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Rektorats Reden © Prof. Schwinges

Technik wozu und wohin?

Ansprache von Rektor

Prof Hans Grob

am ETH-Tag, 17. November 1979.

(Redaktionell gekürzte Fassung)

"Schuster bleib bei deinen Leisten" ist eine bewährte Lebensweisheit, die uns davor bewahren will, uns in Dinge einzumischen, die wir nicht verstehen. Das haben wohl auch verschiedene meiner Kollegen und andere der ETH wohlgesinnte Leute gedacht, die mir in liebenswürdig kameradschaftlicher Weise allerlei Bücher und Schriften und Auszüge geschickt haben, um mir bei der Behandlung des fast philosophisch anmutenden Themas zu helfen. Ich möchte mich herzlich bedanken für die Hilfe. Etwas anders betrachtet, ist der alte Spruch vom Schuster eine bequeme Entschuldigung für Denkfaulheit. Es ist doch anzunehmen, dass wir an der ETH die Technik einigermassen kennen. Warum sollten wir nicht selber einmal über das Ziel unseres Tuns und unserer Verantwortung nachdenken, statt dies ängstlich den Dichtern und Denkern oder anderen "Engagierten" zu überlassen, gerade in der heutigen Zeit, da die Menschheit über Zweck und Nutzen der Technik keineswegs mehr sicher und einig ist.

Unter solchen Überlegungen und trotz allerhand Hemmungen wurde die Frage

"Technik wozu und wohin?"

als Gesamtthema über unser Jubiläumsjahr 1980 gestellt, das wir als das 125. Geburtsjahr unserer ETH feiern wollen. Wenn dabei von Technik die Rede ist, so sei immer auch die Naturwissenschaft mit einbezogen, weil die beiden heute unlösbar miteinander verknüpft sind und an der ETH gelehrt werden.

Technik?

Das Wort stammt vom griechischen Techne, das mit "Kunst" oder "Fertigkeit" zu übersetzen ist. Heute ist darunter das Schaffen von Gegenständen zu verstehen, welche die Natur nicht anbietet. Voraussetzung ist immer eine schöpferische Idee und ein Bedarf. Wichtig sind ferner die Kenntnis der Naturgesetze und der Materialeigenschaften, für welche je länger desto stärker die Naturwissenschaften zuständig sind, sowie die Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit.

Kultur

Technik wird häufig als Gegenpol der Kultur betrachtet. Dies ist falsch, denn Kultur ist ein viel breiterer Begriff, welcher die ganze Lebensweise und geistige Aktivität eines Menschen oder Volkes umfasst, also auch die Technik. Kultur stammt vom lateinischen "colere", pflegen, ist also das Pflegen oder das Gepflegte. Dies ist zunächst in ganz einfachem, praktischem Sinn zu verstehen. Der Mensch selbst ist ja ein sehr pflegebedürftiges Wesen. Einzelne Autoren behaupten, er komme viel zu früh zur Welt und brauche deshalb, verglichen mit der Tierwelt, zu viel Pflege. Aber auch den Windeln entwachsen ist er körperlich nur ungenügend ausgerüstet für den Lebenskampf. Er besitzt weder Krallen noch Hörner, und sein Gebiss ist schwach. Auch läuft er zu wenig schnell und ausdauernd, um ein anständiges Beutetier einzuholen.

Schon auf der Stufe der "Sammler und Jäger" war daher der Mensch darauf angewiesen, Waffen und Methoden zu entwickeln, also eine primitive Technik, die ihm das Überleben erleichterte. In den fernen, glücklichen Zeiten des Anfanges, welche immerhin mehrere Millionen Jahre dauerten, waren offenbar Technik und Kultur dasselbe. Der Mensch baute sich seine bescheidene Kultur, die ihm das Überleben ermöglichte, aus technischen Massnahmen auf.(...)

Im Verlauf der letzten paar Jahrtausende, also verglichen mit dem Alter des Menschengeschlechts in ausserordentlich kurzer Zeit, hat sich die Kultur ungeheuer entwickelt. An klimatisch günstigen Stellen entstanden ganze Folgen von Hochkulturen.

