch daran erinnern, dass wenn ich als Deutscher hier auf schweizerischer Ehrenstelle die Verdienste des grossen schottischen Arztes pries, ich im Kleinen zu zeigen versuchte, was wir alle im Grossen als unser Ziel und unsere Aufgabe vor Augen behalten müssen, gerade in den Zerrissenheiten der Gegenwart, nämlich dass die Wissenschaft nur eine grosse, allgemeine ist, dass vor ihr die Unterschiede der Nationalitäten, der Streit der Völker zurücktritt. Nicht zwar so als sollten die Träger der Wissenschaft ihre Nationalität verleugnen oder ablegen und jenen heutzutage so vielfach gepriesenen Standpunkt allgemein cosmopolitischer Verschwommenheit annehmen, der schliesslich auf das jämmerliche ubi bene ibi patria hinausläuft, nein, nicht so steht die Wissenschaft über den Nationen, sondern sie lehrt uns in jeder Nation die hervorragenden Eigenschaften derselben kennen und ehren, sie lehrt uns, dass kein Volk der Erde des andern entbehren kann, sobald es sich um allgemein menschliche Dinge handelt, dass es mit andern Worten keine erste Nation auf Erden gicht, sondern dass in dem stillen Kreise der Wissenschaften, der doch so mächtig die Welt regiert, jeder gleichberechtigt ist, der Wahrheit sucht und Wahrheit verbreitet. So möge dann in diesem Sinne auch in unsern Tagen die Wissenschaft den Völkern lehren, dass über dem vollberechtigten Standpunkt der Nationalität, den jeder wahre ächte Charakter sich unangetastet bewahren muss, es doch noch etwas höheres giebt, nämlich Mensch zu sein und das allgemein Menschliche zu pflegen.

Anmerkungen.

Indem ich mich bemüht habe im Folgenden möglichst ausführliche literarische Nachweise zu geben, kann ich nicht umhin, Sir Walter Simpson und meinem verehrten Freunde Herrn Prof. Alexander Simpson meinen verbindlichsten Dank abzustatten für die liberale Uebersendung eines grossen Theiles des mir zur Verfügung gestandenen Materiales.

Diejenigen Schriften, die ich selbst durchgesehen habe, sind mit einem *) bezeichnet.

1) Necrologe Sir James Simpson's:

*) Medical Times and Gazette. May 14. 1870.

*) The Lancet, May 14. 1870.

*) British Medical Journal. May 14. 1870.

*) The Scotsman. May 9. 1870.

*) The Edinburgh Evening Courant. May 7. 1870.

*) The Daily Review. May 7. 1870.

*) In Memoriam. Sir James Young Simpson Bart. Edinburgh. 1870. Separatabdruck aus *) Edinburgh medical Journal. June 1870.

*) Not dead but arisen.

*) The national honors in Memory of Simpson.

*) The Gynaecological Society's Memorial Meeting. The Journal of the Gynaecological society of Boston. June 1870.

*) In Memoriam Sir James Young Simpson. Eulogy Delivered at the request of the Gynaecological Society 19. June 1870 by Rev, James Dunn. Boston. The Journal of the Gynaecological Society of Boston. August 1870.

Religiöse Betrachtungen eines Geistlichen!

*) Proceedings of the royal Society of Edinburgh. Vol. VII. 1870-71. No. 82.: Address by David Milne Home Esq. Vice-President.

*) Der Glaubensbote. Blätter für Kirche, Schule und Haus. Pest. 1. Februar 1871.

*) H. C. Lombard: Notice nécrologique sur James Simpson. Lu à la Société médicale de Genève. 1. Juni 1870. Lausanne. Wiener med. Presse No. 26.

2) Im nordamerikanischen Bürgerkriege wurde Chloroform in 120,000 Fällen angewendet und nur 8 mal mit unglücklichem Ausgang. Edinb. Med. Journal. Nov. 1870. p. 473.

*) Address of David Milne Home s. o. Kurz vor der Cernirung von Paris sandte die Fabrik von Mr. Flockhart 1000 Pfd. Chloroform in die Stadt und 800 Pfd. an die Armee des Kronprinzen. ibid. p. 253.

Simpson selbst in seiner Antwort bei Ueberreichung des Ehrenbürgerrechts von Edinburgh sagt, dass die Fabrik von Flockhart durchschnittlich täglich 8000, oder jährlich zwischen 2 und 3 Millionen "Dosen" (die Dose zu 2 Drachmen) Chloroform producirt. Edinburgh Daily Review. 27. October 1869 und Journal of the Gynaecological Society of Boston. Vol. I. December 1869.

3) Bei der Darstellung der geschichtlichen Entwickelung der künstlichen Anaesthesirung folge ich absichtlich besonders Simpson's eigenen Schriften. Die hauptsächlichsten Mittheilungen Simpson's über Anaesthesirung sind wieder abgedruckt in *) The Obstetric Memoirs and Contributions of James Y. Simpson edited by Priestley and Storer. Edinburgh 1856. Vol. II. p. 578-796. Darunter: Cap. V. on the early History und Progress of Anaesthetic midwifery p. 638 und Sect. V. The Chemical and Therapeutic History of Chloroform p. 778. Vergleiche ferner:

Simpson: Anaesthesia in Surgery, Midwifery 248 pag. Philadelphia 1849.

Dann besonders: *) A reply to Dr. Jacob Bigelow's second letter. By Sir James Y. Simpson. Communicated to the Gynaecological Society of Boston and received April 28. 1870.

Supplement to the May Number of the Journal of the Gyn. Soc. Boston.

*) Letter to Dr. Storer. Journal of the Gynaecol. Soc. Boston. July 1870. p. 50.

*) Arneth: Ueber Geburtshülfe und Gynaecologie in Frankreich u. s. w. Wien 1853. p. 231 u. f.

Aufsätze über die Anaesthesie von Simpson, die nicht in den oben angeführten Obstetrical Memoirs wieder abgedruckt sind, sind folgende: Historical Researches regarding the superinduction of Insensibility to Pain in Surgical Operations and Anouncernent of a new Anaesthetic Agent. Edinb. Monthly Journ. of Medic. Science. December 1847. p. 453.

Artificial Anaesthesia as a Means of facilitating Uterine Diagnosis. 1855.

On a new mode of administering Chloroform. November 1860.

Observations on Carbonic Acid Gas as a local Anaesthetic in Uterine Diseases. 1856.

Hydruret of Amyl was found by Dr. Simpson to possess strong anaesthetic properties. April 1857.

Notice of Chloride of Amyl as an Anaesthetic.

Vergl. für diese Notizen British Med. Journal. May 14. 1870.

On the anaesthetic and sedative properties of Bichlorid of Carbon er Chlorocarbon, Med. Times and Gazette. 1865. II. p. 651.

4) Hier möge gleich angeführt werden, dass Simpson in einem kleinen religiösen Traktätchen, deren er viele verfasst hat, zu beweisen sucht, dass Christus an ruptura cordis gestorben ist.

*) Did Christ die of a broken heart? (extracted from Appendix to Dr. Hanna's last Day of our Lord's passion) Edinburgh 1862.

5) Vergl. über Horace Wells die oben citirte "reply to Dr. Bigelow", ferner: By the Gynaecological Society of Boston, At the thirty-six regular meeting held on May 3, 1870 it was unanimously decided, upon the evidence offered by a Committee consisting of Drs. Warner, Sullivan and Dutton, who had faithfully examined into the whole matter, that, "after careful investigation of all the evidence presented, the honour of the solution of the problem of practical anaesthesia, as distinguished from the suggestion of any especial agent, belongs, without the shadow of doubt, to the late Dr. Horace Wells of Hartford Ct." Endlich: By the American Medical Association, which at Washington, upon May 6. 1870 at the recommendation of its Section of Practical Medecine and Obstetrics, which bad had before it living witnesses to the facts in the case, among whom Prof. White, of Buffalo, unanimously coincided to the decision telegraphed to it by the Gynaecological Society.

*) Journ. of the Gyn. Soc. Boston. July 1870 p. 50.

6) Es scheint ausser Zweifel , dass Jackson schon längere Zeit die betäubende Eigenschaft des Schwefeläthers gekannt hat, allein Morton bat erst die Bedeutung dieses Factums erkannt, *) Journ. of the Gyn. Soc. Bost. Nov. 1869 p. 314.

7) Bouchardat in seinem Nouveau Formulaire Magistral 1845 sagt unter der Ueberschrift Chloroforme: Cependant on peut se croire autorisé à regarder l'effect du Chloroforme comme antispasmodique, et à penser, que si une grande analogie d'action était également commune à chacune de ces substances. Im Edinb. Med. Journal for Nov. 1870 p. 441 wird behauptet, Simpson habe ein Exemplar dieses Werkes besessen.

*) Address of David Milne Home. p. 251.

8) Simpson giebt den 15. November 1847 als Geburtstag des

Chloroforms an, weil an diesem Tage die erste Veröffentlichung darüber von ihm erschien. Vide Edinb. Monthly Journal of medical Science. December 1847. Mitgetheilt hat er die Entdeckung schon am 11. November 1847 in der Edinb. Medico-Chirurgical Society.

Die eigentliche Entdeckung war am 4. November gemacht worden und die erste Anwendung bei einer Entbindung am 8. November. Dann wurden einige grössere chirurgische Operationen von Prof. Miller in Chloroformnarkose unter Simpson's Leitung ausgeführt.