Grundlage dazu bildete wiederum die Technik in Form von Handwerk samt damit verbundener Arbeitsteilung. Auf rein handwerklicher Basis entstanden aber auch schon bemerkenswert grosse technische Werke, hauptsächlich auf dem Gebiet des Wasserbaues, da ja Wasser eine Voraussetzung

Zahlreiche Prominenz war auch dieses Jahr am ETH-Tag in der Mehrzweckhalle Polyterrasse versammelt. (Photopress)

Zwei Ehrenpromotionen Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich hat am diesjährigen ETH-Tag zwei Ehrendoktorate verliehen. Herrn SIEGFRIED CYMOREK, Krefeld, BRD, wurde die Würde eines Doktors der Naturwissenschaften ehrenhalber verliehen "in Anerkennung seiner grossen Verdienste zur Erforschung der Biologie holzzerstörender Insekten, insbesondere der Entwicklung von Zuchtmethoden, die zu einer aussergewöhnlichen Bereicherung der Materialwissenschaft auf dem Gebiete der Holzschutzmittel-Prüfung führten", sowie Herrn MAX E. WÄHREN, Bern "in Anerkennungseiner hervorragenden Verdienste um die Förderung einer gesunden Ernährung aufgrund der Erforschung der Geschichte des Brotes in weiten Teilen der Welt, die Bekanntmachung des Brotes als kulturhistorisches Gut durch Wort, Schrift und Ausstellungen, die Sammlung von Broten und Geräten sowie die Erhaltung alter Bräuche" die Würde eines Doktors der Technischen Wissenschaften ehrenhalber. (Unser Bild: Die beiden neuen Ehrendoktoren der ETH, Dr. h. c. Siegfried Cymorek (links), Rektor Hans Grob (Mitte) und Dr. h. c. Max E. Währen) (Photopress)

jeglichen Lebens auf dieser Erde bildet. Unermüdliche, generationenlange Handarbeit war bereits imstande, die Landschaft wesentlich zu verändern. Ich erinnere an die terrassierten Hänge, die Rodung der Wälder, welche allerdings an gefährlichen Stellen, etwa rund um das Mittelmeer, höchst unerfreuliche Folgen hatte. Der materielle Fortschritt bot die Möglichkeit, über die Befriedigung der nackten Lebensbedürfnisse hinaus das zu schaffen, was man heute gemeinhin als kulturelle Werte und Güter bezeichnet. Es entstanden die grossen Religionen, die das geistige Leben prägten. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass gerade im Abendland die stark technisch orientierten Kulturen einen grossen Aufschwung nahmen. Es brauchte offenbar dazu den besonders realistischen Geist der Europäer, mit dem sie übrigens, wo sie hinkommen, viel Anstoss erregen. Schon in der handwerklichen Technik geht ja das Streben ständig dahin, die Arbeitsweise derart zu verbessern, dass mit weniger Mühe ein besseres Produkt entsteht. Dies musste schliesslich zur industriellen Produktion führen, als es gelang, Naturkräfte in grösserem Ausmass in den Dienst des Menschen zu stellen, zuerst das Wasser, später Kohle und Dampf. Schon damals entstanden bei der Einführung der neuen Technik grosse Schwierigkeiten und soziale Unrast; man spricht nicht umsonst von industrieller Revolution

Es scheint mir noch wesentlich festzustellen, dass die Wissenschaft an dieser industriellen Revolution kaum beteiligt war. Ursache war vielmehr der Urtrieb des Abendländers zur Rationalisierung schlechthin. Erst mit der industriellen Nutzung der Elektrizität gewann die Wissenschaft Bedeutung für die Technik. (...)

In meinen letzten Ausführungen habe ich die geistige Seite der Kultur ganz übergangen. Davon ist aber auch wesentlich weniger Neues zu melden; im Vergleich zum technischen kommt mir der geistige Fortschritt recht bescheiden vor. Die heutigen Probleme, Lösungen und Künste kommen im Wesentlichen auch schon bei den alten Griechen, Indern und Chinesen vor. (...)

Zudem ist der Mensch als ganzes wie jedes andere Lebewesen durch seine Erbmasse bestimmt. Wenn die Natur mehrere Millionen Jahre benötigte, um den Zweig der Hominiden bis zum Homo sapiens zu entwickeln, so wundert es nicht, wenn wir innert 2-3 Jahrtausenden keine weitere Entwicklung feststellen und trotz vielfältigen Bemühungen der Mensch doch immer der alte bleibt. Anderseits wundert es ebensowenig, dass ihm das Haus der Wissenschaft und Technik, an welchem er mit tausend Händen und Köpfen und immer wachsender Geschwindigkeit baut, immer weniger wohnlich und oft sogar unheimlich vorkommt. Der althergebrachte Mensch verkraftet seine Technik nicht mehr, schon gar nicht seelisch, und vielfach nicht einmal körperlich. (...)