Schwefeläther hatte Simpson zuerst am 19. Januar 1847 bei einer Entbindung angewendet.

vide: *) Account of a new anaesthetic agent as a substitute for sulphuric ether, in surgery and midwifery. Simpson Obstetr. Memoirs Vol. II. p. 722.

9) Surgical Experience of Chloroform by Prof. Miller. Edinburgh 1848. p. 10.

10) *) Arneth 1. c. p. 239.

11) Die unter No. 3 citirte Antwort auf Dr. Bigelow's zweiten Brief.

12) *) Obstetr. Memoirs Vol. II. p. 621.

13) *) the Scotsman. Monday 9. May 1870,

14) Antwort Simpson's auf die Adresse des Lords Provost bei Ueberreichung des Ehrenbürgerrechtes. Edinb. Daily Review Oct. 27.

1869. *) Journ. of the Gynaecol. Soc. of Boston Vol. 1. p. 370.

15) Er selbst hielt auch noch später in seinem Hause Sitzungen, in denen er seine Fähigkeit zeigte, Andere in magnetischen Schlaf zu versetzen. Hierüber öffentlich angegriffen, schrieb er:

Repudiation of Mesmerism. Ed. Monthly Journ. of Med. Sc. May 1851 und Lancet Sept. 1851. Worin er sagte, dass er derartige Experimente seit 10-15 Jahren häufig gesehen und selbst gemacht und dabei viele interessante Beobachtungen gesammelt habe — aber er sei weit entfernt, diese als Beweis für eine besondere Kraft, animalischen Magnetismus od. dgl. zu halten, es seien die Erscheinungen des tiefen Schlafes, der Muskelstarre u. s. w. nur Folge psychischer Eindrücke, die man unter Umständen bei besonders reizbaren Individuen hervorrufen könne.

*) Address of D. Milne Home. p. 262.

16) Als Simpson bei der Wahl zum Professor der Geburtshülfe vorgeworfen wurde, dass er unverheirathet sei und dies jedenfalls nicht passend für die Stelle sei, erwiderte er: "I admit it is a disqualification, but it may perhaps be removed" und reiste den nächsten Tag nach Liverpool und verlobte sich mit der Tochter von Mr. Walter Grindlay, mit der er in glücklichster Ehe lebte. Die Stimme, die er auf diese Weise für seine Wahl gewonnen hatte, soll den Ausschlag gegeben haben.

*) Address of D. Milne Home. 1. c. p. 249.

17) Man hat berechnet, dass bei den Hôtelbesitzern Edinburgh's durch Simpson's auswärtige Patienten jährlich wenigstens 80000 Pfd, Sterl. in Umlauf kamen. Um zu einer Consultation von Simpson zu gelangen, wurden oft die grössten Intriguen eingefädelt, da er bei der Menge der an ihn gestellten Anforderungen nur mit grösster Mühe zu erreichen war. Es kursiren eine grosse Anzahl Anekdoten hierüber in Edinburgh. vide *) David Milne Homes Address. 1. c. p. 256.

18) "Many of my most brilliant papers were composed at the bedside of my patients." Simpson. *) The Daily Review. May 7. 1870.

19) *) Dead iii Trespasses and Sins. An Address on Ephesians chapter II, given in the Free Assembly Hall. By Professor Simpson.

*) "My Substitute" by the late Sir James Simpson.

*) A beloved physician. Edinburgh. Elliot. 1871.

*) Golden Vials Filled by M. F. Barbour Stirling. Da Simpson sich auch als religiöser Dichter gezeigt hat, möge hier eine von ihm in Genf 1867 geschriebene Hymne einen Platz finden.

Rest.
Oft' mid this world's ceaseless strife,
When flesh and spirit fail me,
J stop and think of another life,
Where ills can never assail me;
Where my wearied arm shall cease its fight
My heart shall cease its sorrow
And this dark night change for the light.
Of an everlasting morrow.
On earth below there's nought but woe,
E'en mirth is gilded sadness;
But in heaven above there's nought but love,
With all its raptured gladness.
There, till I come, waits me a home,
All human dreams excelling,
In which, at last, when life is past,
I'll lind a regal dwelling.
Then shall be mine, through grace divine,
A rest that knows no ending,
Which my soul's eye would fain descry,
Though still with clay 'tis blending.
And, Saviour dear, while I tarry here,
Where a Father's love has found me,
Oh let me feel, through woe and weal,
Thy guardian arm around me.

20) Ausführliche Section von Beil Pettigrew und Dr. John Chiene gemacht, siehe

*) Lancet. May 14. 1871.