Technik wozu?

Wir stehen bereits mitten in der Frage "Technik wozu?" Brauchen wir sie wirklich in ihren modernen Ausmassen? Da ist einmal auf die unablässig sich vermehrende Weltbevölkerung hinzuweisen, deren Wachstum, wenigstens einstweilen, sich immer noch beschleunigt. Alle diese Leute müssen versorgt werden, d. h. sie sollen sich selber versorgen können mit Nahrung, Kleidung, Wohnung und allem, was zu einem menschenwürdigen Dasein gehört. Es sollte nicht vorkommen, dass grosse Teile der Menschheit sich von morgens früh bis abends spät abrackern und erst noch Hunger leiden müssen. Wir werden uns alle zusammen ganz gehörig anstrengen und alles ausnützen müssen, was Wissenschaft und Technik bieten, um des Mangels Herr zu werden. (...)

Hier komme ich in Versuchung, den Menschen mit dem Lärchenwickler zu vergleichen. Wer immer schon die von dessen gefrässigen Raupen verwüsteten Wälder erlebt hat, interessiert sich für den Vorgang und lernt, dass es sich um einen Zyklus von 7 oder 8 Jahren handelt. Am Anfang ist die Zahl der Lärchenwickler so klein, dass sie dem harmlosen Wanderer überhaupt nicht auffallen. Vielleicht hat jedes einzelne Tier einen ganzen Baum für sich, an dem es herrlich fressen und gedeihen und sich fortpflanzen kann (Stadium der Jäger und Sammler). Wenn jedes eine bestimmte Vielzahl von Nachkommen hervorbringt, so ist leicht ein exponentielles Wachstum der Population vorauszuberechnen. Und wirklich, nach 7 oder 8 Jahren ist die Dichte so gross, dass einerseits die Tiere das natürliche Nahrungsangebot der Bäume übernutzen. Sie fressen sich gegenseitig das Futter weg, das saftige Grün der Lärchen verwandelt sich schon im Sommer in ein trauriges Braun, dicht durchsetzt von klebrigem Gespinst. Anderseits leben die Tiere so dicht zusammen, dass vorhandene Krankheiten zu Seuchen werden. Auf dem Höhepunkt des Schadens führen Hunger und Seuche zum Kollaps, das Wicklervolk stirbt aus und nächstes Jahr leuchten die Lärchen wieder in strahlendem Grün. Allerdings haben einige besonders widerstandsfähige Individuen die Sintflut überlebt, denn der Zyklus beginnt von neuem. Frage: in welchem Lärchenwicklerjahr steht heute der Mensch? Auch darüber können wir nächstes Jahr diskutieren. (...)

Zukunftsaussichten

Es ist anzunehmen, dass die abendländische industrielle Kultur sich weiter ausbreiten wird. Zwar bemühen sich die sogenannten Entwicklungsländer, nicht einfach unser Beispiel nachzuahmen, sondern eine ihrer eigenen Geistesverfassung und Kultur angepasste Technologie zu finden. Auch die Anstrengungen der Entwicklungshilfe, welche von den Industrienationen ausgehen, richten sich immer mehr auf dieses Ziel aus.

Trotzdem wird sich mit der Zeit alles der abendländischen Lebensweise annähern, weil jene Leute ständig unseren Wohlstand vor Augen haben und begreiflicherweise keinen Grund sehen, warum sie nicht daran teilhaben sollten.

Bei diesem Vorgang ist zu erwarten, dass viele der Fehler sich wiederholen werden, die wir bereits hinter uns wähnen oder deren üble Folgen wir bekämpfen. Es geht vielleicht mit alten und jungen Völkern wie mit Eltern und Kindern. Es nützt wenig, die Jungen vor Fehlern bewahren zu wollen; sie müssen aus eigenen Erfahrungen lernen.

Die Ausbreitung des westlichen Lebensstandards wird wohl das Wachstum der Erdbevölkerung verlangsamen und vielleicht in ferner Zeit aufhören lassen, wie dies hierzulande bereits der Fall ist. Aber auch so wird die grössere Anzahl von Menschen und ihre höheren Ansprüche die Nachfrage nach Bodenschätzen ansteigen lassen, obwohl wir leicht einsehen können, dass deren Vorkommen begrenzt ist und damit deren Förderung einmal zu einem Ende kommen wird.

Also lasst uns sparen, wie das die Obrigkeit von uns wünscht. Nur ist das Sprichwort: "Spare in der Zeit, so hast Du in der Not" eigentlich nicht auf die Völker anzuwenden. Die sparen nämlich nicht in der Zeit, sondern erst in der Not.

Mit Sparen wird der böse Endzustand des Mangels allerdings nicht vermieden, sondern nur hinausgeschoben. Immerhin wird dadurch die Zeitspanne verlängert, welche uns bleibt, um nach neuen Methoden zu suchen die uns auf die Dauer weiterhelfen. Da wäre zunächst Rousseau's Ruf "Zurück zur Natur!"als Ausweg aus der bösen Technik. Wir können sicher nicht auf die Stufe der Jäger und Sammler zurückkehren. Ganz abgesehen von der Härte jenes Lebens steht einfach zu wenig Land zur Verfügung.(...)

Natürlich dürfen wir die sanften Technologien nicht gering achten, sondern müssen sie auch an der ETH gebührend pflegen. Es ist nämlich nicht auszuschliessen, dass wir gelegentlich in der Not alle Brosamen zusammenkehren müssen. Dies soll uns jedoch nicht hindern, auch die bisherigen ergiebigeren Methoden zu fördern und nach neuen Möglichkeiten zu suchen, welche jenen Endzustand des Mangels an Rohstoffen und Energie vermeiden sollen. (...)

Dank seiner grossen Zahl und seiner durch die Technik potenzierten Kraft ist der Mensch zu einer Macht geworden, die sich bereits mit anderen Naturgewalten zu messen beginnt. Er trägt Berge ab, verändert den Lauf des Wassers, bringt durch naturfremde Auswirkungen der Bebauung, Industrie, Landwirtschaft sogar örtliche Klimaänderungen zustande, obschon ihn Natur. katstrophen hin und wieder belehren, dass er auf der Erde noch nicht allein Herr ist. Mit den künftig noch weiter gesteigerten Möglichkeiten nimmt aber auch die Gefahr zu, dass allfällige Fehlschläge ein bedenkliches Ausmass annehmen. (...)

Es ist nicht zu erwarten, dass diese altmenschliche Methode von "Versuch und Irrtum"je ganz ausstirbt, obwohl die Wissenschaft heute schon über riesige Mengen an Information verfügt, die sich erst noch rasch vermehrt. Wichtig ist jeweils, dass nicht nur die Wissenschaft über die erforderlichen Kenntnisse verfügt, sondern auch die Leute, welche die massgebenden Entscheide fallen müssen. Zu solcher Wissensvermittlung muss auch die Hochschule ihren Beitrag leisten.

Da künftig immer ein Stück Unsicherheit bleibt, müssen wir dort, wo Gewaltiges unternommen wird, eben besonders gut aufpassen, dass nichts gewaltig schief geht. Dieses Stadium der Gangart auf Zehenspitzen haben wir offensichtlich bereits erreicht. Noch nie hat eine Generation ein Problem derart ängstlich angefasst, wie wir die Kernenergie, während wir andere Risiken grosszügig oder gedankenlos auf uns nehmen.

Bange ist mir vor der neuen industriellen Revolution, die uns von der Informatik und Automatik beschert wird. Es ist zu erwarten, dass die Steuerung und Regelung von Maschinen und Betrieben immer mehr automatisch erfolgt und damit Arbeitsplätze eingespart werden. Immer weniger Leute werden daher mit leistungsfähigeren Maschinen immer mehr produzieren. Was tun, wenn der Absatz stockt und Leute arbeitslos werden? (...)

Wenn aber wirklich eine ganz systematische Arbeitslosigkeit drohen sollte, dann werden wir die Arbeitszeit verkürzen müssen. Ich glaube, wir werden künftig mehr Freizeit bekommen.

Sicher werden aus dem Betrieb, den der moderne Mensch für seine Freizeit benötigt, auch wieder zahllose Arbeitsplätze entstehen. Wir brauchen nur an das Unterhaltungsgewerbe, an den Sport und an die Fremdenindustrie zu denken.