Die Hauptmomente sind:

Dura mater was adherent to the skull-cap. There was subarachnoid effusion. After reflecting the scalp, the following measurements of the skull ware taken. Circumference round by occipital protuberance and below frontal eminences 22'/2 inches; from ear to ear 13 inches; from occipital protuberance to point between superciliary ridges, 13 inches. The weight of the entire brain (cerebrum and cerebellum) was 54 ounces, the weight of the cerebellum, the pons and medulla oblongata was 51/4 ounces. The convolutions of the cerebrum were remarkable for their number, depth, and intricate foldings. This was noticed more particularly in the anterior lobes an the islands of Reil. The brain substance was congested, otherwise healthy. Thera were atheromatous deposits in the arteries at the base. The pericardium and anterior mediastinum were loaded with fat. The heart weighed 18 1/2 ounces; it contained no clot; it was enlarged, flaccid and pale. Both ventricular cavities were enlarged. The muscular walls of the right ventricle in some places were almost entirely replaced by fat. The tricuspid and pulmonary valves were healthy. Thera was atheromatous deposit in the septal segment of the mitral valve. The aortic valve was competent; there was atheromatous deposit in one of the cusps and in the aorta, which was somewhat enlarged. In the ventricular septum, dose to the apel, there was an aneurismal sac, of the size of a pigeon's egg, communicating by a large opening with the cavity of the left ventricle; it was filled with firm fibrinous coagulum which projected into the ventricular cavity through the opening. The lungs, liver, kidneys ami spieen ware deeply congested with indications in all of extravasation of blood (apoplexy). *) British Med. Journal. May 14. 1870.

21) Simpson's antiquarische Werke sind folgende:

Antiquarian Notices of Leprosy and Laper Hospitals in Scotland and England. (Three papers read before the Med. Chir. Society. March 3. 1841) Ed. Med. and Surg. Journal, Oct. 1841 and Jan. and April 1842.

Ancient Roman Medical Stamps. Three papers. Ed. Monthly Journ. of Med. Sc. Jan. March. April 1851.

Notice of Roman Practitioner's Medicine Stamp found near Tranent. 16 December 1850. Royal Society. Edinb.

*) Was the Roman army provided with any medical Officers? Edinb. 1851. (Zur Privatcirculation gedruckt.)

*) Notes on some ancient Greek medical Vases for containing Lykion; and on the modern use of the same drug in India. Edinb. 1856. (Zuerst in Ed. Monthly Journ. of Med. Sc. Jan. 1853.)

Notice of the appearance of Syphilis in Scotland in the last years of the fifteenth Century. 1860.

Note on a Pictish inscription in the Churchyard of St. Vigeans. Royal Society. Edinb. 6. April 1863.

*) Notes on some Scottish magical Charm-Stones or curing-Stones. Proceedings of the Antiquarian Society of Scotland. Vol. IV. Edinb. 1868.

*) An account of two Barrows at Spottiswood, Berwickshire, opened by the Lady John Scott. ibid.

*) Account of Some Ancient Sculptures on the Walls of Caves in Fife. Edinb. 1867.

Proceed. of the Royal Soc. Januar 1866. Vol. V.

*) Notices of some ancient Sculptures on the Walls of Caves. Dasselbe, erste Mittheilung ohne Abbildungen.

*) Cup Cuttings and ring-cuttings on the Calder Stones near Liverpool.

Transactions of the Historie Society of Lancashire and Cheshire. Liverpool 1866.

*) Archaeology: its past and its future work. Being the annual Address of the Society of Antiquaries of Scotland, given January 28. 1861. Edinburgh 1861.

Archaic Sculpturings of Cups, Circles etc. upon Stones and Rocks in Scotland, England and other Countries. 1867. Selbstständiges Werk in 4.

The cat Stone. Edinb. 1862.

Is the pyramid at Gizeh a meteorological monument? Royal Society Edinburgh. Januar 1868. Pyramidal Structures in Egypt and elsewhe. ibid.

Ancient Roman Medicine Stamps. p. 1-80 unvollendet.

Stone wofed Cell at Inchcolm.

22) Die Reden sind:

*) On the Duties of young physicians. Address at the annual public meeting of the senatus academicus of the University held 1. August 1842.

*) On the Prospects of Young Physicians. Address at the meeting etc. 1. August 1855.

*) On the modern advancement of Physic. Presidential address to the Edinburgh Medico-Chirurgical Society, 5. Januar 1853.

Gesammelt sind diese in einem kleinen Band: *) Physicians and Physic: three addresses. Edinburgh 1856.

Ferner: The Duties of Practitioners of Medecine and the future Advances of Medecine, being the medical Graduation-Address in the University of Edinburgh. August 1. 1868. Med. Times and Gazette 1868. Vol. II. p. 143.

23) Homoeopathy; its Tenets and Tendencies, Theoretical, Theological and Therapeutical. Edinburgh 1853. III. ed.

Simpson und Syme hatten seinerzeit den Antrag gestellt, dass kein Homoeopath Mitglied der Medico-Chirurgical Society Edinburgh sein durfte. Aus der Rede zur Begründung dieses Antrages wurde später das Buch.

24) *) Acupressure a new method of arresting Surgical Haemorrhage and of accelerating the healing of Wounds. Edinb. 1864. 680 pp. II. Aufl. 1867. Französische Uebersetzung bei Asselin, Paris. 1864. 272 pp.

Ferner über denselben Gegenstand von Simpson:

On Acupressure, a New Method of arresting haemorrhage. Royal Society Edinb. 19. Dec. 1859. Edinb. Med. Journ. January 1860.

*) Cases of Amputations with acupressure Med. Times and Gaz. Febr. 11. 1860.

Dublin Hospital Gazette 1860. Januar 2. p. 7.

Report of some cases of Amputation in which Acupressure was employed. vide British med. Journ. 1863.

Clinical Lectures on Acupressure, Med. Times und Gazette 1864.

Remarks on Acupressure, British med. Journal. December 23. p. 672. 1865.

Notes on Acupressure Lancet, Febr. 23. 1867.

Notes on the Progress of Acupressure (Brochure). II. Aufl. 1867.

Did John de Vigo describe Acupressure in the sixteenth Century? Brit. med. Journ. August 24. 1867. p. 145. Ueber denselben Gegenstand: Med. Times and Gaz. 1867. Vol II. p. 187.

25) On Vaccination and on Phrophylaxis of Scarlatina, Mondes etc. 1853. *) Obstetr. Memoirs. Vol. 11. 481. In diesem Aufsatz hofft S. noch, man könne Scharlachfieber u. s. w. vielleicht auch ähnlich wie Pocken durch Impfen oder dgl. verhüten.

Proposal to Stamp out Small-pox. Med. Times and Gaz. 1867 vol. 11 und 1868 vol. 1.

26) Schon im Jahre 1848 empfahl Simpson eine vollkommene Aenderung in dem System der Krankenhäuser, und zwar im Sinne des Pavillonsysteme. vergl. Brit. Med. Journal May 14. 1870.

On Mortality after Limb Amputations. British Med. Journal. Vol. I. 1869.

Hospitalism: its influence upon limb amputation in the London Hospitals. Brit. med. Journ. June 12. 1869.

Some propositions on hospitalism. (in answer to T. Holmes.) Lancet 1869. p. 295 u. f.

*) Our existing System of Hospitalism and its effects. Edinb. Med. Journ. March 1869.

*) Hospitalism and its effects. ibid, June 1869.

Hospitalism: its effects on the results of surgical Operations. ibid. December 1869.

Vorstehende drei Aufsätze sind auch zusammengedruckt in einer Brochure (nicht im Buchhandel) unter dem Titel *) Hospitalism: its effects on the results ot' surgical Operations Edinburgh 1870. Der interessanteste Satz, zu dem Simpson hier durch statistische Untersuchungen kommt, ist, dass von 2089 Amputationen in Spitalspraxis 855 starben, von ebenso viel in Privatpraxis 226, dass also auf die Spitalspraxis 629 Todesfälle mehr kommen.

Das von ihm empfohlene System entspricht eigentlich dem Pavillonsystem, nur will er die Treppen nicht in das Haus verlegen.

27) Wenn ich es hier zum Schluss unternehme, die speciell medicinischen und pathologischen Schriften zusammen zu stellen, so muss ich von Hause aus auf Vollständigkeit verzichten. Die Aufsätze Simpson's sind so zahlreich, so zerstreut, oft gleichzeitig in verschiedenen Journalen veröffentlicht, dass ein ganz anderer literarischer Apparat mir zu Gebote stehen müsste, als ich ihn besitze, wenn hier eine vollständige Zusammenstellung gegeben werden sollte. Die in den *) Obstetric Memoirs and Contributions, Edinb. 1855 wieder abgedruckten citire ich nur nach diesem Werk, mit der Bezeichnung O. M.

In den Jahren 1859, 1860 und 1861 erschien eine Serie von klinischen Vorträgen Simpson's, von ihm selbst redigirt in der Med. Times and Gazette. Dieselben sind in Amerika als Nachdruck in einem Band gesammelt und geben ein ziemlich vollständiges Bild von Simpson's gynäkologischem Standpunkt.

*) Clinical Lectures on Diseases of women. Philadelphia. Blanchard and Les. 1863. 510 pp.