Freizeitgestaltung —Persönlichkeitsbildung

Dies alles scheint mir aber nicht zu genügen, wenn ich mir die Bedürfnisse des ganzen Menschen vorstelle. Wir müssen einfach unsere eigene schöpferische Kraft pflegen, etwas tun, an dessen Ergebnis wir uns freuen können. Die Freizeit wird uns Gelegenheit geben, viele Nachteile wieder zu korrigieren, welche das technisierte, arbeitsteilige Leben mit sich bringt. Wir können die Schönheit des alten Handwerkes wieder aufleben lassen und mit eigenen Händen und eigener Mühe manchen Gegenstand wieder selbst herstellen, statt ihn im Warenhaus zu kaufen. Wir können auch unser Land wieder besser bebauen, wie wir dies während des Krieges tun mussten, d.h. uns von Hand all der Gebiete annehmen, die für die mechanisierte Landwirtschaft nicht in Frage kommen.

Nebst unseren eigenen Gärten können wir im Sinne eines Kulturdienstes auch grössere Gebiete bearbeiten, etwa Alpen, die in Vergandung begriffen sind, oder die terrassierten Hänge unserer südlichen Bergtäler, wo die Mühe unzähliger Generationen heute verloren geht. Wenn ich Kulturdienst sage, so keineswegs als Ersatz des Militärdienstes, sondern als zusätzliche Anstrengung hauptsächlich der Jungen. Kulturdienst auch deshalb, weil gleichzeitig an der Persönlichkeitsbildung der Teilnehmer gearbeitet werden kann.

Da beide Geschlechter daran teilnehmen, wird es auch möglich sein, den Wert der Familie zu überdenken und die dafür zu leistende Arbeit neu zu bewerten . . . Also auch hier ein Gegengewicht zur drohenden Arbeitslosigkeit. (...)

Ich bin mir bewusst, dass ich die Frage "Technik wozu und wohin?" nicht beantwortet habe; dies war auch nicht das Ziel. Es wird viel mehr während des Jubiläumsjahres 1980 Sache der Abteilungen unserer ETH sein, das Thema aufzugreifen und vom Standpunkt ihrer praktischen Arbeit, Aufgabe und Verantwortung her nach Antworten zu suchen. Es ist ausserordentlich wichtig, dass die Hochschule sich ständig prüft, ob sie die Anforderungen der Zeit erfüllt und sich auch rasch genug dem Wandel der Dinge anpasst. Ja noch mehr, sie soll über eine Vision der Zukunft verfügen, die es erlaubt zu entscheiden, wie die jungen Leute ausgebildet werden sollen, auf denen nach einer weiteren Generation, d.h. etwa um die Jahrtausendwende die Last der Verantwortung ruhen wird.

Jubiläumsjahr 1980

Dies ist eine ständige Aufgabe, aber nächstes Jahr, wenn wir das 125. Geburtsjahr unserer Schule feiern, wollen wir den Anlass benützen, mit unseren Ideen vor das Volk zu treten, das Volk, das uns seit jeher sehr gewogen gewesen ist und das uns besonders in den letzten 25 Jahren seit dem Zentenarium die ganze Entwicklung ermöglicht hat, deren wir uns erfreuen dürfen. Ist doch z.B. die Zahl der Professoren von 109 auf 270, diejenige der Studenten von 3000 auf 7000 und die Gebäudefläche von 85000 auf 250000 m2 gestiegen. Wir sind dem Volk nicht nur Dank schuldig für die materielle Unterstützung, sondern auch Rechenschaft darüber, was wir tun.

Die einzelnen Abteilungen, aber auch interdisziplinäre Gruppen, werden daher nächstes Jahr eine Grosszahl von öffentlichen Veranstaltungen zu unserem Gesamtthema durchfuhren, Vorträge, Ausstellungen, Exkursionen, praktische Vorführungen und zwar nicht nur gestaffelt über das ganze Jahr, sondern auch verteilt über die ganze Schweiz. Das definitive Programm wird im Januar erscheinen. Ende November 1980 wollen wir dann unsere schweizerischen Anstrengungen in einem besonderen Seminar an internationalen Massstäben messen. Hernach aber am Polyball soll zusammen mit den Ehemaligen tüchtig gefeiert werden. Ich denke, dass wir dannzumal solches redlich verdient haben werden.