Ausserdem sind in: Tweedies Library of Medicine. Vol. IV. London 1840 folgende Artikel von Simpson:

Inflammation of the Uterus. Polypus — Cauliflowerexcrescence — Carcinoma — Corroding Ulcer — Other morbid degenerations of the Structure of the Uterus — Inflammation of the Ovary — Dropsy of the Ovary — Structural Diseases of the Ovary.

*) Arneth. 1. c. p. 493.

AUFSAETZE ALLGEMEIM MEDICINISCHEN INHALTES SIND FOLGENDE:

The contagiousness of Cholera. Ed. Med. and Surg. Journ. April 1838.

Ueber denselben Gegenstand: Ed. Monthly Journ. of Med. Sc. Februar 1849.

Description of the Bones of the Distorted Foot of a Chines Woman. Northern Journ. of Med. Aug. 1845.

Experiments on the Lower Animals with Metallic Sutures. Med. Times and Gaz. 1858 II. pp. 571 und 625.

Treatment of Hydrocele by Iron-wire Seton. ibid.

*) On the existence in the Human Subjects of Organs unprovided with Nerves, Lymphatics or Capillaries; auch unter dem Titel:

on the anatomical Type of Structure of the Human umbilical cord and Placenta. Royal Society Edinb. Vol. 32. Eine fast naturphilosophische Abhandlung darüber, dass Mutter und Kind durch ein Gebilde vereinigt seien, das den Typus niedrigster organischer Wesen an sich trüge!

A Lecture on the Siamese and other United Twins. British med. Journ. Vol. 1. 1869.

Some remarks on the value and serenity of the numerical or statistical method of inquiry as applied to various questions in operative surgery. Monthly Journ. November 1847.

Ueber fieberhafte Erkrankungen nach Operationen. Med. Times. April 23. 30. Mai 21. 1859, vide Referat in Monatsschrift für Geburtskunde. Band 15, 5. 306.

AUFSAETZE THERAPEUTISCHEN INHALTES:

Solutions of Gun Cotton, Gutta Percha, and Caoutchouc as dressings for wounds. Ed. Monthly Journ, of Med. Sc. July 1848.

*) Medicated Pessaries. 0. M. 1. p. 98.

*) Chloride of zinc in Ulceration of the Cervix. O. M. I. p. 100.

*) Potassa fusa in inflammatory induration of the Cervix Uteri. O. M. I. p. 101.

*) Injections of Jodine into Ovarian. Cysts. O. M. I. p. 200.

*) Gallic Acid in Menorrhagia, O. M. I. p. 293.

*) Therapeutic action of Furfurine, Nickel etc. O. M. I. p. 296.

*) Therapeutic action of the Salts of Cerium. O. M. I. p. 312.

*) Inhalation of Laudanum for the Vomiting in Pregnancy. O. M, I. p. 349.

*) "Pulvis ad Partum" of the first Edinburgh Pharmacopocia, O. M. I. p. 373.

*) Indian Hemp as an Oxytoxic. O. M. I. p. 374.

*) Collodion as an application to Sore Nipples. O. M. II. p. 80.

*) Chloroform in Infantile Convulsions and other Spasmodic Diseases and in Pneumonia. O. M. II. p. 470.

*) External Use of Oil, in the prevention and treatment of Scrofula, Phthisis etc. O. M. II. p. 486.

Ferner 31 Aufsätze über Anaesthesie, vide Ob. M. II. p. 510-796. Suggestions of new caustic substances, Med. Tim. and, Gaz. Jan. 17. 1851.

On the anaesthetic and sedative properties of bichloride or chloraocarbon. Med. Tim. und. Gaz. 1863. No. 807.

Kerosolen als locales Anaestheticum. Med. Tim. und. Gaz. 1866. March 3.

Carbolic acid and its compounds in Surgery. Lancet 1867. Nov. 2.

GEBURTSHUELFLICHE AUFSAETZE:

1. Physiologie der Schwangerschaft, Geburt und des Wochenbett es.

*) Duration of Human Pregnancy. O. M. I. p. 329.

*) Appearance of the Areola as a Sign. of Pregnancy. O. M. I. p. 345.

*) The determining cause of Parturition. O. M. I. p. 351.

*) Sound heard during Detachment und Expulsion of the Placenta. O. M. I. pag. 352.

*) Mechanism. of natural labour. O. M, I. p. 353.

*) Treatment of Face Presentations. O. M. I. p. 482.

*) Reports of Edinburgh Royal Maternity Hospital. O. M. I. p. 844.

II. Pathologie der Schwangerschaft etc.:

*) Influence of Death of the Foetus on its Retention or Expulsion. O. M. I. P. 346.

*) Treatment of Haemorrhage in connection with abortion. O. M. I. p. 367,

*) Laceration of Perineum and Cervix Uteri during Natural Labour. O. M. I. p. 367.

*) Inefficiency of Uterine Action as a Cause of Tedious Labour. O. M. I. p. 369.

*) Influence of Galvanism on the action of the Uterus. O. M. I. p. 375.

*) Sex of Child as a Cause of Difficulty during Parturition, O. M. I. p. 394.

*) Irregularities of Head Presentations O. M. I. p. 454.

*) Dystocia from Displacement of the Arm. I. p. 488.

*) Transverse Presentations. O. M. I. p. 628.

*) Spontaneous Evolution or Expulsion of the Foetus. O. M. I. p. 645.

*) Danger of rupture of the Uterus from Hydrocephalus. O. M. I. p. 653.

*) Entrance of air through Uterine Sinuses. O. M. I. p. 813.

*) Sudden Death after Delivery. O. M. I. p. 816.

*) Inversion of the Uterus. O. M. I. p. 817.

*) Albuminuria in Convulsions. O. M. I. p. 821.

*) Complication of Labour by Fibrous Tumours. O. M. I. p. 833.

Extra uterine gravidity. Edinb. Med. Journ. Sept. 1863. Case of extra uterine gravidity. Edinb. Med. Journ. März 1864.

*) Case of missed Labour. Ed. Med. Journ. Decemb. 1865 p. 576. On morbid conditions and injuries of the spieen in the pregnant and parturient states. Edinb. Journ. Sept. 1866.

*) Analogy between Puerperal and Surgical Fever. O. M. II. p. 1.

*) Communicability and Propagation of Puerperal Fever. O. M. II. p. 20.

*) Pathological Researches on Puerperal Arterial Obstructions and Inflammations. O. M. II. p. 34.

*) Tetanus following Lesions of the Uterus, Abortion, and Parturition. O. M. II. p. 49.

*) Perineal Fistula, left by the transit of the Infant through the Perineum. O. M. II. p. 77.

III. Geburtshülfliche Operationen:

*) Mode of Application of the Long Forceps. O. M. I. 492.

*) The Air Tractor. O. M. I. p. 498.

*) Turning as a substitute for Craniotomy and the Long Forceps. O. M. I. p. 506.

*) Remarks on the Operation of Craniotomy. O. M. I. p. 621.

*) Relative Statistics of Artificial Delivery. O. M. I. p. 624.

*) Indication from the Foetal Pulse of Danger of the Child. O. M. I. p. 627.

*) Oase of Malacosteon. Indications for Caesarean Section. O. M. I. p. 656.

*) On the Separation of the Placenta before the Birth of the Child in placenta praevia. O. M. I. p. 677.

*) Summary of Principles of Treatment in Placental Presentations. O. M. I. p. 802.

*) Transfusion in Hemorrhage. O. M. I. p. 812.

*) Induction of premature Labour. O. M. I. p. 836. Case of Cesarian Section. Edinb. Journ. March 1866.

*) On Cranioclasm. Clinical Lectures. Philadelphia; p. 397.

IV. Physiologie und Pathologie des Eies und der Frucht:

*) Attitude and Positions, Natural and Preternatural, of the Foetus in Utero. O. M. II. p. 81.

*) Excitation of the Foetal Movements by Cold. O. M. II. p. 149.

*) Vital Contractions in the Umbilical Arteries and Veins. O. M. II. p. 150.

*) Peritonitis in the Foetus in Utero. O. M. II. 152.

*) Inflammatory Origin of some Malformations in other parts of the Body. O. M. II. p. 198.

*) Case of Peritonitis, with permanence of the Omphalo-Mesenteric Vessels. O. M. II. p. 206.

*) Birth of a Double Monster; one child alive. O. M. II. p. 209.

*) Hepata succenturiata. O. M. II. p. 213.

*) Hermaphroditism. O. M. II. p. 214.

*) Spontaneous Amputation of the limbs of the Foetus in Utero. O. M. II. 355.

*) Rudimentary Reproduction of Extremities after their Spontanous Amputation. O. M. II. p. 374.

*) Intra-Uterine Cutaneous Disease; Ichthyosis. O. M. II. p. 378.

*) Intra-Uterine Small-Pox. O. M. II. p. 390.

*) Intra-Uterine Goitre or Bronchocele. O. M. II. p. 392.

*) Congestion und inflammation of the Placenta. O. M. II. p. 397.

*) Nature of Hydatiginous Degeneration of the Ovum. O. M. II. p. 450.

*) Placental Phthisis or Apnoea; as an Intra-Uterine cause of Death among premature Children; its variety and treatment. O. M. II. p. 451.

Ueber die Wassersucht des Eies. Ed. Med. Journ. 118. June 1865. Ref. Monatsschrift f. Geburtskunde.

Case of spina bifida und remarks on the surgical treatment of the disease. Edinb. Med. Journ. May and June 1866.

Pathalogical observations on the Diseases of the Placenta. Ed. Med. Journ. April 1836. p. 265.

*) Case of double Cephalaematoma; there treatment. O. M. II. p. 463.

*) Diseased States of the Umbilicus after Birth. O. M. II. p. 464.

*) Treatment of Erectile Naevi. O. M. II. p. 465.

*) Propositions regarding Local Paralysis occurring during Infancy. O. M. II. p. 466.

*) On the Pathological Connection between Chorea und Rheumatism. O. M. II. p. 468.

*) Simultaneous co-existence and progress of Small-Pox and Cow-Pox; their mutual influence on each other. O. M. II. p. 476.

GYNAEKOLOGISCHE AUFSAETZE.

Contributions to intrauterine Pathologie. Ed. med. Journ. Oct. 1838 und Juli 1839.

*) General Remarks on Uterine Diagnosis. O. M. I. p. 1.

*) On the Position of the Patient for the Use of the Speculum. O. M. I. p. 31.

*) Memoir on the Uterine Sound. O. M. I. p. 33.

*) Antiquity of Uterine Sounds and Pessaries. O. M. I p. 93.

*) On the Use of the Exploring Needle. O. M. I. p. 94.

*) Inflammatory Eruptions upon the Mucous membrane of the Cervix Uteri. O. M. I. p. 97.

*) Morbid Deviations of Involution of the Uterus. O. M. I. p. 103.

*) Terminations and Treatment of Fibroid Tumours of the Uterus. O. M. I. p. 114.

*) Artificial Removal of a large Uterine fibrous Tumour. O. M. I. p. 118.

*) Diagnosis of Polypi growing from the Lips of the Cervix Uteri. O. M. I. p. 120.

*) Detection and Treatment of Intra-Uterine Polypi O. M. I. p. 122.

On Tangle Tents. Brit. med. Journ. March. 9. 1864.

*) Excision of large Pedunculated Uterine Polypi. O. M. I. p. 150.

*) Amputation of the Cervix for Cauliflower-Excrescence. O. M. I. p 162.

*) Amputation for Carcinoma, O. M. I. p. 173.

*) Occasional Latency of Symptom in advanced Carcinoma Uteri. O. M. I. 190.

*) Carcinomatous Disease of the Fundus Uteri. O. M. I. p 193.

*) Retroversion of the Unimpregnated Uterus. O. M. I. p. 199.

*) Ascent of Unimpregnated Uterus. O. M. I. p. 226.

*) Gout of the Uterus. O. M. I. p. 230.

*) Fistulae as the Results of Pelvic Abscess. O. M. I. p. 232.

*) Position of the Patient for Tapping in Ovarian Dropsy. O. M. I. p. 239.

* Plaster-belt in Abdominal Tumours. O. M. I, p. 246.

*) Inflammatory and Not-Inflammatory Ruptures of Ovarian-Cysts. O. M. I. p. 247.

On Ovariotomy and first Tappings in Ovarian Dropsy. Ed. med. Journ. März 1864.

Successful case of Ovariotomy. Ed. med. Journ. March 1864.

*) Ovariotomy — Its Justification. O. M. I. p. 263.

*) Remarks on a case of sudden Death in ovariotomy while the patient was under the influence of Chloroform. Brit. med. Journal. 1870. No. 478.

*) Amenorrhoea from imperfect development of the Uterus. O. M. I. p. 281.

*) Nature of the Membrane expelled in Dysmenorrhoea. O. M. I. p. 282.

*) Dilatation und Incision of the Cervix Uteri in Dysmenorrhoea. O. M. I. p. 288.

*) Retention of Menstrual secretion. O. M. I. p. 292.

*) Direct Application of Remedies to the Cavity of the Uterus. O. M. I. p. 295.

*) Spurious Pregnancy. O. M. I. p. 300.

*) Fatal Venous Hemorrhage from Pudenda. O. M. I. p. 305.

*) Ball Valve Obstruction ot the Rectum. O. M. I. p. 305.

*) Peritoneal Hydatids in fluid removed by Tapping. O. M. I. p. 307.

*) Eruptions on the Intestinal mucous membrane. O. M. I. p. 308.

*) Vagynodynie. Ed. med. Journ. Decemb. 1861. p. 593.

*) Coccygectomie. Ed. med. Journ. July 1861.

*) Coccyodynia and the diseases und Deformities of the coccyx. Clinical Lectures Philadelphia. p. 209.

*) Pelvic Cellulitis. Clin. lect. p. 229.

*) Sub-involution of the uterus after delivery. Clin. lect. p. 462.

*) Iron-thread Sutures and Splints in Vesico Vaginal Fistulae. Brit. med. Journ. 1870.